Am 3. September 1939 erklärte England Deutschland den Krieg. Churchill wurde zum Ersten Lord der Admiralität ernannt. Er erließ einen Funkspruch an alle Einheiten der Royal Navy: „Winston is back“. Aber die Freude über Churchills Ernennung in der Flotte war nicht groß, zumal Churchill sich benahm, als wäre er auch zum Kriegsminister bestimmt worden. Er fing an, Befehle auch an andere Truppengattungen auszugeben.

Sein erster Befehl als Erster Lord erging an die Royal Air Force, die deutschen Kriegshäfen in Wilhelmshaven und Brunsbüttel anzugreifen. Von 29 Blenheim‑ und Wellingtonbombern verfehlten zehn das Ziel und kehrten um. Eine der Maschinen bombardierte Esbjerg, eine Stadt in Dänemark ca. 170 km vom Angriffsziel entfernt. Drei Maschinen griffen eigene Schiffe in der Nordsee an, sieben wurden von der Flak abgeschossen. Nur acht Bomber fanden das Ziel und griffen das Schlachtschiff Scheer mit drei nicht scharf gemachten Bomben an, ohne Schaden. für das Schiff. Der Kreuzer Emden erhielt einige Treffer. Der einzig wirkliche Schaden entstand durch den Absturz einer der Bomber auf den Kreuzer. Die Treffsicherheit der RAF verbesserte sich nur unerheblich während der nächsten zwei Jahre.

Churchills Einstellung zu Kriegsregeln und Menschenleben

Als England Deutschland den Krieg erklärte, bestand rein geographisch weder für England noch für Frankreich eine Möglichkeit, Polen zu Hilfe zu eilen, noch hatten beide je diese Absicht gehabt, wie spätere Ereignisse beweisen sollten. Hitler bestand darauf, daß offene Städte und die Zivilbevölkerung nicht bombardiert werden und daß die Genfer Kriegsregeln genauestens befolgt würden. Deutschland wollte sich keiner Grausamkeiten, gleich welcher Form zuschulden kommen lassen. Doch Churchill bedeuteten einfache Anstandsregeln genau so wenig wie das Leben von Menschen.

In seinem Bemühen, Amerika in den Krieg zu zerren, verließ er sich auf Roosevelts Warnung, daß Amerika die Bombardierung der Zivilbevölkerung als unfreundlichen Akt ansehen würde. So wurde er nicht müde, die Deutschen dazu zu verleiten, englische Städte anzugreifen. Aus dem selben Grunde ließ er keine englische Stadt als „offene Stadt“ gelten. Im Gegenteil! In flammenden Reden rief er alle seine Städte auf, und insbesondere London, Festungen zu werden, und alle Engländer sollten „an den Küsten, in den Städten und im offenen Feld kämpfen!“ Zu diesem Zweck überschütteten die Medien das Volk mit ständigen Anklagen über deutsche Grausamkeiten, besonders gegen Juden. Der englische Nachrichtendienst ließ diese Greuelpropaganda schon im August 1940 anlaufen. In Wirklichkeit war es die Royal Navy, die auf Churchills Anweisung ihren gewichtigen Teil von Grausamkeiten begehen sollte.

Am 14.September 1940 zwang ein Zerstörer der Royal Navy U-39 zum Auftauchen und nahm vor der Versenkung des deutschen Bootes die Besatzung gefangen. Alle Medien berichteten über den Vorfall, und die Überlebenden wurden in Wochenschauen gezeigt. Aber niemand sah diese Matrosen jemals wieder. Sie wurden bis auf den letzten Mann auf dem Zerstörer, dessen Namen man geheim hielt, ermordet! Im Unterhaus nach dem Schicksal der Deutschen befragt, erwiderte Churchill: „Der Erste Lord sei gemaßregelt worden, es war eine ekelhafte Sache“. Der Kommandant des Zerstörers wurde nicht bestraft, nicht einmal getadelt. Der Ruf der Royal Navy in Bezug auf die Behandlung von Menschen in Seenot war alles andere als ehrenhaft.

Allgemeines Seerecht ignorierend, befahl Churchill seiner Flotte, Minen auch in neutralen Gewässern zu legen, insbesondere entlang der norwegischen und holländischen Küsten. Obwohl Churchill der Hauptakteur war, der England und Frankreich wegen der territorialen Unverletzlichkeit Polens in den Krieg getrieben hatte, bemerkte er, als Stalin mehr als 3/5 Polens an sich gerissen hatte, daß Stalin Polen nur als Abwehrmanöver gegen die Nazis angegriffen habe und daß diese Gebiete sowieso zu Rußland gehörten. Es waren Churchill und seine Antinazigruppe, die Sir Neville Henderson daran hinderten, Hitlers Angebot dem Unterhaus zu unterbreiten, wonach er sich aus Polen zurückziehen und sogar Reparationen zahlen wolle, vorausgesetzt, ein internationales Komitee würde über den polnischen Korridor entscheiden. Sowohl König Leopold von Belgien wie die holländische Königin Wilhelmina boten sich als Unterhändler an, und auch Amerika und Frankreich rieten den Engländern, dieses Angebot zu erwägen. Doch Churchill sorgte dafür, daß weder das Unterhaus noch das englische Volk bis zum Ende des Krieges davon Kenntnis erhielten.

Von 2.450 im Unterhaus eingegangenen Briefen befürworteten 1.860 (über 75%!) den Friedensschluß mit Deutschland, aber Churchill setzte sich über diese Friedensbereitschaft hinweg. Jetzt machten die englischen Arbeiter, die Churchill während des Generalsteiks „den Feind“ genannt hatte, ihren Gefühlen Luft. Die durch Streiks in den Metall‑, Maschinen‑ und Schiffbauindustrien verlorene Rüstungsproduktion stieg von 163.000 Arbeitstagen 1940 auf 1.048.000 Arbeitstage im Jahre 1944. In Nordafrika eintreffende Panzer waren oft in der Fabrik beschädigt worden, und im März 1945 weigerten sich die Dockarbeiter in London, Kriegsmaterial für die Truppen auf dem Festland zu verladen.

