Nach der Niederlage bei El Alamein und der alliierten Landung in Marokko schien Rommels Niederlage in Nordafrika besiegelt. Doch mit dem neuen Tiger-Panzer versetzte er die US-Armee in Panik.

Aus dem Hinterhalt anzugreifen ist normalerweise eine Erfolg versprechende Taktik. So dachte auch der Zugführer einer Gruppe amerikanischer Panzer vom Typ M3 Lee. Zusammen mit weiteren Einheiten der 1. US-Panzerdivision war er Ende November 1942 in Nordwest-Tunesien rasch Richtung Osten vorgerückt; gleichzeitig waren im Rücken der deutsch-italienischen Linien um Tunis britische Kommandosoldaten und Fallschirmjäger abgesetzt worden.

Doch am frühen Morgen des 1. Dezember 1942 begann der deutsche Gegenstoß: Die deutsche 10. Panzerdivision stieß ab 7.30 Uhr gegen die Spitze der US-Truppen vor. Der US-Zugführer hatte seine Kettenfahrzeuge in einem dichten Olivenhain zwischen Tebourba und Djerdeida Stellung beziehen lassen, um die deutschen Panzer anzugreifen, die hier vorbeirollen mussten.

Das erwies sich allerdings als schlechte Idee. Denn den Amerikanern kamen nicht italienische Kampfwagen entgegen und auch keine deutschen Panzer III, die ein Lee mit seiner in der Wanne eingebauten 7,5-Zentimeter-Kanone aus mittlerer Entfernung schwer beschädigen konnte. Sondern zwei (nach anderen Angaben drei) Exemplare des neuesten und schwersten Kettenfahrzeugs der Wehrmacht, des Panzers VI Tiger.

Der US-Zugführer wartete besonders lang; seine Stellung war kaum einsehbar. Erst als die Tiger noch rund hundert Meter entfernt waren, gab er den Feuerbefehl. Doch die Geschosse aus den Kanonen der Lee prallten an der Panzerung der feindlichen Fahrzeuge einfach ab. Im Gegensatz zu den 8,8-Zentimeter-Granaten der Tiger: Schon die ersten beiden Schüsse waren Volltreffer; zwei Lee explodierten. Die übrigen setzten sich so schnell wie möglich ab; sie blieben im Schutz eines Olivenhains und erlitten keine weiteren Verluste mehr.

Der 1. Dezember 1942 war nur der Auftakt zu einem Fiasko, das die alliierten Soldaten prägen sollte. Gerüchte über einen deutschen Riesenpanzer, den man nicht abschießen könne, verbreiteten sich rasch. Die US-Befehlshaber versuchten, der panischen Stimmung Einhalt zu gebieten, der Erfolg hielt sich in Grenzen.

Die schwere Niederlage der alliierten Truppen am Kasserinpass Mitte Februar 1943 hatte sicher auch mit der Angst vor den angeblich unverwundbaren Tigern zu tun. 183 vor allem amerikanische Panzer wurden abgeschossen und mehr als 600 weitere Fahrzeuge.

An der Tiger-Panik der GIs hatte auch die Tatsache wenig ändern können, dass britische Panzerjäger am 20. Januar 1943 mit einem speziellen panzerbrechenden Wuchtgeschoss aus einer 57-Millimeter-Kanone einen der neuen Kampfwagen hatten ausschalten können. Denn dafür brauchte man nicht nur besondere und noch seltenere Granaten, sondern auch viel Erfahrung und jede Menge Kaltblütigkeit.

Nach der erfolgreichen Landung alliierter Verbände in Algerien und Marokko sowie dem Sieg der britischen 8. Armee bei El Alamein hatte Hitler befohlen, die neuesten deutschen Panzer statt an die Ostfront nach Nordafrika zu schicken. Zuerst kam die Schwere Panzerabteilung 501 ab dem 23. November 1942 in Tunesien an; zu ihr gehörten die Tiger, die am 1. Dezember bei Tebourba ihr erstes Gefecht absolvierten. Anfang März 1943 folgten Teile der Schweren Panzerabteilung 504.

Jede Kompanie bestand aus etwa neun Tigern und zehn Panzern III der letzten Version N, in die beim Umbau von Panzern IV angefallene kurze 7,5-Zentimeter-Kanonen eingebaut wurden. Die Aufgabenverteilung in diesen Abteilungen war einfach: Die Tiger sollten sich auf die Bekämpfung feindlicher Panzer beschränken, die Panzer III hatten gegen feindliche Geschütze und gegen Infanterie vorzugehen.

Insgesamt kamen nur 31 Tiger nach Nordafrika; weil es sich aber um die ersten Serienfahrzeuge handelte und auch nicht genügend Ersatzteile verfügbar waren, waren nie alle gleichzeitig einsatzfähig. Doch selbst diese überschaubare Zahl genügte.

Denn weder der M3 Lee mit seinem mittellangen, nur begrenzt schwenkbaren 7,5-Zentimeter-Geschütz noch der M4 Sherman mit meist der gleichen Kanone konnten die Panzerung eines Tigers durchschlagen, nicht einmal aus geringer Entfernung. Die 57-Millimeter-Geschosse der meisten britischen Churchill-Panzer waren ebenfalls wirkungslos; für diese Fahrzeuge standen keine Wuchtgeschosse zur Verfügung. Umgekehrt war es kein Problem für einen Tiger, alle alliierten Panzermodelle aus größerer Entfernung zu durchschlagen.

Bis Mai 1943 zerstörten die Tiger in Tunesien mehr als 300 feindliche Kampfwagen, bei nur sieben eigenen Verlusten im Gefecht, nahezu ausschließlich durch britische Panzerjäger. Allerdings gingen weitere Tiger durch Minentreffer und durch technische Ausfälle verloren. Insgesamt erbeuteten die Alliierten in Nordafrika zwischen vier und sieben Panzer VI; die Angaben schwanken. Das liegt vermutlich vor allem daran, dass einige beschädigte Tiger, die alliierte Panzerjäger noch bei Schießversuchen benutzten, mal mitgezählt und mal ausgeschlossen wurden.

Der Respekt jedenfalls, den die amerikanischen und britischen Truppen in Nordafrika vor den Tigern lernten, wirkte sich bei den folgenden Operationen aus: Sowohl aus Sizilien wie vom italienischen Festland und noch im Juni 1944 aus der Normandie sind Panikattacken alliierter Soldaten belegt, sobald sie einen Panzer mit eckiger Wanne und langer Kanone zu sehen bekamen.

Übrigens auch, wenn es sich gar nicht um Tiger, sondern um die jüngsten Versionen des Panzers IV handelte, die von Ferne eine ähnliche Silhouette aufwiesen. Die Tiger-Furcht wirkte auch bei diesem nur halb so schweren Modell.