Nach dem Ersten Weltkrieg hatte sich in den USA aus der Enttäuschung mit den Erlebnissen des Krieges heraus die Politik des >Isolationismus< durchgesetzt, das heißt, man lehnte jede Einmischung in die außeramerikanischen, vor allem europäischen Angelegenheiten ab.

Erstmals wich die amerikanische Regierung deutlich und öffentlich da- von mit der >Quarantänerede< Präsident ROOSEVELTS am 5. Oktober 1937 in Chicago ab, in der er erklärte, 10 Prozent der Menschheit (Deutschland, Italien und Japan) gefährdeten die Sicherheit der restlichen 90 Prozent, man müsse gegen diese Staaten eine Quarantäne verhängen. [1]

Bereits im Dezember 1937 wurde deshalb der US-Admiral INGERSOLL nach England geschickt, um eine englisch-amerikanische Zusammenarbeit im Kriegsfall zu besprechen. [2]
Schon im August 1938 wußte man in den englischen Behörden, daß man mit der amerikanische Hilfe rechnen könne. [3]

Am 21. November 1938 berichtete der polnische Botschafter in Washington, Graf Jerzy POTOCKI, daß ihm der US-Botschafter in Paris, BULLITT, auf die Frage, ob die USA an einem Krieg gegen Deutschland teilnehmen würden, die Antwort gegeben habe:

»Zweifellos ja, aber erst dann, wenn England und Frankreich zuerst losschlagen!« [4]

Als im Januar 1939 in den USA die geheime Anwesenheit von englischen und französischen Militärmissionen bekannt wurde, erklärte ROOSEVELT vor dem Militärausschuß des Senates, daß die Grenze in der Schlacht der Demokratien gegen den Faschismus der Rhein sei. [5]
Etwa zur gleichen Zeit berichtete Graf POTOCKI über eine systematische Kriegspropaganda in den USA und über enorme Aufrüstungspläne des US-Präsidenten. [6]
Am 17. Mai 1939 drohte der US-Botschafter PHILLIPS dem italienischen Außenminister Graf CIANO, daß die USA im Falle eines Konfliktes in Europa nicht beiseite stehen würden. [7]
Welche Rolle die US-Regierung nun spielte, sagt eine Tagebucheintragung des US-Marineministers FORRESTAL vom 27. Dezember 1945. FORRESTAL schildert, daß er mit Joe KENNEDY, dem Vater des späteren Präsidenten und früherem US-Botschafter in London, Golf gespielt und sich über den Kriegsausbruch 1939 unterhalten habe. FORRESTAL wörtlich:

»CHAMBERLAIN, sagt er (KENNEDY), habe erklärt, daß Amerika und das Judentum England in den Krieg getrieben hätten. In den Telefongesprächen mit ROOSEVELT im Sommer 1939 habe ihm… der Präsident dauernd erklärt, er solle CHAMBERLAIN ein heißes Eisen auf die Kehrseite drücken. .. [damit er eine harte Haltung gegen Deutschland einnehme]«

FORRESTAL erzählt dann, daß er Ähnliches schon von anderer Seite gehört habe. [8]

Da ROOSEVELT kein Vertrauen zu dem >Appeaser< (Versöhnler) CHAMBERLAIN hatte, setzte er sich schon am 11. September 1939 unter Umgehung des normalen diplomatischen Weges mit dem Führer der >Hardliner< in England, CHURCHILL, der nun Marineminister war, in Verbindung. In ungefähr 2000 geheimen Botschaften wurde anschließend hier >Geheimdiplomatie< getrieben (die gerade die USA im Ersten Weltkrieg als sehr undemokratisch und verwerflich erklärt hatten). [9]

Die sogenannte >Neutralitätspatrouille< der US-Marine, die angeblich die Neutralität der USA schützen sollte, war 1939 – 1941 in Wirklichkeit eine Hilfsmaßnahme für England. Denn die amerikanischen Schiffe meldeten nicht nur deutsche Kriegsschiffe, sondern auch deutsche Handelsschiffe, die aus den USA nach Deutschland durchbrechen wollten, an britische Stellen. [10]
Große Mengen von Kriegsmaterial wurden aus US-Heeresbeständen an England geliefert. [11]

1940 wurden weitere gemeinsame Stabsbesprechungen zwischen England und den USA durchgeführt. Der US-Admiral STARK schrieb anschließend an seinen Kommandeur, daß die Frage des US-Kriegseintritts nur noch eine Frage des >Wann<, nicht mehr eine Frage des >Ob< sei. [12]
Im Januar 1941 flog der Vertraute ROOSEVELTS, Harry HOPKINS, zu CHURCHILL, um ihm zu sagen:

