Die Bischofsstadt Hildesheim – vierzig Kilometer südlich von Hannover – hatte im Krieg das Unglück, eine wunderschöne historische Altstadt zu haben und einen häßlichen modernen Bahnhof mit angrenzenden Industriebetrieben.

Der Bahnhof wurde am 22. Februar 1945 von amerikanischen Bombern zerstört, dazu einige Industrieanlagen.

Genau einen Monat später exekutierte eine alliierte Bomberflotte von 250 Maschinen mit 1.100 Tonnen Spreng- und Brandbomben in 15 Minuten die tausendjährige Kulturstadt.

Hildesheim wurde damals das ‘Nürnberg des Nordens’ genannt und ‘die Stadt der Rosen und der Kirchen’.

Sinnlose Verwüstung

Der Dom des Heiligen Bernward brannte lichterloh, Sankt Michael war verwüstet, Sankt Andreas aufgerissen, das Seitenschiff von Sankt Godehard wurde beschädigt und Sankt Magdalena brannte aus.

Der Feuersturm zerstörte 85 Prozent der historischen Altstadt, darunter das Gildehaus der Fleischer, das Knochenhauerhaus und andere Fachwerk-Patrizierhäuser am „schönsten Marktplatz der Welt“.

Die Bomberbesatzung sah beim Abflug eine einzige Feuersäule, in der 1.600 Menschen, 6.934 Häuser und 20.781 Wohnungen verglühten: ein Brandopfer – Holocaust – im wörtlichen Sinn.

Aber in der Stadt wurden auch Schulen, Bibliotheken und Archive vernichtet, ein Theater, Museen und Denkmäler, Kirchen, Kapellen und Konvikte, Ateliers, Kunstgalerien und Buchhandlungen, das ganze Spektrum des kulturellen Lebens im Strom einer tausendjährigen Geschichte.


Ein Kulturgenozid

„Rückblickend deutet alles darauf hin, daß der Luftkrieg gegen Deutschland das Ziel verfolgte, möglichst viel von dem Land, seinen Menschen und seinem kulturellen Erbe zu zerstören“, schreibt der britische Professor Anthony C. Grayling (60).

Wenn der mögliche Verlust des Archivs der Stadt Köln als „kulturelle Katastrophe“ bezeichnet wird, dann bedeutete der Bombenkrieg gegen die Städte Deutschlands eine nationale Kulturkatastrophe, ein Kulturozid.

Schon im September 1942 verlor die Landesbibliothek Karlsruhe 350.000 Bände. Im Staatsarchiv Hannover verbrannten die Kernbestände – darunter eine Papsturkunde von 1026 für das Hochstift Hildesheim. Der Angriff auf Würzburg im März 1945 löschte die im Schloß aufbewahrten Akten des Kurfürstentums Mainz und des Fürstbistums Würzburg aus.

Etwa die Hälfte der deutschen Archivalien war ausgelagert. Die andere Hälfte wurde zu vier Fünfteln durch den Brandkrieg vernichtet.

Der Verlust der deutschen Kulturdenkmäler ist nichts

Der Feuersturm in Hamburg vernichtete auch 625.000 Bücher der Staats- und Universitätsbibliothek. Die Bayrische Staatsbibliothek verlor eine halbe Million Bücher.

Mehr als zwei Drittel der Bestände verbrannten in den Universitätsbibliotheken von Münster und Gießen.

Die alliierten Bomber fachten die größte Bücherverbrennung aller Zeiten an.

War die Zerstörung des kulturellen Erbes an Kunstschätzen, Kulturdenkmälern und historischen Schriften der Deutschen nur ein unbeabsichtigter Kollateralschaden, fragte die britische Autorin Vera Brittain († 1970) schon 1944.

Es spricht einiges dafür, daß die britische Kriegsführung neben der Moral auch die Kultur der Deutschen brechen wollte, um sie nach dem Krieg mit der anglo-amerikanischen Zivilisation zu überwältigen.

Schon im April 1942 schrieb die englische Zeitung News Chronicle:

„Der Verlust ihrer Kulturdenkmäler ist nichts im Vergleich zu dem Beitrag zu unserem gemeinsamen Erbe, den die Bekehrung der Deutschen zu gesittetem Verhalten und rechtschaffenen Weltbürgern bedeuten wird.“

Alliierter Rassismus

Der britische Premierminister und Kriegsverbrecher Winston Churchill († 1965) hatte im September 1944 seine Unterschrift unter den berüchtigten Morgenthau-Plan gegeben, nach dem Deutschland zu einem Agrarstaat ohne Industrie und Städte dekultiviert werden sollte.

Henry Morgenthau († 1967) – von 1934 bis 1945 US-Finanzminister – begründete seine Pläne damit, daß die Deutschen seines Erachtens von Natur aus „militaristisch“ wären.

Churchill ließ nur deshalb später von dem Plan ab, weil England dann wirtschaftlich „an einen Leichnam gekettet“ wäre.

Ein ganzer Chor von antideutschen bis hin zu rassistischen Stimmen untermalte den alliierten Vernichtungskrieg aus der Luft gegen Deutsche und die Kultur der Deutschen.

Der US-Professor Bernadotte Schmitt († 1969) forderte, die deutsche Bevölkerung mit kriegerischen Mitteln von achtzig Millionen auf dreißig Millionen zu reduzieren.

Kanzlerin Merkel als letzte Exekutorin

Zahlreiche Schriftsteller in den USA gaben sich dafür her, mit ihren Schriften einen „tiefen, lodernden Haß auf die Deutschen“ zu erzeugen.

Lord Robert Vansittart († 1957), Staatssekretär im britischen Außenministerium, war mit seinen antideutschen Haßtiraden ein einflußreicher Politiker.

Die Deutschen seien „unvorstellbar grausam und ein Volk, das zu Lug und Trug geboren ist.“

Vansittart propagierte am Ende des Krieges die „Kollektivschuld der Deutschen“ – eine Formel, mit der alle Kriegsverbrechen der Alliierten an Zivilisten und die Zerstörung der deutschen Kultur allen Deutschen selbst in die Schuhe geschoben werden sollte.

Die Kollektivschuldthese wurde schon im April 1945 in die ‘Direktive für die amerikanische Militärregierung’ übernommen:

„Es muß den Deutschen klargemacht werden, daß Deutschlands rücksichtslose Kriegsführung […] Chaos und Leiden unvermeidlich gemacht haben und daß sie – alle Deutschen – nicht der Verantwortung für das entgehen können, was sie selbst auf sich geladen haben.“

Diese Schuld der Deutschen sollte nie vergehen und vergeben werden.

Seit den 1980er Jahren reden alle Politiker der deutschen Machtelite in diesem Schuldjargon – derzeit besonderes die umstrittene Bundeskanzlerin Angela Merkel.