Entwicklung und Produktion

Anlass für die Entwicklung schwerster Kanonen war die Erkenntnis, dass der Wehrmacht für die Zerstörung von Festungsbauwerken der Maginot-Linie keine geeigneten Waffen zur Verfügung standen. Die Geschütze sollten aus vorzubereitenden Stellungen innerhalb des eigenen Territoriums eingesetzt werden, jedoch in Teillasten über das normale Schienenverkehrsnetz transportabel sein. 1935 legten die Krupp-Werke Entwürfe für die Kaliber 70, 80, 85 und 100 cm vor. Das Heereswaffenamt zögerte zunächst mit einer Bestellung. Hitler besuchte 1936 die Krupp-Werke; im folgenden Jahr gab das Waffenamt den Auftrag für drei Geschütze des Kalibers 80 cm. Trotz des Baus zusätzlicher Werkhallen konnte Krupp den ursprünglichen Liefertermin für das erste Geschütz im März 1940 nicht einhalten; es wurde im Sommer 1941 fertiggestellt.

Für die gesamte Projektleitung bei Krupp war Direktor Erich Müller (1892–1963) verantwortlich. Sein Spitzname war „Kanonen-Müller“, da er für die Planung und Entwicklung der Geschütze bei Krupp verantwortlich zeichnete. Dem Konstruktionsprinzip nach waren es Kanonen in Haubitzenbauweise mit hydraulischem Schubkurbelverschluss. Das Geschützrohr bestand aus Mantelrohr und Seelenrohr. Es war in einer Rohrwiege gelagert, die zwischen zwei langen Lafettenholmen montiert wurde. Die Lafettenholme waren wiederum über Zwischenträger auf insgesamt acht fünfachsigen Drehgestellen gelagert, die auf zwei parallelen Gleisen liefen. Das Geschütz wurde über einen eigenen Generator mit Strom versorgt und konnte zur Feineinrichtung über Elektromotoren an einigen der Achsen bewegt werden.

Bei Krupp trug das erste Geschütz die Bezeichnung „Schwerer Gustav“, das baugleiche zweite die Bezeichnung „Schwerer Gustav 2“, das projektierte dritte Geschütz aufgrund seiner Modifikationen die Bezeichnung „Langer Gustav“. Eine weitere Bezeichnung bei Krupp war „Gustav-Gerät“. Der Name „Dora“ entstand 1942 bei der Artillerie. Das dritte Geschütz wurde mit dem Kaliber 52 cm und einer Rohrlänge von 48,00 Metern projektiert, jedoch nie fertiggestellt. Geplant war ein Einsatz am Ärmelkanal gegen Ziele in England.

Das erste einlagige Seelenrohr wurde im September 1941 auf dem Schießplatz Hillersleben auf einer Behelfslafette eingeschossen. Die Fertigstellung der Lafette erfolgte kurze Zeit später, woraufhin das Geschütz auf dem Übungsplatz Rügenwalde-Bad bei Rügenwaldein Hinterpommern montiert und getestet wurde.

Am 8. Januar 1942 wurde die Schwere Artillerie-Abteilung (E) 672 aufgestellt; Kommandeur dieser Einheit war Oberst R. Böhm.

Transport und Aufbau

Die Verlegung des Geschützes sowie der Mannschaften und des Gleismaterials erforderte allein fünf Eisenbahnzüge und drei bis vier Bauzüge für den Aufbau des Geschützes und der Feuerstellung. Der Bau der Feuerstellung nahm die meiste Zeit in Anspruch, da die Aufbaustrecke dreigleisig und die in einem Kreisbogen verlegte Schießstellung zweigleisig mit zusätzlichen Stabilisierungselementen über eine Länge von etwa 900 m angelegt werden musste. Zudem wurden zu beiden Seiten der Schießstellung Erdwälle aufgeworfen, die zusammen mit Tarnnetzen für den Schutz des Geschützes sorgen sollten. Zum Luftschutz standen zwei Heeres-Flakabteilungen bereit. Der Aufbau des Geschützes selbst konnte mit den auf zwei zusätzlichen Schienen außerhalb der drei Aufbaugleise laufenden Portalkränen innerhalb von 56 Stunden erfolgen.

Zum Verschieben des Geschützes in der Feuerstellung kamen zwei eigens von Krupp für diese Aufgabe entwickelte Diesel-Doppelloks des Typs D 311 zum Einsatz. Die Feinrichtung erfolgte in Selbstfahrt durch eingebaute Elektromotoren in den Drehgestellen des Geschützes. Die Kartuschen der Granaten wurden wie bei allen schweren deutschen Eisenbahngeschützen seit dem Paris-Geschütz in einem separaten Klimawagen gelagert, um die für die optimale und vor allem berechenbare Verbrennung des verwendeten zweibasigen Nitrocellulosepulvers erforderliche Temperatur von etwa 15 °C zu gewährleisten.

