Theodor Scherer (Geb. 17. September 1889 in Höchstädt, Bayern; Gest. 17. Mai 1951 in Ludwigsburg) war ein deutscher Offizier der Bayerischen Armee, des Kaiserlichen Heeres, der Vorläufigen Reichswehr, der Polizei und der Wehrmacht, zuletzt Generalleutnant der Wehrmacht, Divisionskommandeur des Heeres und Eichenlaubträger des Zweiten Weltkrieges.

Der “ Löwe von Cholm “ war bekannt dafür, dass er selbst als General noch ganz vorne im Kampf stand und seine verwundeten Soldaten auf den eigenen Händen aus dem Feuer trug.


Der nachmalige Generalleutnant Theodor Scherer wurde am 17. September 1889 als Sohn eines Oberlehrers in Höchstädt geboren, jener bayerischen Kleinstadt an der Donau, die durch den Sieg des Prinzen Eugen und des englischen Feldherrn Marlborough über Franzosen und Bayern am 13. August 1704 in die Geschichte eingegangen ist, wobei in britischen Geschichtsbüchern von der Battle of Blenheim die Rede ist.

Aufgewachsen ist Theodor Scherer in Augsburg, von wo aus er nach dem Schulabschluss seine soldatische Laufbahn als Fahnenjunker im 12. Bayerischen Infanterieregiment „Prinz Arnulf“ in Neu-Ulm begann. Hier avancierte er am 23.10.1910 zum Leutnant und trug, als er Anfang August 1914 mit der Maschinengewehrkompanie (MGK) seines Regiments in den 1.Weltkrieg zog, bereits seine erste Auszeichnung: die Prinzregent-Luitpold-Medaille.
Im Laufe des Krieges, den er durchweg an der Westfront erlebte und den er schließlich als Hauptmann beendete, kamen noch die beiden Eisernen Kreuze (EK II und EK I) sowie weitere Landesorden hinzu.

Werdegang

Königlich Bayerische Armee

Theodor Scherer trat am 14. Juli 1908 als Fahnenjunker in die Königlich Bayerische Armee ein. Der Sohn eines Turnoberlehrers kam dabei zum 12. Königlich Bayerischen Infanterie-Regiment „Prinz Arnulf“. In diesem wurde er am 7. März 1909 zum Fähnrich befördert. Nach dem Besuch der Kriegsschule wurde er am 23. Oktober 1910 zum Leutnant befördert. Mit der MG-Kompanie des Regiments zog er bei Beginn des Ersten Weltkrieges an die Kriegsfront.

Erster Weltkrieg
Er diente die nächsten Jahre als Zug- und Kompanieführer. Dabei wurde er am 1. Juni 1915 zum Oberleutnant befördert. Am 14. Juli 1916 geriet er dann in englische Kriegsgefangenschaft. Aus dieser wurde er am 31. Mai 1918 wieder befreit, wurde dafür aber in Holland interniert. Erst im Dezember 1918 wurde er aus der Internierung wieder freigelassen.

Zwischenkriegszeit
Am 15. Dezember 1919 heiratete er Hertha Schwarz. Am 30. September 1920 wurde er aus dem aktiven Dienst bei der Vorläufigen Reichswehr verabschiedet.

Polizei
Am 1. Oktober 1920 trat er dafür in die bayerische Landespolizei ein. Bei dieser diente er dann die nächsten fünfzehn Jahre. Am 1. April 1922 wurde er zum Hauptmann der Polizei befördert. Ab 1928 gehörte er dann zur Polizeischule Eichstädt. Am 1. Juli 1932 wurde er dort zum Major und am 1. April 1935 zum Oberstleutnant befördert.

Wehrmacht
Am 1. Oktober 1935 wurde er als solcher während der Erweiterung der Reichswehr zur Wehrmacht ins Heer übernommen. Sein Rangdienstalter wurde dabei auf den 1. Juli 1934 festgelegt. Er wurde jetzt zuerst im Infanterie-Regiment 56 zum Bataillonskommandeur ernannt. Am 1. Januar 1937 wurde er dort zum Oberst befördert. Als solcher wurde er am 1. April 1937 zum Kommandeur des II. Bataillons des Infanterie-Regiments 111 in Baden-Baden ernannt. Genau ein Jahr später wurde er am 1. April 1938 zum Kommandeur des Infanterie-Regiments 56 in Ulm ernannt.