Schon im Jahre 1913 hatte Churchill als Erster Lord die Besetzung Hollands, Dänemarks und Norwegens im Falle eines Krieges mit Deutschland vorgeschlagen. Im 2. Weltkrieg wußte er die Franzosen zu überzeugen, daß Norwegen besetzt werden müsse, um die Erzzufuhr von Schweden entlang der norwegischen Küste unter Kontrolle zu bringen, ebenso, um deutschen Kreuzern den Ausbruch aus der Nordsee zu verwehren. Den Deutschen wurde dieser Plan bekannt, so daß sie fast zur selben Zeit wie die Alliierten in Norwegen landeten. Churchills Truppen hatten wenig Aussicht, ihre Stellungen in Norwegen zu halten. Selbst wenn ihnen die Bildung von Stützpunkten gelungen wäre, wäre es riskant gewesen, sie zu versorgen oder zu verstärken. Im Endresultat war diese ganze Operation kompletter Unsinn und eine völlige Verschwendung von Soldaten und Schiffsmaterial, ein weiteres Beispiel von „Milners Beobachtung“! Denn sowohl die Armee wie auch die Flotte hatten schwerwiegende Einwände gegen Churchills Plan erhoben.

Das nächste Wettrennen begann am 10. Mai 1940, als Engländer und Franzosen etwa um dieselbe Zeit wie die Deutschen in Belgien eindrangen. Die Alliierten überschritten die belgische Grenze sogar noch ehe Belgien und Holland einen deutschen Angriff bestätigt und bevor sie um Hilfe gebeten hatten. Churchill, inzwischen Premierminister, ernannte sich zusätzlich zum Kriegsminister. Natürlich beschuldigte er die Deutschen als Aggressoren, genau wie er es im Norwegenfeldzug getan hatte.

Churchill, dem man nach seinem eigenen Geständnis nicht trau­en konnte, hatte sich entschieden, daß es in diesem Kriege keine „Blutbäder“ von englischen Tommies geben werde. Andere sollten sich abschlachten lassen, in diesem Falle die Franzosen und seine „Kolonialen“, und, mit einigem Glück, die Amerikaner. Als Kriegsminister usurpierte er diktatorische Vollmachten über den Generalstab und alle Phasen von Operationen. Lord Gort, Befehlshaber des englischen Expeditionskorps, stand offiziell unter dem Kommando des alliierten Oberbefehlshabers (OB), General Gamelin. Doch ohne daß die Franzosen davon erfuhren, konnte Gort sich direkt an Churchill wenden, was die Verwendung seines Korps betraf. Obwohl Gort nur acht von insgesamt rund 80 alliierten Divisionen befehligte, wurde er zum Feldmarschall ernannt, ein höherer Dienstgrad als der des alliierten OB und selbst des belgischen Königs Leopold.

Churchill gab Gort deutlich zu verstehen, daß es seine erste Aufgabe sei, sein Korps möglichst unversehrt zu erhalten statt es in Kämpfe zu verwickeln. Auf Churchills Befehl weigerte Gort sich, zusammen mit den Franzosen im Angriff Guderians Vorstoß zum Kanal abzuwürgen. Er zog es vor, seine Truppen in dem von Franzosen geschützten Dünkirchen in Sicherheit zu bringen. Die französische Flotte evakuierte mehr Truppen, in erster Linie Engländer, aus Dünkirchen als die Royal Navy, in der Annahme, daß diese südlich der Marne angelandet werden sollten. Die Franzosen mußten die Nachhut für das englische Korps bilden. Doch die Franzosen, soweit sie den Deutschen nicht in die Hände fielen, wurden nach England verschifft, um England, nicht ihr eigenes Land, zu verteidigen. Getreu seiner Absicht, das englische Korps auf Kosten der Kolonialen zu erhalten, befahl Churchill, daß die 1. kanadische Division bei Dünkirchen gelandet wurde, um den Rückzug der Engländer zu decken und anschließend im Juni die in Frankreich noch verbliebenen Engländer zu entsetzen.

Churchill wollte nicht, daß Paris zur offenen Stadt erklärt würde. Er forderte vielmehr, daß es zur Festung gemacht und damit das Schicksal Warschaus erleiden solle. Später schlug er vor, ohne dazu vom König oder den Dominien ermächtigt zu sein, daß England und Frankreich ein Land mit gemeinsamer Staatsbürgerschaft werden sollten, um damit die besiegten französischen Streitkräfte weiter für seinen Krieg ausnutzen zu können. Es scheint, daß es Churchills Ehrgeiz war, der erste „Königliche Premier“ zu werden. Als Frankreich um verstärkte Luftunterstützung bat, tat Churchill das Gegenteil. Er zog die wenigen von ihm gestellten Lufteinheiten mit der Ausrede zurück, daß alle englischen Maschinen für die kommende „Schlacht um England“ gebraucht würden.

Es war Churchill sehr wohl bekannt, daß Hitler England nie übel wollte und daß er nur unwillig an eine Invasion, noch weniger an eine Eroberung dachte. Ganz im Gegenteil hatte Hitler England neun Divisionen angeboten, um etwaige Aufstände im Nahen und Mittleren Osten zu verhindern. In Hitlers Augen war das englische Empire ein stabilisierender Faktor in der Weit zu jener Zeit, eine Meinung, die von Churchills „Freund“ Roosevelt keineswegs geteilt wurde!

Nachdem die Überreste des britischen Expeditionskorps ohne Waffen und Gerät sicher in England, gelandet waren, startete Churchill einen wahren Feldzug von Angstpropaganda, um das englische Volk für seinen Krieg, den es nicht wollte, zu fanatisieren. Er redete seinen Kabinettsmitgliedern ein, daß die Nazis sie und ihre Familien umbringen würden, und er gab ihnen Selbstmordpillen für sich und ihre Familien.

Churchills „Schutzschild von Lügen“ erhielt neue Stoßkraft in seinen Reden und den Medien. Seine erste Maßnahme als Premierminister war der Befehl an die RAF, Mönchengladbach mit 18 Whitney‑ und 18 Hamptonbombern zu bombardieren. Die englische Propaganda sprach von Nazigreueln. In Wahrheit war es Churchill, der den ersten Schlag gegen die Zivilbevölkerung befahl. Der erste Angriff auf Berlin wurde von französischen Bombern am 6. Juni 1940 ausgeführt, obwohl die Deutschen keine Zivilbevölkerung und offene Städte angegriffen hatten. Trotz dieses Angriffs erließ Hitler den strikten Befehl, daß von deutscher Seite nur militärische Ziele anzugreifen seien.

