Zweiter Weltkrieg

Die deutschen Scharfschützen gehörten zu den besten der Welt. Jeder Abschuß (wie schon bei den deutschen Jagdfliegern) mußte von Zeugen bestätigt werden. Zahlreiche tatsächlich erfolgte Abschüsse wurden somit nicht gewertet. Im Vergleich dazu gaben z. B. sowjetische Scharfschützen selbständig ihre „Abschußquote“ ohne Bestätigung oder Nachprüfen an, wobei die Zahl dann noch aus Gründen der Propaganda oft um ein vielfaches erhöht wurde.

Die Wirkung des Scharfschützen wurde auf deutscher Seite erst 1942 erkannt, und die erste offizielle Dienstvorschrift der Wehrmacht gab es ab Mai 1943. Selbst mit der Dienstvorschrift gab es den Scharfschützen „eigentlich“ noch nicht, erst im späten Verlauf des Rußlandfeldzuges und vor allem bei den Rückzugskämpfen an der Ostfront begriffen die deutschen Truppen wie wichtig und schlachtentscheidend Scharfschützen sein konnten. Mit Einführung des Scharfschützenabzeichens 1944 wurde die Leistung der Einzelkämpfer vollends gewürdigt.

Deutsche „Heckenschützen“ bevorzugten den auch bei Brandenburgern und SS-Jagdverbänden beliebten Mauser K98k (mit einem 2- bis 6fachen Zielfernrohr von Zeiss) und das Gewehr 43 (später Karabiner 43 (G43/K43) von Walther.

Nach der Invasion (engl.: „D-Day“)

Nachdem die Alliierten im Juni 1944 die Strände der Normandie eingenommen und gesichert hatten (→ Anglo-amerikanische Invasion Europas am 6. Juni 1944), mußten sie aus ihrem eigenen Brückenkopf ausbrechen. Die dichten Hecken des Landes dienten als perfektes Versteck für die deutschen Scharfschützen, so konnten sie das, was sie in Stalingrad gelernt hatten, unter Beweis stellen. Die Alliierten waren in eine Schlangengrube getreten, sie waren von Scharfschützen umzingelt. Die amerikanischen Truppen waren überrascht, daß die Deutschen so nah kommen konnten, ohne entdeckt und gefangengenommen zu werden. Dazu begingen die unerfahrenen amerikanischen Truppen den taktischen Fehler, sich bei Scharfschützenangriffen auf den Boden zu werfen und zu warten, bis das Feuer wieder verstummte, was es den deutschen Scharfschützen leichter machte, sie nach und nach abzuschießen.

Die britischen Truppen waren überrascht, daß die deutschen Scharfschützen ihre Ziele selbst über große Entfernungen treffen konnten – auch wenn diese Ziele hinter Hecken lagen. Ihre Scharfschützen versuchten dagegen, sich nachts den deutschen Linien zu nähern. In der Dunkelheit war es häufig möglich, sich vom Duft des „Kölnisch Wassers“ leiten zu lassen, das viele deutsche Offiziere benutzen. Die Deutschen reagierten, indem sie ein Anschleichen mit Minen an den Hecken verhinderten.

Die deutschen Scharfschützen verbreiteten hinter den Linien der Alliierten Angst und Schrecken wie die Finnen im Winterkrieg Jahre zuvor. Einige britische Offiziere verkleideten sich als einfache Soldaten, um dem Feuer der Scharfschützen zu entkommen. Sie trugen Gewehre anstatt Pistolen und versteckten ihre Landkarten und Feldstecher und auch ihre Abzeichen und Winkel. Allerdings wurden sie so auch nicht von ihren eigenen Truppen erkannt, besonders da jeden Tag Verstärkung ankam.

So lange die deutsche Linie hielt, bremsten die Scharfschützen den Vormarsch der Alliierten ungemein. Als jedoch die Alliierten aus ihrem Brückenkopf in der Normandie ausgebrochen waren und schneller vorrückten, waren die Scharfschützen nur noch schwer einsetzbar.

Im September 1944, als sich die alliierte Front langsam dem Rhein näherte, gewannen die Scharfschützen wieder an Bedeutung. Die Versorgungslinie der Alliierten erstreckte sich über 400 km an der Küste der Normandie entlang. Kolonnen von Lastwagen, welche Treibstoff und Munition transportierten, mußten durch für sie gefährliche Gebiete fahren; sie waren von deutschen Scharfschützen durchsetzt und wurden von amerikanischen Lastwagenfahrern „Indianerland“ genannt.

Scharfschützenabzeichen

Im August 1944 führte die Wehrmacht ein besonderes Abzeichen für Scharfschützen ein, das als Ansporn an der Invasions- und Westfront dienen sollte. Es gab drei Stufen. Abschüsse vor der Stiftung bzw. dem Inkrafttreten am 1. September wurden nicht gezählt.

Erfolgreichste deutsche Präzisionsschützen

  • Matthäus Hetzenauer (1924–2004), 345 bestätigte Abschüsse, Ostfront 1943–45
  • Josef „Sepp“ Allerberger (1924–2010), 257 bestätigte Abschüsse, Ostfront 1942–45
  • Bruno Sutkus (1924–2003), 209 bestätigte Abschüsse, Ostfront 1944–45
  • Friedrich Pein (1915–1975), 200+ bestätigte Abschüsse, Ostfront 1943–45
  • Gefreiter Meyer, 180 bestätigte Abschüsse,
  • Oleh Dir, 120 bestätigte Abschüsse,
  • Helmut Wirnsberger, 64 bestätigte Abschüsse, Ostfront 1942–45 (Nach einer Verwundung wurde der Mann aus Steyr Ausbilder für Scharfschützen.)