»Der Präsident ist entschlossen, daß der Krieg gemeinsam gewonnen wird.« [13]

Die Mission des US-Geheimdienstmannes DONOVAN trug wesentlich zum Sturz der deutschfreundlichen Regierung in Jugoslawien bei, die sich dem >Dreimächtepakt< angeschlossen hatte. Die Folge war der deutsche Balkanfeldzug. [14]

Inzwischen war auf dem Meer schon praktisch der >Schießkrieg< ausgebrochen. Auf die nicht sehr neutrale >Neutralitätspatrouille< ist schon hingewiesen worden. Beschädigte englische Kriegsschiffe wurden in amerikanischen Häfen repariert. Im April 1941 wurde die >Sicherheitszone< der USA auf 2000 Meilen ausgedehnt. In dieser Zone unterstützten die US-Kriegsschiffe und Flugzeuge die Engländer. Sie benutzten dazu englische und kanadische Luft- und Seestützpunkte. Gesichtete deutsche U-Boote wurden sofort an die Engländer gemeldet. Im April 1941 besetzten die Amerikaner völkerrechtswidrig das neutrale Grönland. Im Mai planten sie die Besetzung der ebenfalls neutralen Azoren. Der Plan wurde allerdings später aufgegeben. Als das deutsche Schlachtschiff >Bismarck< im Atlantik das englische Schlachtschiff >Hood< versenkt hatte, plante ROOSEVELT, es durch US U-Boote versenken zu lassen, obwohl ja die USA immer noch neutral waren. Im Juni besetzten amerikanische Truppen auch noch – ebenfalls völkerrechtswidrig – das neutrale Island, das auch schon vorher von britischen Streitkräften besetzt war.

Obwohl Deutschland das Rote Meer zur Kriegszone erklärt hatte, verkündete ROOSEVELT öffentlich im Mai 1941, daß 24 Versorgungsschiffe mit Gütern für die englischen Truppen in Ägypten dorthin fahren würden. Prompt wurde ein amerikanischer Transporter versenkt, und ROOSEVELT sprach von »Piraterie« und nannte es die Tat eines »Gesetzlosen« (»outlaw«). [15]

Sehr zum Ärger ROOSEVELTS ließ sich aber Deutschland nicht provozieren. Die einseitig erklärte >Sicherheitszone< wurde von Deutschland respektiert und strenger Befehl an die deutschen Kriegsschiffe und Flugzeuge erlassen, jeden Zwischenfall zu vermeiden. Trotzdem hoffte ROOSEVELT nach wie vor auf eine deutsche Reaktion, die ihm erlauben würde, Deutschland als den Angreifer darzustellen. [16]

Inzwischen war der deutsch-sowjetische Krieg ausgebrochen. Sofort bot ROOSEVELT durch seinen Freund HOPKINS STALIN materielle Hilfe an, ohne irgendwelche Gegenleistungen, sogar gegen den Willen der amerikanischen Streitkräfte, die in den unbegrenzten Lieferungen eine Bedrohung der eigenen Kampfkraft sahen. Vom 9. bis 12. August 1941 trafen sich ROOSEVELT und CHURCHILL auf einem englischen Kriegsschiff, dem Schlachtschiff >Prince of Wales<, vor Neufundland im Atlantik. In der gemeinsam verkündeten >Atlantik-Charta< identifizierte sich ROOSEVELT völlig mit den englischen Kriegs- und Nachkriegsplanungen. Die amerikanischen und englischen Militärs, die mit ROOSEVELT und CHURCHILL gekommen waren, besprachen – nach dem gemeinsamen Absingen des Chorals >Onward, Christian Soldiers!< (>Vorwärts, christliche Soldaten<) – neue Kriegspläne, so unter anderem die Besetzung weiterer neutraler Gebiete.

CHURCHILL, der gern die offene Kriegserklärung der USA wollte, wurde vertröstet mit der Bemerkung ROOSEVELTS:

»ES kann sein, daß ich keinen Krieg erklären werde, aber ich werde einfach Krieg führen. Wenn ich den Kongreß auffordern würde, den Krieg zu erklären, dann diskutiert er erst mal drei Monate lang!«. [17]
Wahrlich eine vorbildlich demokratische Einstellung!