Churchill bemühte sich verzweifelt, Hitler zu Angriffen auf Zivilisten zu ködern in seinem Bemühen, Roosevelt in den Krieg zu ziehen. Er war sehr bestürzt, als die Franzosen um Frieden baten, obwohl England herzlich wenig getan hatte, den deutschen Angriff abzuwehren und in einigen Fällen sogar mehr Hindernis als Hilfe für die Franzosen gewesen war. Er entschloß sich daher, die Franzosen zu strafen und befahl dem Ersten Seelord gegen den Rat und die Vorstellungen seiner Admirale den „größten Seesieg, den die Royal Navy je gekannt hatte“, zu erringen. Nicht ein Sieg über einen Gegner zur See, sondern gegen einen gefallenen Verbündeten, dessen Schiffe im Hafen friedlich vor Anker lagen.

Am 3. Juli 1940 überfiel die Royal Navy die in den Häfen von Oran und Mers‑el‑ Kebir liegende französische Flotte. Es war ein reiner Racheakt, ein Angriff ohne strategische Bedeutung. Churchill hatte behauptet, daß die französische Flotte eine ernste Bedrohung für England darstelle, falls sie in den Atlantik ausbrechen sollte. Doch dazu hätten die Franzosen Gibraltar oder den Suezkanal passieren müssen. Die französischen Schlachtschiffe Bretagne, Provence und Dunkerque wurden versenkt oder schwer beschädigt. Mehrere U‑Boote, Zerstörer und andere Einheiten wurden systematisch vernichtet, wobei 1.267 französische Matrosen ihr Leben einbüßten. Am 8. Juli wurde das Schlachtschiff Richelieu, das im Hafen von Dakar vor Anker lag, torpediert. Damit endete der größte „Sieg“; den die Royal Navy je erfocht.

Die erste Phase von Churchills „Schlacht um England“ begann mit den Angriffen der Luftwaffe gegen die englische Schiffahrt im Ärmelkanal. Sie gaben Churchill die Chance, seine Prophezeiung vom bevorstehenden „Kampf um England“ zu verkünden. Daher seine Ausrede, seine Jagdwaffe aus den Kämpfen in Frankreich abzuziehen. Churchill wollte Hitler reizen, er wollte ihm zeigen, daß „Britanien noch immer die Wogen beherrsche“ und insbesondere den Kanal. Zu diesem Zweck bestand er darauf, daß London Englands Haupthafen und damit militärisches Angriffsziel bleiben solle. Der Erste Seelord, Admiral Sir Roger Keyes und Luftmarschall Sir Hugh Dowding wiesen Churchill darauf hin, daß weder ein wirtschaftlicher noch ein strategischer Vorteil darin liege, Kohle und andere Massengüter durch den Ärmelkanal zu verfrachten und daß dies viel besser per Eisenbahn geschehen könne. Doch Churchill, dem wie üblich weder an Menschenleben noch an Ratschlägen anderer gelegen war, machte eine „Prestigefrage“ daraus, daß die Kohlen‑ und andere Frachter, selbst wenn sie leer waren, den Ärmelkanal durchlaufen sollten. Dowding war zornig wegen dieser unsinnigen Forderung, seine Jäger, statt für den Schutz von Fabriken und Städten einzusetzen, für die Sicherung leerer Kohlenleichter zu verschwenden. Er erklärte, daß seine Piloten und Maschinen zu wertvoll und zu knapp seien, um für Medienpropaganda und „Prestige“ vergeudet zu werden. Durch diese Äußerungen unterschrieb Dowding sein eigenes Todesurteil, wie so manche andere, die es wagten, Churchill zu widersprechen.

Churchills Gleichgültigkeit gegenüber Menschenleben wurde wieder offenkundig bei seiner Verachtung des Roten Kreuzes und des Seenotdienstes für über dem Kanal abgeschossene verwundete und ertrinkende Piloten. Englands Seenotdienst bestand aus insgesamt nur 18 Rettungsbooten entlang der gesamten Südküste, mehr für moralische Wirkung als für wirksame Rettungsaktionen geeignet. Englische Piloten besaßen eine Trillerpfeife und eine Schwimmweste, die von den Verwundeten aufgeblasen werden mußte. Die Piloten der Luftwaffe dagegen konnten zusätzlich durch Gelbfärbung des Wassers für einen Kreis von. ca. 30 m Durchmesser ihren Standort kennzeichnen. Die Deutschen hatten zudem mit dem Roten Kreuz markierte Rettungsstationen im Kanal angebracht, die mit Wasser, Nahrung und ersten Hilfepäckchen ausgerüstet waren. Sie dienten allen abgeschossenen Piloten, Deutschen wie Gegnern! Die Deutschen hatten zusätzlich mit dem Roten Kreuz gekennzeichnete Heinkel He 59 Seenotmaschinen im Einsatz. Diese Maschinen machten keinen Unterschied zwischen Freund und Feind, wie so mancher RAF‑Pilot bezeugen kann. Gegen die scharfen Proteste von Dowding und des Luftministeriums befahl Churchill, daß diese Seenotmaschinen abgeschossen und eingebracht werden sollten, ein Befehl, der allerdings nicht sehr häufig ausgeführt wurde. Das erste dieser Rettungsflugzeuge wurde am 9. Juli 1940 von Staffelkapitän J.F. Allen von der 54. Staffel abgeschossen. Allen erhielt eine Auszeichnung für diese Heldentat!

Gegen Churchills Prestigewahn fielen Proteste von Dowding und Sir Roger Keyes auf taube Ohren. Bis Anfang August waren 18 Schiffe und vier Zerstörer beim Passieren des Kanals versenkt worden. Dazu kamen noch die Verluste von Jagdflugzeugen. Trotzdem befahl Churchill gegen alle Einwendungen für den 7. August die Zusammenstellung eines speziellen Geleitzuges bei South Bend. Dieser bestand aus 24 Kohle‑ und neun Begleitschiffen. Von den 24 Handelsschiffen quälten sich nur sechs in ihren Bestimmungshafen, nachdem die Luftwaffe den Geleitzug zersprengt hatte. Dowding hatte seine Jagdstaffeln in Dauereinsatz zu halten, um diesen Wahnsinnsakt zu schützen. Seine Proteste brachten ihm nur einen weiteren Nagel in seinen Sarg.