Die Montage das Geschützes ging vergleichsweise schnell vor sich. Es dauerte nur 54 Stunden. Zuerst wurden auf großen Holzplattformen vier handbetriebene Kräne aufgestellt, mit denen dann die elektrisch betriebenen 110 Tonnen Aufbaukräne aufgebaut wurden. Diese Portalkräne überspannten die drei Gleise der Montagestrecke und liefen selbst auf eigenen Schienen. So konnten die Einzelteile per Zug auf dem dritten Gleis angefahren werden, um dann von den beiden Kränen zum Montageplatz gehoben zu werden. Von den 54 Stunden nahm allein die Rohrmontage 16 Stunden in Anspruch. Nachdem die Lafette montiert war, wurde die Rohrwiege mit dem Schildzapfenlager eingesetzt. Danach wurde das Seelenrohr von hinten in das Mantelrohr eingefahren. Nun wurden die Plattformen, Laufstege, Leitern, die beiden Munitionsaufzüge und das restliche Zubehör angebracht. Der Aufbau war damit abgeschlossen.

Der Einsatz des Geschützes  erforderte eine mehr als 4.000 Mann starke Mannschaft, die unter dem Kommando von Oberst R. Böhm stand. Zur Artillerie-Abteilung (E) 672 gehörten neben den Stabseinheiten, ein verstärkter Aufklärungszug, ein Artilleriebeobachterzug sowie die eigentliche 500-köpfige Bedienungsmannschaft. Darüber hinaus waren dem Dora-Verband u.a.  Eisenbahnpioniere, Flak-Einheiten, eine verstärkte Nebelwerfer-Einheit, zwei rumänische Sicherungskompanien und eine Feldgendarmerie-Einheit unterstellt.

Während des Einsatzes vor Sewastopol gab die Dora-Kanone insgesamt 48 Schuss. Die Durchschlagskraft des gewaltigen 80 cm Kalibers ermöglichte dabei selbst die Zerstörung eines Munitionslager das 30 m tief im gewachsenen Fels lag. Außerdem wurden mit ihr Panzerforts, wie etwa die Festung „Maxim Gorki“ beschossen. Vor jedem der 48 Schüsse musste die Kanone eingerichtet werden.

Zur Erhöhung der Reichweite der 80 cm Kanone waren einige weitere Munitionstypen geplant. Beispielsweise ein zwei Tonnen schweres Treibspiegelraketengeschoß oder ein Peenemünder-Pfeilgeschoß mit 150 km Reichweite für ein auf 84 m verlängertes glattes Rohr. Dies sollte vor allem den Beschuss Englands ermöglichen. Das dritte nicht mehr fertiggestellte Geschütz „Langer Gustav“ sollte sogar von vornherein eine 43 m lange Kanone mit einem 52 cm Kaliber erhalten. Für diese Kanone war eine Treibspiegelraketengeschoß von 680 kg mit 190 km Reichweite vorgesehen. Darüber hinaus gab es noch Planungen für ein viertes Geschütz mit glattem Rohr, das den Kosenamen „Schwerer langer Gustav“ hatte. Das dritte nicht mehr fertiggestellte Geschütz wurde durch Bombenangriffe vernichtet, während die beiden anderen 1945 in Kummersdorf befehlsgemäß von deutschen Sprengkommandos zerstört wurden.

Technische Daten

  • Gewicht: 1350 t
  • Gewicht des Rohres: 400 t
  • Länge über Puffer / Breite / Höhe: 47,30 m / 7,10 m / 11,60 m
  • Kaliber: 800 mm
  • Rohrlänge: 32,48 m
  • Erhöhung (max.): 65°
  • Stärke der Diesellok: 2 × 940 PS
  • Munitionsarten:
    • panzerbrechendes Geschoss
      • Gewicht: 7100 kg
      • Länge: 6,79 m
    • Sprenggranate
      • Gewicht: 4800 kg
      • Länge: 8,26 m
  • Leistungsdaten
    • Mündungsgeschwindigkeit:
      • kleine Ladung: 600 m/s
      • mittlere Ladung: 700 m/s
      • große Ladung
        • Sprenggranate: 820 m/s
        • Panzergranate: 720 m/s
    • Reichweite
      • kleine Ladung: 28 km
      • große Ladung: 47 km
    • Lebensdauer des Rohres: ca. 100 Schuss
    • Durchschlagskraft der Panzergranate
      • Stahl: 1 m
      • Stahlbeton: 7 m
      • Beton: 10 m
      • gewachsener Boden: 32 m
  • Aufbauzeit: 56 Stunden
  • Personal für Feuerleitung und Bedienung: 1500 Mann einer besonderen Artillerieabteilung
  • Personal für Stellungs- und Gleisbau, Montage, Wartung, Bewachung, Tarnung usw.: 4120 Mann
  • Laden der Kanone: 19 bis 45 Minuten
Das Eisenbahngeschütz Dora in seiner Feuerstellung.
Dora Frontansicht
80cm Dora Geschütz wird aus ihrer Stellung herausgefahren.
Das ausgerichtete Geschütz der Dora
Diese Bilder zeigen die große Wucht, die beim Abschuss des Geschützes entsteht.
80cm Kanone (E) Schwerer Gustav (Dora) beim Aufbau
Eine 7,1 Tonnen schwere Granate mit Kartusche der 80cm Kanone (E) Dora Geschütz
80-cm-Granate, im Hintergrund ein T-34/85
„Dora-Ensemble“ (Geschoss und Kartusche im Größenvergleich) im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr, Dresden.
Vor dem Geschoss ist ein Teil der Rohrwiege zu sehen, das nach der Sprengung 1945 über 150m weit in einen Garten geschleudert wurde.