Zweiter Weltkrieg
Mit dem Infanterie-Regiment 56 bezog er bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges im Spätsommer 1939 Stellungen im Westen. Im Frühjahr 1940 übernahm er dann als Kommandeur das Infanterie-Regiment 507, welches er danach im Westfeldzug führte. Im Spätsommer 1940 gab er sein Kommando ab. Zum 1. November 1940 wurde er dann zum Generalmajor befördert und ab dem 4. März 1941 zum Kommandant des Führerhauptquartiers ernannt.

Während des Rußlandfeldzuges tat sich Scherer als Verteidiger des Kessels von Cholm hervor.

Im Kessel von Cholm
Die Ende August 1941 von deutschen Truppen eroberte Stadt lag im Winter 1941/42 im Verteidigungsbereich der deutschen 16. Armee, welche sich seit dem 8. Januar 1942 einer Offensive der sowjetischen Nordwestfront gegenübersah. Nachdem die ausgeruhten Truppen der sowjetischen 34. Armee sowie der 3. und 4. Stoßarmee, denen sich am 15. Januar noch die 22. Armee anschloß, in einer Offensive weiträumig Richtung Welikije Luki durchgebrochen waren und die Lowat überschritten hatten, schlossen sie bei Cholm (am 21. Januar) und bei Demjansk (am 8. Februar) die deutschen Verteidiger ein.

Daraufhin sammelte Generalmajor Scherer in Cholm versprengte deutsche Einheiten und stellte mit diesen eine rund 6.000 Mann starke, später nach ihm benannte Kampfgruppe (Gruppe „Scherer“) auf. Dazu waren Teile der dezimierten 123. und 218. Infanteriedivision, Gebirgsjäger (5. Gebirgs-Division), dänische Freiwillige sowie Marine- und Luftwaffenangehörige neu gegliedert worden.

Durch Lastensegler aus der Luft versorgt, konnte die Kampfgruppe, obwohl nahezu keine eigene Artillerie mehr vorhanden war, allen Angriffen und weit überlegenen sowjetischen Angriffen standhalten, bis der Cholmer Kessel Anfang Mai im Zuge der deutschen Gegenoffensive wieder entsetzt werden konnte.

Für diese Leistung wurde Scherer, noch während der Verteidigung von Cholm, am 22. Februar 1942 das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen.

Die breitere Öffentlichkeit erfuhr vom Kessel von Cholm, der unter Führung von Generalmajor Scherer immerhin 107 Tage lang gegen die zahlen- und materialmäßig weit überlegenen sowjetischen Kräfte in Stärke von drei Divisionen mit Erfolg verteidigt wurde, erstmalig etwas durch den Bericht des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) vom 6. Mai 1942, darin hieß es nämlich:

„Im nördlichen Abschnitt der Ostfront stellten deutsche Truppen in kühnem, planmäßig vorbereitetem Angriff die Verbindung zu einem vom Feinde eingeschlossenen wichtigen Stützpunkt wieder her. Die unter dem Kommando des Generalmajors Scherer stehende Besatzung hat seit dem 21. Januar 1942 in hartem Abwehrkampf zahlreichen Angriffen überlegener feindlicher Kräfte mit hervorragender Tapferkeit standgehalten.“

Erst wesentlich später wurde auch der Name dieses Stützpunktes bekannt: Cholm – eine an sich bedeutungslose Kreisstadt mit rund 12.000 Einwohnern am Oberlauf des Lowat, unweit der Waldai-Höhen.