Der Erste Seelord argumentierte, daß die westlichen Seewege zugunsten von Churchills Kanalgeleitzügen von Zerstörern und Jagdschutz entblößt würden. Um seinen Bestand an Zerstörern aufzustocken, verkaufte Churchill deshalb englische Basen und Besitzungen an die Amerikaner für 50 altmodische, wenig brauchbare Zerstörer. Nur wenige dieser Erwerbungen kamen je zum Einsatz, und die in Neufundland und in der Karibik betroffenen Menschen waren wenig beglückt darüber, daß man sie nicht einmal gefragt hatte.

Churchill hatte nie in der Royal Air Force gedient, und sein einziger Versuch am Steuerknüppel kostete ihn und seinen Fluglehrer beinahe das Leben. Aber jetzt stolzierte er in einer Luftwaffenuniform herum, besonders in den angegriffenen Gebieten um London und an der Südküste. Wie stets der Romantiker, wollte Churchill einem Luftkampf zusehen. Er begab sich daher mit „Pug“ Ismay und ‑General Brooke am 19. August nach „Hell Fire Corner“. Sie waren so glücklich, ein paar Kondensstreifen am Himmel zu sehen, aber das war so ziemlich alles! Auf der Rückfahrt nach London fing Churchill an, laut zu denken und schrieb, obwohl General Brooke ihm davon abriet: „Nie zuvor in den Annalen der Kriegsgeschichte schuldeten so viele so wenigen so viel“. Der Spruch ergab bei Piloten und in den Straßen nur Gelächter. Das südafrikanische Ass „Sailor Malan“ witzelte: „Er muß wohl an unsere Messerechnungen gedacht haben!“

Churchill hatte London zu einer befestigten Stadt mit betonierten Maschinengewehrnestern im Zentrum ausgebaut. London war somit keine „offene Stadt“ mehr, und die Luftwaffe fing demnach an, militärische Anlagen in der Nähe der Stadt anzugreifen. Hitler hatte jedoch streng befohlen, daß die Stadt als solche nicht angegriffen werden dürfe. In der Nacht vom 23. auf den 24. August griffen zehn deutsche Nachtbomber Öltanks nahe Thameshaven an. Sie wurden von einer Staffel Hurricanes angegriffen und abgedrängt. Infolge eines Navigationsfehlers warfen sie ihre Bombenanlagen auf Dockanlagen in East London ab. Obwohl die Dockanlagen als militärische Anlagen galten, ließ Hitler die Besatzungen vor ein Kriegsgericht stellen, degradieren und zur Infanterie versetzen. Der Angriff war genau das, worauf Churchill gewartet hatte, um Roosevelt zum Kriegseintritt zu überreden. Als Vergeltung befahl Churchill eine Serie von Bombardierungen Berlins, um Hitler zum Krieg gegen die Zivilbevölkerung und die Hauptstadt Englands zu reizen. Der erste Angriff auf Berlin wurde in der Nacht vom 25. auf den 26. August mit 81 Bombern ausgeführt. 29 Besatzungen behaupteten, Berlin getroffen zu haben, 27 konnten die Stadt nicht finden, 18 warfen ihre Bomben wahllos ab, sieben mußten ihren Flug abbrechen, und fünf Maschinen kamen nicht zurück. Ausländische Korrespondenten berichteten, daß eine Bibliothek, ein Sportfeld und eine Schule getroffen worden waren. Weitere englische Angriffe verliefen um nichts besser, und die Verluste an Maschinen und Besatzungen nahmen zu.

Churchill fragte nun beim amerikanischen Botschafter, Joseph Kennedy, an, ob die Bombardierung Londons den Kriegseintritt Amerikas auslösen würde, wie Roosevelt 1939 die Kriegführenden gewarnt hatte. Kennedy antwortete mit einem NEIN! Aber er wunderte sich, wie weit Churchill gehen würde, um Amerikas Kriegseintritt zu erzwingen. Vielleicht eine neues Lusitania.

Kennedy hatte gute Gründe, Churchill zu mißtrauen. Er war genau unterrichtet, daß Lord Philip Lothian in Washington von Hitler ein sehr günstiges Friedensangebot erhalten hatte. Er hatte Churchill geraten, keine Äußerungen zu machen, die die Tür zum Frieden zuschlagen würden. Selbst Roosevelt soll gewünscht haben (eine seiner Propagandalügen? der Übersetzer), daß das Angebot nicht leichtfertig ausgeschlagen werden sollte. Weder das englische Volk noch das Unterhaus erfuhren jemals davon, daß das deutsche Volk mit Hilfe der Amerikaner Frieden schließen wollte, noch daß Churchill nur zwei Monate früher über Spanien und Schweden Friedensfühler ausgestreckt hatte als er noch eine deutsche Invasion befürchtete. Doch jetzt, da er sicher war, eine Invasion würde nie erfolgen, wurden seine Reden immer provozierender, obwohl ihm sehr wohl bekannt war, und auch Kennedy wußte es, daß Hitler keinerlei Abneigung gegen England hatte und keine Lust, England anzugreifen. Kennedy wußte ebenfalls, daß Churchills Schulden an FOCUS noch immer unbezahlt waren….

Als Churchill erfahren hatte, daß Hitler am 8. November, zum Jahrestag des „Bierhallenputsches“ in München sprechen würde, befahl Churchill, wieder „aus Prestigegründen“ einen Angriff auf München. 51 Bomber waren beteiligt, von denen elf nicht zurückkamen. In München war kein ernsthafter Schaden angerichtet worden und Hitler war während des Bombenangriffs nicht einmal in der Stadt. Auf diesen unnötigen Angriff folgte Churchills nächster „Prestigeangriff“. Der russische Außenminister Molotov war in Berlin eingetroffen, um Gespräche mit Hitler zu führen. Churchill befahl eine Bombardierung Berlins, „um Molotov zu begrüßen“. Von 51 Bombern kamen 17 nicht zurück. Der angerichtete Schaden war gering, die meisten Flugzeuge waren nicht in der Lage, ihre Ziele zu finden. Doch eine Schule und ein Krankenhaus wurden getroffen. Aber dieser Angriff sollte die Vergeltung auslösen.