Weitere

Es gab Scharfschützen, die Tarnnamen und Legenden verwendeten, weshalb eine Aufarbeitung heute unmöglich ist. Zu diesen Phantomschützen gehören Erwin König (400+ Abschüsse) und Heinz Thorvald (300+ Abschüsse), die, so ist man sich sicher, existiert haben, jedoch nicht unbedingt so hießen.

Erwin König soll z. B. vom Oberkommando der Wehrmacht den Auftrag bekommen haben, den sowjetischen Meisterschütze Vasili Zaitzev in Stalingrad zu liquidieren. Dies wurde in dem Spielfilm „Duell – Enemy at the Gates“ (2001) dargestellt, in dem Ed Harris den Major König spielte. In den Memoiren des russischen Generals Wassili Tschuikow über die Verteidigung Stalingrads ist ein Bericht über die Duelle der sowjetischen und deutschen Scharfschützen zu finden, worin Tschuikow beschreibt, daß auf deutscher Seite der „oberste Ausbilder der Scharfschützen“, ein Major, getötet wurde.

Finnische Scharfschützen

Im Winter 1939 marschierten die Russen mit einer 250.000 Mann starken Streitmacht in Finnland ein – sie versuchten es zumindest. Auf einen Finnen kamen 20 Russen. Die Finnen hatten nur wenige Panzer und fast keine schweren Waffen, jedoch besaßen sie hervorragende Gewehre und wußten, wie Soldaten sich in Wäldern zu bewegen haben: Im Schnee schlichen sich die getarnten finnischen Scharfschützen an die russischen Truppen heran, nahmen sich ihre Ziele vor und entfernten sich schnellstmöglich auf ihren Skiern. Da die Russen sich im Wald nicht auskannten, konnten sie keine klare Front bilden und wurden aus allen Richtungen beschossen.

Viele finnische Scharfschützen waren es gewohnt, Eiderenten zu jagen. Das Anpirschen lag in ihrer Natur und der Versuch, ihre Beute so wenig wie möglich zu beschädigen, machte sie zu hervorragenden Scharfschützen. Für Männer wie Unteroffizier Simo Häyhä, der Meisterschütze der finnischen 6. Kompanie und bekanntester Scharfschütze der Armee, glich das Jagen von russischen Soldaten der Jagd nach Enten. Häyhä war ein kleiner Bauer, der mehrere Auszeichnungen wegen seiner Fähigkeiten erhielt. Sein Heldenmut kostete die Russen mehr als 500 Mann.

Von den Soldaten der Roten Armee wurde der als Scharfschütze eingesetzte Häyhä auch als „Weißer Tod“ (russisch: Белая смерть, Belaja Smert; finnisch: Valkoinen Kuolema; schwedisch: den Vita Döden) bezeichnet.


Deutsche Scharfschützen

Scharfschützen Teams
Ein Scharfschützenteam der Wehrmacht im Osten in Einsatz
Ein Scharfschütze mit Beobachter vor einem verlassenen T-34
Deutscher Scharfschütze liegt auf der Lauer
Scharfschütze der Wehrmacht mit leichtem Tarnüberzug
Deutscher Scharfschütze in Tarnuniform
Belgien-Frankreich.- Scharfschütze mit Gewehr (K98k) und Zielfernrohr. Im Baum sitzend, zielend; 1943
Deutscher Scharfschütze mit getarntem Gewehr
Scharfschütze der SS
Scharfschützen Team der SS
Deutscher Scharfschütze an der Ostfront.
Deutscher Scharfschütze mit Tarnmaske und bewaffnet mit einem Mauser 98 K (Zf.Kar.98k) mit einem optischen Zielfernrohr(Zf.39).
Deutscher Scharfschütze vor Stalingrad
Ein Scharfschütze der Wehrmacht auf der Suche nach Feinden.
Scharfschützen der Fallschirm-Panzer-Division 1 „Hermann Göring“ bei einer Gefechtspause in Kubschütz bei Bautzen, 25. April 1945
Deutsche Scharfschützen mit Tarnumhängen und Zweigen an den Hosenbeinen bei der Ausbildung im Westen, 1943; nach manchen Quellen sind es Heeresschützen der Wehrmacht, nach anderen junge Rekruten der sich in Aufstellung befindlichen 12. SS-Panzer-Division „Hitler-Jugend“.
Matthäus Hetzenauer
Josef „Sepp“ Allerberger
Bruno Sutkus im Frühherbst 1944 in den Karpaten mit Scharfschützen-Mehrladekarabiner Mauser K98k (mit einem 4 bzw. 6fachen Zeiss ZF 42 Zielfernrohr).
Friedrich Pein als Scharfschütze der Gebirgsjäger
Simo Häyhä, Foto vom 17. Februar 1940
Kompletter Satz der 1., 2. und 3. Stufe des Scharfschützenabzeichen, auf Uniformtuch gestickt – Adler und Eichenblätter mit einzelner Eichel der militärischen Jäger