Während des Russlandfeldzuges wurde ihm am 1. 10. 1941 das Kommando über die Sicherungs-Division 281 anvertraut.
Seine eigentliche große Stunde, die höchste Bewährung von ihm forderte, kam für den nun 52jährigen Generalmajor Scherer allerdings erst am 21. Januar 1942, als er zum Festungskommandanten in dem von der 3. sowjetischen Stoßarmee unter Generalleutnant Maxim Purkajew hart bedrohten Kessel von Cholm ernannt wurde. Das inmitten eines weiten Sumpfgebietes gelegene Cholm war damals der einzige „feste Platz“ in der durchlöcherten deutschen Front zwischen Welikije Luki und Demjansk und zuvor mehr Etappen- als Frontstadt gewesen.
Nun hatte dieser provisorisch zum „festen Platz“ erklärte Stützpunkt die Aufgabe, der deutschen 16. Armee den Rücken möglichst lange freizuhalten und den sowjetischen Vormarsch nach Westen zu stoppen.
Was dem neuernannten Festungskommandanten aber an Kräften zur Verfügung stand, um diesen Kessel von nur zwei Kilometern Durchmesser unbedingt zu halten, war geradezu lächerlich. Die so genannte Kampfgruppe Scherer war nämlich ein bunt zusammengewürfelter Haufen, der erst zu einer Kampfgemeinschaft zusammengeschweißt werden musste. Neben Versorgungs- und Etappeneinheiten und Teilen verschiedener Frontdivisionen gab es u.a. ein Bataillon eines Luftwaffen-Feldregiments, ein Reserve-Polizeibataillon, Trosssoldaten und sogar eine Marine-Kraftfahreinheit. Den soldatischen Kern bildeten Verbände der 123. ID, Einheiten, der gerade erst aus Dänemark an die Ostfront verlegten 218. ID und die Reste eines zur 329. ID gehörenden Infanterieregiments. Über allem waltete Generalmajor Scherer mit dem Stab seiner 281. Sicherungs-Division. Außerdem trug er selbst verwundete Soldaten auf den Armen aus der Feuerlinie
.
Bevor der Kessel endgültig dicht war, konnte er noch Teile des MG-Bataillons 10 als Verstärkung vereinnahmen. Zu einer durch Hitler zunächst erwogenen Verstärkung der „Gruppe Scherer“ durch ein Fallschirmbataillon kam es allerdings nicht, wohl aber wurden Teile der 5. Gebirgs-Division vorn Truppenübungsplatz Grafenwöhr abtransportiert, um beim Entsatz von Cholm mitzuwirken.
Was Generalmajor Scherer hier zu leisten hatte, verlangte Mut, Improvisationsfähigkeit und höchste persönliche Bewährung als soldatisches Vorbild und militärischer Führer, dazu gehörte es u. a., daß er mitunter verwundete Soldaten selbst auf seinen Armen aus dem Feuer trug.

Divisionskommandeur

Nach einem Erholungsurlaub wurde er am 5. September 1942 zum Kommandeur der 34. Infanterie-Division im Mittelabschnitt der Ostfront ernannt. Als solcher wurde er zum 1. November 1942 zum Generalleutnant befördert. Vom 2. November 1942 bis zum 1. April 1944 führte er die 83. Infanterie-Division im nördlichen Mittelabschnitt der Ostfront. Am 15. April 1944 wurde er zum Inspekteur des Küstenschutzes beim Wehrmachtsbefehlshaber „Ostland“ ernannt. Am 10. August 1944 wurde er in die Führerreserve versetzt. Bis Kriegsende erhielt er dann kein richtiges Frontkommando mehr.

Am 10. 8. 1944 schickte Generaloberst Schörner, der nunmehrige Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Nord (1892-1973), den Wehrmachtsbefehlshaber Ostland, General der Panzertruppe Kempf (1886-1964), und den Generalleutnant Scherer zurück, da er – wie man im Tätigkeitsbericht des Chefs des Heerespersonalamtes nachlesen kann – „keine Verwendung für diese Generale und ihre Stäbe in meinem Bereich hat„. Allerdings war bereits  im Vorbefehl vom 01.09.1944  die Ernennung Scherers zum Kommandanten der Verteidigungsstellung C1, nördlich und südlich von Posen, im Wehrkreis XXI vorgesehen. Diese Linie sollte mit 8 Divisionen verteidigt werden. Die offizielle Ernennung erfolgte jedoch erst mit Befehl vom 20.01.1945 und endete schließlich in der Kampfgruppe Scherer.
Hier wurde Scherer mit der Zusammenstellung einer Kampfgruppe beauftragt, die aus folgenden Einheiten bestand:

-1 ArtAbt. (mot) mit 12 10,5cm-Kanonen in 4 Bttr.