Eine der umstrittensten und meistdiskutierten Luftkriegshandlungen der „Schlacht um England“ wurde der Angriff auf Coventry. Die Luftwaffe hatte einen Angriff geplant, um englische Produktionszentren zu treffen, wohl auch als Vergeltung für die englischen Angriffe auf München und Berlin. Der Angriff trug den Tarnnamen „Mondscheinsonate“. Die Abhörstelle der RAF-Gruppe 80 kündigte einen Angriff auf London, Birmingham oder Coventry an. Am 12. November war man sicher, daß der Angriff Coventry gelten würde, eine der bedeutendsten Industriestädte Englands. Churchill weigerte sich, die Bevölkerung Coventrys sowie die RAF und die Flakbatterien der Umgebung zu warnen. Seine Ausrede: Er wolle den Deutschen nicht zeigen, daß man ihren Geheimcode entschlüsselt hatte. Was er wirklich im Sinn hatte, war, Roosevelt zum Kriegseintritt zu überlisten. Er schien also willens, wie viele Historiker annehmen, die Bewohner Coventrys zu opfern (wie die Matrosen und Passagiere der Lusitania.), um Amerika in den Krieg einzuspannen.

Nachdem er Sir Hugh Dowding in die Wüste geschickt hatte, fing er an, die Mitglieder des Generalstabes zu tyrannisieren, und er geriet in Wutausbrüche, wenn sie nicht mit ihm übereinstimmten. General Alan Brooke dazu: „Wir wünschten, sein Kindermädchen würde kommen und ihn wegholen.“

Am 28. Oktober 1940 wurde Griechenland von den Italienern angegriffen. Trotz der Einwände des griechischen Premiers, General Metaxas, von Admiral Cunningham, Luftmarschall Longmore und General Wavell, befahl Churchill die Besetzung Kretas. Am 4. November trafen englische Truppen und Einheiten der RAF auf Kreta, einer griechischen Insel, ein. Churchill, dem es nie an Ideen mangelte, die nichts taugten, wünschte die Sudabucht auf Kreta in ein „Scapa Flow“ des Mittelmeeres zu verwandeln, obwohl diese im Aktionsradius der Luftwaffe lag und nur von See aus versorgt werden konnte.

Wavell hatte einen glänzenden Angriff gegen die Italiener in Lybien ausgeführt, als diese sich gerade anschickten, in Ägypten einzufallen. Um den 7. Februar 1941 hatten die Commonwealthkräfte unter General O’Connor die gesamte Cyrenaika erobert.

Als General Metaxas starb, ergriff Churchill die Gelegenheit, trotz allseitiger Einwendungen, Truppen auch nach Griechenland zu entsenden. Er sah dies als eine Gelegenheit, einen weiteren Verbündeten gegen die Deutschen zu gewinnen. Der Generalstab in Kairo bestand nachdrücklich darauf, daß man in Griechenland nichts positives erreichen könne. Zudem würde diese Operation die nordafrikanische Wüste von Soldaten, Material und Luftunterstützung entblößen. Wie zuvor waren Churchills „Kolonialen“ dazu ausersehen, die Kosten seiner Narrheit zu tragen. Etwa zur gleichen Zeit begann ein Mann namens Rommel, seine Panzer in Nordafrika zu landen, um Wavells hart erkämpfte Siege zunichte zu machen. Da Churchill Wavells beste Truppen nach Griechenland verschiffen ließ, zwang er Wavell, an mehreren Fronten zu kämpfen.

Am 4. März begann, obwohl nicht dazu eingeladen, die Landung der Commonwealthtruppen in Griechenland. Sie bestanden aus der 6. Australischen und der 2. Neuseelanddivision, zusammen mit einer polnischen Brigade, insgesamt gut 56.000 Mann stark. Als die „Kolonialen“ in Griechenland landeten, erreichte Rommel El Aghela und nahm die Generale O’Connor und Neame mit vier weiteren englischen Generalen gefangen. Ehe Rommel zur gleichen Zeit auf Bardia vorstieß, trafen die Alliierten in Griechenland, wie Metaxas befürchtet hatte, auf deutsche Panzerverbände. Während Rommel nach Ägypten vorpreschte, wandte Churchill sich mit Bittgesuchen an Roosevelt, in seinem Krieg mitzumischen und seine Kastanien aus dem Feuer zu holen.

Am 18.April mußten die besiegten britischen Truppen Griechenland räumen, und Churchill war auf der Suche nach einem Sündenbock. Englische Truppen wurden nun direkt nach Alexandria eingeschifft, während die „Kolonialen“, zunächst als Rückendeckung zurückgelassen, anschließend auf Kreta, Churchills „Scapa Flow“, gelandet wurden. Obwohl die Kolonialen unzureichend ausgerüstet und keine Stellungen vorbereitet waren, wurde ihnen befohlen, die Insel als „Drehpunkt nach Ägypten“ zu halten.

Churchills Einmischungen sollten nicht mit Griechenland aufhören, wo England dasselbe Schicksal wie in Dünkirchen und Narvik getroffen hatte. 22.000 Soldaten gingen verloren, dazu 207 Flugzeuge und über 8.000 wertvolle Fahrzeuge, die Hitler später im Rußlandfeldzug zugute kamen. Die Australier und Neuseeländer wurden von der Royal Navy im Stich gelassen.

Am 10. Mai 1941 bewies Churchill wieder einmal seine Unmenschlichkeit. Rudolf Hess, Hitlers dritter Mann, wurde durch eine List dazu verleitet, zum Schloß seines schottischen Freundes, dem Herzog von Hamilton zu fliegen, den er bei den Olympischen Spielen 1936 kennen gelernt hatte. Die ganze Affäre war dem Herzog unbekannt. Hess war jedoch der Meinung, der Herzog habe ihn eingeladen, um mit Friedensvorschlägen beim englischen König vorzusprechen.