Sehr bald zeigte sich, daß das kein leeres Versprechen war. Vierzehn Tage nach der Atlantikkonferenz gab ROOSEVELT den US-Streitkräften im Atlantik den geheimen Befehl, deutsche und italienische Seestreitkräfte im Atlantik anzugreifen. Der US-Zerstörer >Greer< griff ein deutsches U-Boot an, das zur Verteidigung ein Torpedo abschoß, ohne den Zerstörer zu treffen. ROOSEVELT griff diesen Zwischenfall sofort auf in einem seiner >Fireside Chats< (>Kaminplaudereien<, d. h. formlose Ansprachen ROOSEVELTS über den Rundfunk), nannte das deutsche Vorgehen wieder einmal »rechtlich und moralisch Piraterie« und sagte weiter:

»Wenn man eine Klapperschlange angriffsbereit sieht, dann wartet man nicht, bis sie angreift, bevor man sie zerschmettert. Die deutschen U-Boote sind die Klapperschlangen des Atlantiks… von jetzt an operieren sie aber in den Gewässern, die für die Verteidigung Amerikas notwendig sind, auf eigene Gefahr!«

Am 13. September 1941 befahl ROOSEVELT der US-Flotte den Geleitschutz für alle Geleitzüge, in denen auch amerikanische Schiffe fuhren, gleichzeitig stellte er England die besten amerikanischen Transportschiffe mit amerikanischer Besatzung zum Transport englischer Truppen in den Mittleren Osten zur Verfügung. [18]

Sehr bald kam es zu einem neuen Zwischenfall. Am 17. Oktober 1941 griff der US-Zerstörer >Kearny< wieder ein deutsches U-Boot mit Wasserbomben an. Wieder feuerte das U-Boot in Selbstverteidigung einen Torpedo ab, und diesmal traf es die >Kearny<. Mehrere Amerikaner wurden getötet, das Schiff stark beschädigt. ROOSEVELT trat vor sein Volk und sagte:

»Das Schießen hat begonnen, und die Geschichte hat berichtet, wer den ersten Schuß abgegeben hat!« – damit meinte er natürlich nicht die Wasserbomben der >Kearny<, von denen die Amerikaner nichts erfuhren, sondern den deutschen Torpedo. Er erklärte weiter, daß die Amerikaner nun verpflichtet seien, an der Vernichtung des >Hitlerismus< mitzuarbeiten. Er erzählte den Amerikanern, daß er im Besitz eines geheimen deutschen Planes zur Abschaffung aller Religionen in Deutschland und in der ganzen Welt sei. Er habe auch eine geheime Karte, auf der die deutschen Pläne zur Eroberung von Lateinamerika und dessen Aufteilung in fünf Satellitenstaaten bewiesen würden. Der Plan und die Karte sind bis heute nicht aufgetaucht! [19]

Obwohl es im Oktober 1941 zu einem neuen Zwischenfall kam, bei dem der alte US-Zerstörer >Reuben James< versenkt wurde, waren die meisten Amerikaner aber immer noch nicht kriegswillig, die Zahl der Meldungen zu den Streitkräften ging sogar nach dem >Reuben James<-Zwischenfall zurück. [20]
Eine starke Bewegung gegen einen Kriegseintritt, die >America First<-Bewegung, machte Front gegen ROOSEVELTS Politik: In ihr waren Abgeordnete und Senatoren und so bekannte Persönlichkeiten wie der Atlantikflieger Oberst LINDBERGH. Sie war keineswegs pazifistisch oder pro-deutsch, auch Juden unterstützten sie. Sie waren für eine starke US-Landesverteidigung, aber nach den Erfahrungen des Ersten Weltkrieges gegen eine Einmischung in europäische Angelegenheiten. Amerika solle lieber seine Macht und seinen Einfluß benutzen, um einen Kompromißfrieden zu vermitteln. [21]

Deutschland war wohlweislich nicht bereit, sich provozieren zu lassen. Aber >zum Glück< gab es ja auch eine >Hintertür zum Krieg< – Ostasien. Hier hatte ROOSEVELT mehr Glück mit seiner Politik der Provokation, und im Gefolge des ausgebrochenen ostasiatischen Krieges traten Deutschland und Italien, die Verbündeten Japans, dann im Dezember 1941 in den Krieg gegen die USA ein. Die amerikanische Politikerin und Diplomatin Claire BOOTH-LUCE sagte über ROOSEVELT:

»He couldn’t lead us into the war, therefore he lied us into it!« (Er konnte uns nicht in den Krieg führen, deshalb hat er uns hineingelogen!) Dem ist nichts hinzuzufügen.

