Während seit 1945 große Summen für die Erforschung angeblicher oder wirklicher Untaten durch Deutsche ausgegeben wurden, wird die Ermittlung von Verbrechen an Deutschen und an Ausländern, die Deutschland im Zweiten Weltkrieg unterstützten, wesentlich weniger gefördert. Zwar wurden während der Zeit des Kalten Krieges von Amts wegen einige Forschungen auf dem Gebiet der Vertreibungsverbrechen durchgeführt, doch die Ermittlungen von Untaten der westlichen Sieger erfolgten fast ausschließlich durch private Untersuchungen. Manches wird eher durch Selbstdarstellung der Sieger bekannt – zum Beispiel die Ermordung der Hunderte von Angehörigen der Wachmannschaften des Konzentrationslagers Dachau durch US-Soldaten [1] – als durch Arbeiten deutscher Historiker. Die Forschung durch Deutsche auf diesem Gebiet wird allgemein nicht gern gesehen.

Im folgenden werden beispielhaft einige Kriegsverbrechen der Amerikaner aufgelistet, wie sie sich zumeist allein im Bereich der Waffen-SS-Division »Götz von Berlichingen« bei deren Rückzug zwischen dem Saargebiet und dem Alpenraum ereigneten. [2]

Zollhaus Erdung: Hier geriet am 15.3.1945 ein Spähtrupp des 3. Pionierbataillons in Gefangenschaft. Als Unterscharführer SCHÜTZ Angaben über seine Einheit verweigerte, bekam er mehrere Pistolenschüsse in Arme und Beine, an denen er verstarb.
Quelle: Augenzeuge Unterscharführer SCHUSTER, 3. Pionier-Bataillon 17.

Buchenbusch: Am 15.3.1945 sahen US-Leutnant WAREN und US-Leutnant BRADSHAW angeblich tote Deutsche liegen. Als einer, offensichtlich nur verwundet, mit den Augen blinzelte, wurde er von Leutnant WAREN erschossen. Am selben Tag erschoß er noch einen Deutschen, der sich bereits ergeben hatte.
Quelle: Eigene Aussage Leutnant WAREN, 7. US-Regiment.

Bliesbrücker Berge: Am 15.3.1945 beobachtete Rottenführer HUGSDORF vom SIG-Zug 13./38, wie ein Nachrichtenmann beim Flicken einer Leitung die Hände hob und auf englisch rief: »Ich ergebe mich!« Trotzdem wurde er von einem Amerikaner erschossen.
Quelle: Augenzeuge Rottenführer HUGSDORF, 13./38.

Steinalben: Am 21.3.1945 wurden auf dem Friedhof des Ortes zunächst neun Angehörige der Division »Götz von Berlichingen«, die sich bereits ergeben hatten, erschossen. Sechs Mann trieb man auf der R 270 bis in die Nähe der Geiselbergmühle und tötete sie durch Genickschüsse. Zwei Mann überlebten dieses Massaker und erreichten schwer verletzt den Ort Heltersberg. Einer davon war Alfred W. Verwandte des Alfred W. nahmen dort die Verwundeten auf, und mit ärztlicher Hilfe wurden sie wieder gesund.
Quelle: Die Rheinpfalz 5.4.1955.

Tiefinbach: Ostern 1945 wurde auf einer Wiese hinter dem Ziegler-Hof ein Unterscharführer »nach Art von Wildwest« nach der Gefangennahme erschossen.
Quelle: Uwe JACOBI, »Das Kriegsende«.

Höchstberg: Am Osterdienstag 1945 wurden drei namentlich bekannte Soldaten durch das Dorf geführt und kurz darauf erschossen.
Quelle: Dorfbewohner von Höchstberg.

Herbolzheim: Am 4.4.1945 sollte ein gefangener deutscher Soldat ein amerikanisches Kfz putzen. Als er sich weigerte, wurde er erschossen. Beim Friedhof zwischen Hof Lamminger und Henninger lagen sieben Mann mit Kopfschuß, die nach der Gefangennahme erschossen worden waren.
Quelle: Adolf ECKERT, Herbolzheim, und weitere Einwohner.