Churchill sah gerade mit einigen Freunden einen Film der Marxbrothers, als man ihm die kurze Notiz übergab: „Hess ist eingetroffen“. Er wollte Hess um jeden Preis von der Außenwelt isolieren, für den Fall, daß er mit Hitler Frieden schließen könne, falls Rußland nicht angegriffen oder schnell besiegt würde. Hess wurde in eine Einzelzelle in Aldershot gesperrt. Er durfte weder Zeitungen erhalten, noch Radio hören, oder Nachrichten und Briefe empfangen und erhielt nicht einmal Schreibpapier. Nur ein einziger Besuch wurde ihm gestattet. Stalin sollte im Dunkeln gehalten werden. Als man Churchill im Unterhaus nach Hess befragte, gab er die lakonische Antwort: „Hess ist mein Gefangener“. Die einzige Person, die Hess besuchen durfte – Sie werden es erraten ‑ war Kim Philby vom M.I. 5 (Abtlg. des engl. Geheimdienstes). Wenn jemals ein Mensch grausamer und entwürdigender Gefangenschaft ausgesetzt war, so kann Churchills Behandlung von Hess als Musterbeispiel gelten. Hess genoß nicht einmal die Rechte eines Kriegsgefangenen. In Nürnberg wurde er für Dinge angeklagt, die während seiner Gefangenschaft in Aldershot unter Churchill geschahen. Die genauen Einzelheiten sind noch immer in Churchills Privatpapieren im Besitz seines Privatsekretärs Martin Gilbert unter Verschluß.

Am 27. Mai 1941 versenkte sich das tödlich verwundete deutsche Schlachtschiff Bismarck nach einem heroischen Kampf gegen das Gros der englischen Hochseeflotte selbst. Wieder einmal bewies Churchill seine Verachtung von Menschenleben, den Regeln des Krieges sowie ganz gewöhnlichen Anstands. Als der Kreuzer Dorsetshire daranging, die Verwundeten und Ertrinkenden der Bismarck aufzunehmen, erhielt der Kapitän des Kreuzers Befehl, die Rettungsaktion einzustellen. Als Ausrede für seinen Befehl erklärte Churchill, „daß deutsche U‑Boote in der Nähe sein könnten“, obwohl es höchst unwahrscheinlich war, daß deutsche U‑Boote Schiffe angreifen würden, die dabei waren, ihre eigenen Kameraden zu retten. Allerdings war dem Zerstörer Cossack erlaubt, lange genug zu verweilen, um Oscar, die Katze der Bismarck an Bord zu nehmen, aber keine verwundete oder ertrinkende deutsche Matrosen. Admiral Tovey, der Erste Lord, wurde von Churchill gerügt, weil er festgestellt hatte, „daß die Bismarck einen äußerst tapferen Kampf gegen überwältigende Übermacht geführt hatte, getreu der Tradition der alten kaiserlichen Marine, und daß sie mit wehender Flagge untergegangen war.“

Am 22. November 1941 versenkte die Dorsetshire den deutschen Handelskreuzer ATLANTIS nahe dem Äquator. Sie überließ die Überlebenden einschließlich der Verwundeten ihrem Schicksal in sechs offenen Rettungsbooten. Die Besatzung erreichte schließlich Brest, eine Saga von seemännischer Leistung. Höhere Gerechtigkeit holte die Dorsetshire, deren Gewohnheit es war, in Seenot befindliche Menschen im Stich zu lassen, ein, als sie von japanischen Flugzeugen in den haifischverseuchten Gewässern um Ceylon versenkt wurde. Es gab keine Überlebenden.

Der Angriff deutscher Fallschirmjäger auf Kreta und die tapfere Verteidigung durch General Freybergs Neuseeländer sind wohl bekannt. Churchill befahl zunächst, daß die Neuseeländer aus Transportersparnisgründen auf Kreta gelandet werden sollten, während die englischen Truppen aus Griechenland nach Alexandria evakuiert wurden. Die Neuseeländer sollten ihnen nachfolgen. Churchill, wie gewöhnlich seinen Generalstab übergehend, änderte dann seinen Sinn und befahl den unvorbereiteten Neuseeländern, die keinen Nachschub erwarten konnten, die Insel zu verteidigen, um sein „Sudabucht ‑ Scapa Flow“‑ Projekt zu retten.

Nach tapferem Widerstand ohne Luftunterstützung fielen Freybergs Truppen auf Suda Bay zurück, um am 28. Mai von der Royal Navy aufgenommen zu werden. Es waren nicht viele, die übrig geblieben waren. Von den 28.000 Kolonials auf Kreta fielen 12.000 oder gerieten in Gefangenschaft. Während Churchills „Kretakapriole“ wurden die Schlachtschiffe Barham und Warspite zusammen mit dem Träger Formidable schwer beschädigt. Drei Kreuzer und sechs Zerstörer wurden versenkt und sechs Kreuzer und sieben Zerstörer stark beschädigt. Die Alexandriaflotte war für mindestens ein Jahr außer Gefecht gesetzt.

Trotz der Niederlage der Commonwealthtruppen in Griechenland im April, bedrängte Churchill Wavell, den in der Wüste an Rommel verlorengegangenen Boden zurückzugewinnen. Wavell wehrte sich energisch gegen die „Battle Axe“ getaufte Operation. Er wies darauf hin, daß er mehr Kriegsmaterial, Panzer, Flugzeuge und Soldaten und, wichtiger noch, mehr Zeit zur Ausbildung seiner Armee benötige. Churchill jedoch bewies wieder „Milners Beobachtung“. Er hörte auf niemanden. Er brauchte einen Sieg nach der schmählichen Niederlage in Griechenland. Denn sein Ansehen in England wie in der ganzen Welt stand alles andere als hoch. Nur seine von FOCUS dominierten Medien standen ihm wie immer treu zur Seite. Gegen die Einwendungen seines Stabes in London und Kairo befahl er, daß fünf schnelle Transporter mit Panzern, Flugzeugen und anderem Kriegsmaterial durchs Mittelmeer nach Alexandria zu laufen hätten. Wavell hielt dieses Unternehmen für viel zu riskant und die extra zwei Wochen um das Kap eine gute Risikoversicherung. Churchill obsiegte jedoch wie immer in dem Streit, und das Ergebnis war wie erwartet.