Eine ähnliche Politik betrieben die Vereinigten Staaten schon im Ersten Weltkrieg, als sie im Einvernehmen mit britischen Marinebehörden unter CHURCHILLS Beteiligung als damaliger Erster Lord der britischen Admiralität die Versenkung der mit Munition für Großbritannien von Amerika nach England laufenden >Lusitania< durch ein deutsches U-Boot am 7. Mai 1915 vor Irland provozierten, um damit zu einem Kriegsanlaß zu kommen.

Wie ROOSEVELT in einer Rundfunkrede seinen Schießbefehl vom 11. September 1941 gegen deutsche und italienische Kriegsschiffe rechtfertigte:

»Wir wolllen keine Haarspaltereien treiben. Wir wollen nicht sagen: >Wir werden uns nur dann verteidigen, wenn das Torpedo sein Ziel erreicht oder wenn Besatzung und Passagiere ertrunken sind.< In den Gewässern, die wir für unsere Verteidigung als notwendig erachten, werden von jetzt an die amerikanischen Kriegsschiffe und Flugzeuge nicht mehr warten, bis die unter dem Wasser lauernden U-Boote der Achse oder die über dem Wasser hausenden Kreuzer als erste ihre tödlichen Schläge austeilen. Unseren Marine- und Flugpatrouillen – die jetzt in großer Zahl einen gewaltigen Teil des Atlantischen Ozeans kontrollieren – obliegt die Pflicht, die amerikanische Politik der Freiheit der Meere aufrechtzuerhalten – und zwar schon jetzt. Das bedeutet, um es ganz einfach und klar zu sagen, daß unsere Patrouillenboote und -flugzeuge alle Handelsschiffe, die in unseren Defensivgewässern Handel treiben, beschützen werden. Sie werden sie vor Unterseebooten schützen, sie werden sie vor Überwasserschiffen schützen. In meiner Eigenschaft als Oberbefehlshaber habe ich unserer Armee und Flotte Ordre gegeben, diese Maßnahmen durchzuführen und zwar sofort.«

Quellenangaben:

[1] Frederic R. SANBORN in: Harry E. BARNES (Hg.), „Perpetual War for Perpetual Peace“, Caldwell, Idaho 1953, S. 194 f.

[2] SANBORN, ebenda, S. 195.

[3] Ebenda, S. 200.

[4] „Polnische Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges“, Nachdruck Asendorf 1970, S. 9. Vgl. auch den Geheimbericht des Grafen POTOCKI vom 12.01.1939

[5] SANBORN, aaO. (Anm. 1), S. 203.

[6] „Polnische Dokumente“, aaO. (Anm. 5), S. 15 f.).

[7] SANBORN, aaO. (Anm. 1), S. 206.

[8] Charles Callan TANSILL, „Die Hintertür zum Kriege“, Düsseldorf 1957, S. 597 f.; Neuauflage: Selent 2000; Hans BERNHARDT, „Deutschland im Kreuzfeuer großer Mächte“, K. W. Schütz, Preußisch Oldendorf 1988, S. 332.

[9] SANBORN , aaO. (Anm. 1), S. 208.

[10] Ebenda, S. 208.

[11] Ebenda, S. 211.

[12] Ebenda, S. 214.

[13] Ebenda.

[14] Ebenda, S. 215.

[15] Ebenda, S. 216.

[16] Ebenda, S. 216 f.

[17] Ebenda, S. 217 f.

[18] Ebenda, S. 218 f.

[19] Ebenda, S. 219 f.

[20] Ebenda, S. 220 f.

[21] Wayne S. COLE, „America First – The Battle Against Intervention 1940 – 1941“, Madison 1953.

Aus: „Der grosse Wendig“, Band 1.

James V. FORRESTAL (1892-1949). Die Tagebücher des US- Marineministers bergen brisante Hintergrundinformationen.
Harry Lloyd HOPKINS, einer der engsten Berater ROOSEVELTS.
Das Treffen CHURCHILL – ROOSEVELT in der Argentia-Bucht vor Neufundland vom 9. bis 12. August 1941.
Amerikanisches Propagandaplakat. Die USA waren 1939 angeblich neutral, dennoch standen sie vom ersten Tag des Krieges mit gezielten Maßnahmen auf Seiten der Alliierten. Die Revision des Neutralitätsgesetzes Anfang November 1939 gehörte dazu. Das Leih- und Pachtgesetz vom 11. März 1941 sollte das US-Engagement besiegeln.
Die Isolationisten haben im Herbst 1941 noch sehr viele Anhänger in den USA. Hier demonstrieren Frauenvereine in Washington gegen den Leih- und Pachtgesetz.

 

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