Beim Aufkommen der ersten »Tanks« an der Front im Ersten Weltkrieg wurde auf deutscher Seite das T-Gewehr entwickelt. Dieses überdimensionale Gewehr hatte aber den Nachteil, sogar bei relativ starken Schützen zu Schlüsselbeinbrüchen zu führen.

Trotzdem entschloß man sich bei der Firma Rheinmetall, das T-Gewehr weiter zu entwickeln. Als Munition wurde eine 13-mm-Munition mit einem 7,9 mm großen Geschoß entwickelt. Diese Munition durchschlug bei einer v0 von 1.150 m/Sek. Panzerungen bis zu 25 mm auf 300 m.

Panzerbüchse 38
Die Pz. B. 38 ist eine verhältnismäßig kompliziert aufgebaute Waffe. Lauf und Verschluss laufen durch den beim Abschuss entstehenden Rückstoß gegen eine starke Feder zurück. Der Fallblockverschluss senkt sich am Ende des Rücklaufes, die Hülse wird ausgeworfen und die Lauf-Verschluss-Einheit wird in der hinteren Stellung festgehalten. Der Schütze legt eine Patrone in das Patronenlager ein und drückt den an der Griffstückrückseite befindlichen Auslösehebel, wodurch der Verschluss hochgeleitet und die Feder die Lauf-Verschluss-Einheit vorschiebt. Lediglich vor dem ersten Schuss muss der Schütze von Hand spannen. Die Pz. B. 38 ist mit dem höhenverstellbaren Zweibein des MG34 ausgestattet; um die Staulänge zu verringern, kann die Schulterstütze nach rechts umgelegt werden. Am Schwerpunkt der Waffe ist ein Tragegriff angebracht. Der Lauf ist mit einem trichterförmigen Mündungsfeuerdämpfer versehen.

Diese 16,2 kg schwere Waffe war 1.615 mm lang und hatte einen 1.085 mm langen Lauf. Die v0 betrug 1210 m/Sek. Durchschlagen wurden auf 100 m 30 mm Panzerung, auf 300 m nur noch 20 mm. Die Waffe hatte allerdings einen zu komplizierten Verschluß, weshalb nur wenige Stück gebaut wurden. Bei Kriegsbeginn befanden sich 62 Stück bei der Truppe.


Eine Verbesserung stellte die Panzerbüchse 39 dar.
Die Pz. B. 39 war viel einfacher konstruiert; um den Verschluss zu öffnen, drückt der Schütze das Griffstück nach vorn unten. Hierdurch wird der Verschlussblock abgesenkt und eine eventuell im Patronenlager befindliche Hülse ausgeworfen. Nach dem Einlegen der Patrone zieht der Schütze das Griffstück wieder in seine Ausgangslage, wodurch der Verschluss hochgleitet und der innenliegende Schlaghahn gespannt wird. Die Pz. B. 39 verfügt über eine Mündungsbremse, um den Rückstoß zu mindern, der stärker ist als bei der Pz. B. 38, die einen Teil der Rückstoßenergie für den Ladevorgang aufwendet. Wie die Pz. B. 38 ist auch die Pz. B. 39 mit dem Zweibein des MG34 und einem Tragegriff versehen. Die Schulterstütze lässt sich unter das Verschlussgehäuse klappen.

Sie war 12,6 kg schwer, 1.620 mm lang und hatte einen 1.085 mm langen Lauf. Die Leistungen der bei der Firma Gustloff gefertigten Waffe entsprachen der Panzerbüchse 38. Nachdem die Waffen 1941/42 nicht mehr wirkungsvoll gegen Panzer eingesetzt werden konnten, wurden sie zu Granatbüchsen umgebaut. Die Waffen verschossen nun Gewehrgranaten, allerdings waren Reichweite und Treffergenauigkeit nicht sehr gut