Kressback Am 6.4.1945 wurden sechs gefangene SS-Männer in einem Schuppen des Bauern SCHUH durch Genickschuß getötet.
Quelle: Augenzeuge Lehrer SPAHMANN, Kressbach.

Stuppack: Nach den Kampfhandlungen am 6.4.1945 wurde festgestellt, daß rund 30 Gefangene mit Draht gefesselt worden waren und eingeschlagene Schädel und Kopfschüsse aufwiesen.
Quelle: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und Bürgermeisteramt Stuppach vom 2.7.1952.

Willenbacher Hof: Am 10.4.1945 meldete Hauptmann BREUER im offenen Funkspruch an die Division »Götz von Berlichingen«, daß am selben Tag von den Amerikanern rund 10-20 verwundete SS-Männer nach der Gefangennahme erschossen worden seien.
Quelle: Augenzeuge Hauptmann BREUER, von der 10. VGD zur »Götz von Berlichingen« versetzt.

Lampoldshausen: Zwischen dem 10. und 13.4.1945 wurden im Ort 13 Soldaten nach der Gefangennahme erschossen: Neben dem Hause OTT ein Soldat (Theodor SAUTER). In der Scheune ROSENBERGER verhörten die Amerikaner drei versprengte deutsche Soldaten und erschossen sie anschließend im Riedle. Am 13.4.1945 verhörten die Amerikaner in der Scheune BECK sechs Gefangene und erschossen sie anschließend im Waldstück Fuchsberg. Drei versprengte Soldaten erschossen sie auf dem Gaisberg bei Karl FÖRCH.
Quelle: Bürgermeister und Pfarrer, Einwohner des Ortes und Unterlagen des Suchdienstes.

Weipertshausen: Nach den Kampfhandlungen am 9.4.1945 wurde ein SS-Mann in die GROSSsche Scheune geführt und dort erschossen. Einige Amerikaner zwangen Frauen in die GROSSsche Wohnung und vergewaltigten sie dort.
Quelle: Augenzeuge Bürgermeister KELLER.

Waldhausen: Am 11.4.1945 wurden zehn (gefangene) deutsche Soldaten von Amerikanern erschossen. Die Pfarrer von Langenelz und Oberneudorf sollen zugegen gewesen sein.
Quelle: Einwohner von Waldhausen.

Schwabach: Anfang April 1945 mußten drei Mann (eine MG-Bedienung) vor dem Giebel eines Hauses eine Grube ausheben, sich hineinstellen und wurden erschossen.
Quelle: Augenzeuge Oberschütze GRUCHOT 11./37.

Hermersberg: Nach dem Kampf bei Hermersberg am 11.4.1945 fand man etwa 15 tote Soldaten mit Drahtschlingen um den Hals. Ein Augenzeuge erzählt, daß sich einige Soldaten ihre Gräber selbst schaufeln mußten, bevor sie erschossen oder erschlagen wurden.
Quelle: Heilbronner Stimme, 30.4.1985, Bekanntmachung der Stadt Niedernhall Nr. 46 vom 14.11.1980.

Jungholzhausen: Am 15.4.1945 besetzte die K-Kompanie des 254. US-Infanterieregiments das kleine Dorf Jungholzhausen über dem Kochertal. 15 deutsche Pioniere wurden von den unerwartet einmarschierenden Amerikanern überrascht und gefangengenommen. Ohne langes Fragen ordneten die US-Soldaten sie der SS zu; eine Waffen-SS-Einheit hatte ihren Gefechtsstand in der Nähe. Die Soldaten wurden geschlagen und mißhandelt, schließlich bei Einbruch der Dunkelheit zu einer Betonmauer geführt und von hinten niedergeschossen. Einige überlebten, weil sie sich tot stellten und versteckten. Die Berichte der ersten Überlebenden, die sich wieder zu eigenen Einheiten durchgeschlagen und im nächsten Kompaniegefechtsstand gemeldet hatten, stießen zunächst auf Unglauben: »Amerikaner tun so etwas nicht«, war die erste Reaktion eines deutschen Offiziers.
Quelle: Lokalzeitung von 30.4.1985 und Historiker BLUMENSTOCK. [3]