Am 12. Mai traf Churchills „Tigergeleitzug“ wie er ihn nannte, in Alexandria ein. Von den fünf Frachtern wurde einer mit 100 Hurricanejägern an Bord versenkt, mehr als während der „Schlacht um England“ verloren gegangen waren, dazu 60 neue Panzer. Ein zweiter Frachter wurde so stark beschädigt, daß viele seiner mitgeführten Panzer nahezu unbrauchbar wurden. Von den 240 Panzern, die in Alexandria eintrafen, waren eine Menge wegen schlechter Vertauung schwer angeschlagen und mußten in die Werkstatt. Viele der Panzer zeigten Spuren von Sabotage in den Werkhallen.

Wavell trieb einen weiteren Nagel in seinen Sarg, wie Dowding es getan hatte, als er „Battle Axe“ auf den 15. Juni verschob. Selbst zu diesem Zeitpunkt fehlte es am Zusammenwirken auf Divisionsebene. Die RAF war in noch schlechterem Zustand. Weil Luftmarschall Longmore Churchills Entsendung von Jägern nach Griechenland kritisiert hatte, feuerte Churchill ihn entgegen den Wünschen des Generalstabes in London. Churchill war unfähig, die Lehre aus seinem „Tigergeleitzug“‑unternehmen zu ziehen, daß „Eilfertigkeit eine gefährliche Sache sein kann, ob bei Pferden, Flugzeugen, Frauen oder Taktik“. Er lernte nie, sich für eine Sache genügend Zeit zu nehmen, um es richtig zu machen.

Durch Churchills Einmischung und seine Besessenheit mit Schnelligkeit war „Battle Axe“ von Anbeginn ein Fehlschlag. Churchill feuerte also auch Wavell, den einzigen General, der England bis dahin. einen Sieg beschert hatte, nicht durch, sondern trotz Churchill! Wavell hatte England fünf Jahre nicht gesehen, und er bat Churchill um zwei Wochen Heimaturlaub. Die Bitte wurde ihm ausgeschlagen aus Furcht, daß er in England seine Meinung sagen könnte. Churchill versetzte ihn sofort nach Indien. Er hatte jetzt zwei Luftmarschälle und einen General dafür gefeuert, daß sie es gewagt hatten, seine Pläne zu kritisieren oder ihm Ratschläge zu erteilen. Das englische Volk begann sich zu fragen, ob es Sinn machte, einem Mann derart viel Macht zu übertragen, nur um diese Macht zu mißbrauchen. Doch wie immer hatte Churchill die Unterstützung seiner Freunde in den Medien.

Am 9. August 1941 legte Chuchill in der Placentabucht von Neufundland das Schicksal Englands in die Hände eines fremden Staatsmannes, Franklin Roosevelt, um den Amerikanern eine größere Rolle im Krieg gegen die Nazis zuzuweisen. Er unterschrieb nicht nur die Atlantikcharta. Seine Eitelkeit verleitete ihn dazu, den Artikel 3. zu entwerfen, dessen Inhalt den Zerfall des englischen Empire, das Hitler hatte erhalten wollen, in Gang setzte. Artikel 3. besagt u.a.: „… Sie respektieren das Recht aller Völker, die Regierungsform zu wählen, unter der sie leben wollen …. Sie sind bemüht, das Recht auf freie Rede und freies Denken zu verteidigen.“ Roosevelt kommentierte seinem Sohn gegenüber, daß Churchill wohl geglaubt hatte, der Artikel beträfe nur die Völker Europas, aber nicht die seines eigenen überholten Empire. Roosevelts Sohn zitierte später seinen Vater, daß dieser nicht einen Soldaten opfern würde, um Churchills dekadentes Empire zu stützen. Die Vereinten Nationen übernahmen die Atlantikcharta und benutzten sie gegen die Interessen Englands. Die Freiheit von Rede und Gedanken ist heute in Gefahr, und zwar vorzüglich durch jene Leute, die 1945 „befreit“ wurden.

Als die Lage im Fernen Osten sich zuspitzte (Thurgood übergeht den aktiven Eintritt Amerikas in den Krieg, von Churchill und Roosevelt „durch die Hintertür“ von Pearl Harbour inszeniert, d. Übs.), entschloß Churchill sich, sein Schwert in Malaya zu schwingen. Er befahl den Schlachtschiffen PRINCE OF WALES und REPULSE, die Verteidigung von Singapur zu verstärken. Der Erste Seelord warnte ihn vor der Entsendung der Schlachtschiffe ohne Trägerbegleitung. Aber wieder gegen allen Rat beließ Churchill die beiden Schiffe ohne Jagdschutz. Sir Dudley Pound bestand nachdrücklich darauf, den Träger Indomitable beizuordnen, doch lenkte er später „aus politischen Gründen“ ein. Die Deutschen, die den englischen Code geknackt hatten, gaben die Nachricht an den spanischen Diplomaten in Washington, Senor Angel Alcazar, weiter, der sowohl den japanischen Attachee und Roosevelt informierte. Roosevelt unterließ es, den Engländern davon Mitteilung zu machen, daß ihr Code entschlüsselt war!

Allem Anschein zum Trotz war Churchill der Meinung, die Schlachtschiffe könnten Jagdschutz von Land aus erhalten, und daß sie zusammen mit den holländischen und australischen Flotten die japanischen Schiffe aus dem Pazifik verjagen könnten. Am 10. Dezember 1941 gingen die Prince of Wales und die Repulse innerhalb einer Stunde voneinander verloren. Im Gegensatz zur Praxis der Dorsetshire funkten die Japaner an die englischen Zerstörer: „Sie können die Überlebenden an Bord nehmen“ und machten keinerlei Anstalten, die hilflosen Zerstörer anzugreifen!