-1 PzGrenBtl. der 10. PzGrenDiv. mit ca. 600 Mann unter Major Hering, die von der eigentlichen Div. abgesplittert waren

-1 Btl. der Infanterieschule Döberitz zusammen mit einer PiKp (mot.), die grade vom Truppenübungsplatz Warthelager kamen

Zusammen etwa 1.600 Mann. Diese Verbände trafen zuvor zum 22.01.1945 eher zufällig alle im Städtchen Obornik an der Warthe ein und Scherer formte damit eine durchaus schlagkräftige Kampfgruppe, um den Übergang der Roten Armee über die Warthe zumindest in diesem Raum zu stoppen. Dort eingekesselt setzte sich die Kampfgruppe dann entlang der Warthe über Samter-Wronke-Zirke bis Birnbaum ab, wo erstmals, nach 110 Kilometern Landmarsch, Funkkontakt zum V. SS-Gebirgs-Korps hergestellt werden konnte, welches die Kampfgruppe zum Netze-Übergang nach Driesen befahl. Dieses Städtchen verteidigte die Kampfgruppe gegen die 220. PzBrg. der Roten Armee erfolgreich unter Abschuss von ca. 40 Feindpanzern und setzte sich dann am 29.01.1945 befehlsgemäß nach Schwerin/Warthe ab. Nach 14 tagen schweren Kämpfen wurde die Kampfgruppe Anfang Februar 1945 in den Raum Görlitz verlegt und zur Wiederaufstellung der 10. Panzergrenadier-Division verwendet. Bei Ankunft der Kampfgruppe im Verfügungsraum, musste diese jedoch, im Rahmen der Division,  sofort wieder gegen den eingebrochenen Gegner antreten.

Tod

Wie so viele hochrangige Offiziere verstarb Generalleutnant a. D. Theodor Scherer nach dem Kriege und der Kriegsgefangenschaft 1951 an den Folgen eines sonderbaren Autounfalls.

Auszeichnungen (Auszug)

-Prinzregent-Luitpold-Medaille, 1911
-Bayer. Militär-Verdienstorden mit Schwertern
-Eisernes Kreuz (1914) II. und I. Klasse
-Verwundetenabzeichen (1918) in Schwarz
-Ehrenkreuz für Frontkämpfer
-Wehrmacht-Dienstauszeichnung, IV. bis I. Klasse
-Deutsches Schutzwall-Ehrenzeichen
-Wiederholungsspange (1939) zum Eisernen Kreuz II. und I. Klasse (1914)
-Cholmschild
-Verwundetenabzeichen (1939) in Schwarz (er trug zuweilen auf Bildern die 1918- und die 1939-Version nebeneinander)
-Medaille „Winterschlacht im Osten 1941/1942“
-Namentliche Nennung im Wehrmachtbericht
-Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub[1]
-Ritterkreuz am 20. Februar 1942 als Generalmajor und Kommandeur der 281. Sicherungs-Division
-Eichenlaub am 5. Mai 1942 (92. Verleihung) als Generalmajor und Kommandeur der 281. Sicherungs-Division

1.) Veit Scherzer: Die Ritterkreuzträger 1939–1945 – Die Inhaber des Eisernen Kreuzes von Heer, Luftwaffe, Kriegsmarine, Waffen-SS, Volkssturm sowie mit Deutschland verbündete Streitkräfte nach den Unterlagen des Bundesarchivs , Scherzers Militaer-Verlag, Ranis/Jena 2007, ISBN 978-3-938845-17-2, S. 660

Der „Löwe von Cholm“
Im Kessel von Cholm-Generalmajor Theodor Scherer mit Ritterkreuz
Verleihung des Ritterkreuzes zum Eisernen Kreuz an Generalmajor Theodor Scherer im Kessel von Cholm
Theodor Scherer mit dem Cholm-Schild und seiner Pfeife
Scherer mit Werner Wrangel

 

 

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