Nürnberg: Der Kampf in und um Nürnberg dauerte vom 17. bis 22.4.1945. Nach Aussagen von Zeitzeugen wurden gefangene deutsche Soldaten umgebracht. Da dies an verschiedenen Stellen in der Stadt geschah, kann die genaue Anzahl nicht festgestellt werden. Bekannt ist, daß rund 200 Tote nach Bensheim gebracht und dort beerdigt wurden. Das dazu eingesetzte Gräberkommando stellte fest, daß eine große Anzahl Toter zertrümmerte Schädel oder Schüsse in den Hinterkopf hatte.
Quelle: Friedhofsunterlagen in Bensheim, Feststellungen von Suchdienstbearbeitern.

Nürnberg: Der Rentner Josef SUTER beobachtete am 18.4.1945 von seinem Fenster aus, wie SS-Soldaten, die vorher in der Lederer Brauerei gefangengenommen worden waren, auf den israelitischen Friedhof geführt und dort erschossen wurden. Er gibt keine genaue Zahl an.
Quelle: Polizeiprotokoll vom 13.12.1945 in Nürnberg.

Pfaffenhofen: Die Amerikaner ließen im April 1945 15 Gefangene vor ihren Panzern hergehen. Am Ortsausgang schossen sie sämtliche Soldaten nieder.
Quelle: Regensburger Woche vom 23.8.1956 und Schreiben der Gemeinde Eberstetten vom 24.11.1959. [4]

Webling: Am 29. April 1945 erschossen US-Soldaten den Hofbesitzer FURTMAYER und 17 SS-Männer. Später wurde festgestellt, daß es sich insgesamt um 43 Soldaten gehandelt hat.
Quelle: Die englische Zeitschrift »After the Battle« Nr. 27, 1980.

Oberpframmern: Am 1.5.1945 gerieten acht versprengte SS-Männer und Gendarmeriebeamte aus Glonn in Gefangenschaft. Am Ortsrand mußten sie auf Befehl eines angetrunkenen US-Offiziers Gruben ausheben und wurden anschließend mit Genickschuß getötet.
Quelle: Der evangelische Geistliche Dr. Wilhelm FELDNER. Vorgang liegt unter Az, 9250/6 21 109/65 beim Bundesminister der Justiz.

Einen weiteren ähnlichen Fall berichtet der Ritterkreuzträger der Luftwaffe Major Klaus HÄBERLEN. Er war in Oberbayern in US-Gefangenschaft geraten:

»Am Morgen mußten alle Gefangenen antreten, wobei wir erleben mußten, wie zwei blutjunge Waffen-SS-Kameraden entdeckt und sofort durch zwei GIs in ein Wäldchen hinter der Scheune gezerrt wurden. Kurz darauf fielen zwei Schüsse, die beiden Amis kamen alleine zurück. Diese beiden Jungen wurden ohne ein ordentliches Gerichtsverfahren ermordet.« [5]

Hätten sich deutsche Soldaten derartiger Kriegsverbrechen schuldig gemacht, wären sie nach Kriegsende zur Rechenschaft gezogen und, wenn überführt, in der ersten Nachkriegszeit mit der Todesstrafe belegt worden.

Anmerkungen:

[1] »Deutschland in Geschichte und Gegenwart«, Nr. 2, 1987, S. 14-20.

[2] »Kameraden« Nr. 4, 1998, S. 11 f.

[3] Siehe: Beitrag Nr. 292, »Gefangenenmorde bei Jungholzhausen«.

[4] Ausführliche Darstellung in: Beitrag Nr. 291, »Die Morde von Eberstetten«.

[5] Klaus HÄBERLEN, »Erzählung eines Lebens in drei Epochen«, Ulm 1998, S. 171

Aus: »Der große Wendig«, Band 2.

Es gibt zu diesem Thema natürlich noch viel, so viel, das man ganze Bücher damit füllen kann.