Churchills nächste Handlung war dazu angetan, den letzten Respekt, den Freyberg und seine Männer für ihn gehabt haben mochten, zu beseitigen und trug dazu bei, Australier und Neuseeländer der englischen Krone zu entfremden. Als der Krieg ihrer Heimat näher kam, wollten die in Afrika stationierten Australier sich gegen die ihr Land unmittelbar bedrohende Gefahr wenden, nicht gegen einen weit abgelegenen Gegner. Doch Churchill hatte keineswegs die Absicht, seine Kolonialen ihre Heimat vor den Japanern schützen zu lassen, obwohl Australien schon angegriffen wurde. Churchill sagte den Premierministern von Australien und Neuseeland, daß Freyberg der Ansicht sei, ihre Zustimmung vorausgesetzt, in Nordafrika zu bleiben. Nachdem er so ihre Premiers getäuscht hatte, lehnte Churchill Freybergs Forderung zur Einschiffung nach Australien ab, indem er ihm erklärte, daß ihre Premiers ihm befohlen hätten, in Nordafrika zu verbleiben und daß sowieso kein Schiffsraum zur Verfügung stehe. Dieser Täuschungstrick wurden den Engländern und insbesondere Churchill „dort unten“ nie verziehen.

Churchill bewies sodann, daß er nicht so sehr die Nazis besiegen wollte, sondern das deutsche Volk strafen, selbst auf Kosten des Schutzes seines eigenen. Diese Einstellung wurde immer deutlicher durch seine Strategie der wahllosen Flächenbombardierung deutscher Städte. Er unterstützte seinen „Schlächter Harris“ und dessen Motto: „Es ist besser, irgend etwas zu bombardieren als nichts zu bombardieren!“

Die Ziele wurden nicht nach strategischen Gesichtspunkten ausgesucht, sondern wegen bequemer Navigation. Demzufolge wurden alte historische Hansestädte wie Lübeck, Städte ohne die geringste strategische oder kriegswirtschaftliche Bedeutung, ausgesucht, einfach, weil sie an der Küste leicht zu finden und wahrscheinlich wenig geschützt waren. Während die Royal Navy in einem Kampf auf Leben und Tod zum Schutz der lebensnotwendigen Geleitzüge stand und bitter nötig Küsten- ­und Langstreckenmaschinen brauchte, ließ Churchill Bomber bauen, um Städte in Deutschland und den besetzten Gebieten zu zerstören.

Die Bomber von Harris töteten zehntausende Zivilisten, ob Freund oder Feind, spielte keine Rolle. Sie brachten allein in Dresden über 100.000 um, einer Stadt ohne jegliche militärische Bedeutung, und mehr Menschen in Rotterdam als es die Deutschen 1940 als Folge eines Irrtums getan hatten. Zur selben Zeit konnten U‑Boote ohne große Gefahr die Schiffslinien nach England unsicher machen, und es standen zu wenig leichte Bomber zur Unterstützung der Bodentruppen zur Verfügung. Admiral Tovey sandte eine Denkschrift an Churchill, in der er nicht nur die Bombardierung deutscher Städte verdammte, sondern erklärte, daß es „ein Luxus, und keine Notwendigkeit“ war, die England sich kaum erlauben könne. Sowohl Churchill wie sein Schlächter Harris wurden von den meisten anständigen Engländern abgelehnt. Über 55.000 Flugzeugbesatzungen ließen durch Churchills Todesflüge ihr Leben. Aber trotz dieses Terrors aus der Luft gelang es den Deutschen, ihre Kriegsproduktion weiter zu steigern.

Es wurde immer deutlicher, daß es in Churchills Augen „der Zweck des Krieges sei, Menschen umzubringen“. 1942 geriet er durch Stalin unter Druck, eine zweite Front zu eröffnen. Er konnte sich das jedoch nicht eher erlauben, als bis Amerika ihm zu Hilfe kam. Stalin hatte guten Grund, anzunehmen, daß Churchill auf die Amerikaner wartete, den Kontinent anzugreifen, und daß die Deutschen und Russen sich mittlerweile zu Tode bluten sollten. Aber Churchills Sinn ging danach, aus Prestigegründen und um des Öls im Mittleren Osten wegen, das Mittelmeer unter seine Kontrolle zu bringen.

Er und sein neuer Stabschef, Lord Louis Mountbatten, heckten nebenbei den Plan aus, den französischen Hafen Dieppe anzugreifen. Sie wollten Stalin damit zeigen, daß man es zumindest versucht hatte. Es sollte ebenfalls den im Pazifik engagierten Amerikanern imponieren. Nach altbewährtem Grundsatz wollte Churchill seine Kolonialen für diesen Zweck verheizen. Die Deutschen hatten den Code der Royal Navy geknackt, so daß Hitler über den geplanten Angriff informiert war. Montgomery warnte Churchill, es könne eine Katastrophe geben. Doch Churchill bestand auf seinem Angriff, und nach dessen Fehlschlag verstand er es, einen Propagandasieg daraus zu machen.

Am 19. August 1942 landete eine meist aus kanadischen Farmerjungen bestehende Truppe, deren Offiziere kaum für diesen Angriff geschult waren, bei Dieppe, zusammen mit ein paar Engländern zur Unterstützung „und Beobachtung“. Sie wurden von einem SS‑“Empfangskomitee“ begrüßt, aber es waren keine freundlichen Gastgeber! 2.190 Gefangene wurden von den Deutschen gemacht. 1.179 waren gefallen, und die RAF verlor 106 Maschinen. Die Deutschen verloren 591 Soldaten und 48 Flugzeuge. Nichts wurde aus dieser Operation gelernt, das man nicht durch ein Kriegsspiel hätte lernen können. Stalin war wenig beeindruckt, obwohl drei Victoriakreuze neben weiteren 285 Auszeichnungen verteilt wurden, die übliche Praxis nach militärischen Fehlschlägen.

Diese JUBILEE getaufte Operation trug kaum zur Planung oder zum Erfolg der späteren Invasion bei wie von Churchill und seinen Planern behauptet. Denn es gab vor dem 6. Juni 1944 wenigstens sechs Landangriffe gegen das europäische Festland neben etlichen im Pazifik wie z.B. Carthwheel und Kiska im Jahre 1943. Aber Churchill konnte Stalin immerhin vertrösten, daß für die nächsten zwei Jahre keine Zweite Front gelingen könne. In der Zwischenzeit war er bemüht, seine Position im Mittelmeer und im ölreichen Nahen Osten auszubauen ‑ doch dank der Amerikaner und seiner „Freunde“ im FOCUS gelang ihm weder das eine noch das andere.

Zwei Jahre lang hatten die Amerikaner mit Erstaunen Churchills Herumwursteln und seiner Einmischung in die Planungen seiner obersten Militärs zugesehen.