Munition

Die Waffen sind für die Patrone 318 (7,92 × 94 mm) eingerichtet; die normale Gefechtspatrone war mit einem Spitzgeschoss mit Hartkern, Leuchtspur und einer Reizgaskapsel versehen. Daneben standen Übungspatronen mit Spitzgeschoss ohne Leuchtspur und Reizgaskapsel sowie Platzpatronen mit Holzgeschoss zur Verfügung. Die Patronen wurden im „Patronenbehälter Pz. B. 38/39“, einem Blechkasten mit Klappdeckel, mitgeführt. Der Patronenbehälter fasste zehn Patronen und wurde auf dem Marsch paarweise in der „Tasche für Patronenbehälter Pz. B. 38/39“ am Koppel des Schützen getragen; beim Beziehen der Stellung sollten die Behälter dann aus den Taschen genommen und auf Schienen an beiden Seiten des Verschlussgehäuses aufgeschoben werden, sodass die Patronen sich in Griffweite des Schützen befanden.

Die Panzerbüchse hatte ein Kaliber von 7,92 mm, wobei die Hülse auf der Patrone 13,25 × 92 mm HR des Tankgewehrs M1918 basierte, um genügend Pulverraum für die Treibladung zur Verfügung zu haben. Die Durchschlagsleistung lag bei einem Auftreffwinkel von 60° bei 25 mm Panzerung auf 300 m Entfernung.

Zubehör

Zum Tragen der Panzer- bzw. Granatbüchse dient der Gewehrriemen des Karabiners 98k; zur Reinigung das „Reinigungsgerät 34 lang“. Es entspricht dem RG34, das für den Karabiner verwendet wird, enthält aber eine längere Reinigungskette. Das Reinigungsgerät der Granatbüchse umfasst zusätzlich das des Schießbechers.

Herstellung

In den Werken von Gustloff und Mauser wurden bis 1942 1.600 Panzerbüchsen 38 und 39.232 Panzerbüchsen 39 gebaut. Insgesamt waren also 40.832 Panzerbüchsen 38 und 39 im Dienst der Wehrmacht.

Daten: (Werte von: PzB39)

Munition: 7,92x94mm Patrone 318 ( 13mm )
Gewicht: 12,7 kg
Länge (Lauflänge):
1,27 m (1,09 m)
Visierschussweite:
bis 600 m
Effektive Schussweite:
unter 200 m
Mündungsgeschw.:
1219 m/sec
Feuerrate:
10-12 Schuss/min
Durchschlagsleistung:
30 mm/100m, 25 mm/ 300m

D 111/1 – Panzerbüchse 38 mit Übungslauf und Platzpatronengerät
http://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Vorschriften/PzB38.pdf

Literatur

Ian Hogg: Artillerie des 20.Jahrhunderts. Gondrom, Bindlach 2001, ISBN 3-8112-1878-6

Frank Iannamico: 7,92 mm Panzerbüchse (P.z.B.), 39 German Anti-Tank Rifle, The Small Arms Review, Vol. 6, No. 8, Mai 2003 Online verfügbar

Karl R. Pawlas: Die Panzerabwehrbüchse 39, in: Waffen-Revue Nr. 7, Nürnberg 1972

Karl R. Pawlas: Deutsche Panzerbüchsen im Kaliber 7,92 mm, in: Waffen-Revue Nr. 45 und 46, Journal-Verlag Schwend GmbH, Schwäbisch Hall 1982

Fritz Hahn: Waffen und Geheimwaffen des deutschen Heeres 1933–1945, Bernard & Graefe Verlag, Bonn 1998

Panzerbüchse 38
Panzerbüchse 39 mit Munition
Soldat mit bereiter Panzerbüchse 39
Soldaten schussbereit mit einer Panzerbüchse 39
Panzerbüchse 39 im Einsatz bei den Fallschirmjägern in Holland 1940
Soldat kommt aus einer Erdstellung raus, im Vordergrund eine Panzerbüchse 39
Munition der Panzerbüchse 38-39 mit Maßband als Vergleich
Munition der Panzerbüchse, davor zum Vergleich eine Standard 7,92×57 Patrone