Hans-Ulrich Rudel’s Angriff auf die „Marat“ – Rudel schildert diesen Höllenritt
Rudels bekanntester Angriff war wohl die Zerstörung des sowjetischen Schlachtschiffes „Marat“, als er sich am 23. September 1941 mit seiner Ju-87 „Stuka“, ausgestattet mit einer 1.000kg Bombe, im 90 Grad Winkel, vom Himmel auf das Ziel stürzte und seine Maschine erst vier Meter über dem Meeresspiegel abfing. Bei diesem Höllenritt zerstörte er 23.600 BRT (Bruttoregistertonnen). Lassen wir Rudel aber selbst davon berichten :

„“Es ist furchtbar. Überall funkte und blitzte es neben mir auf. Die Luft scheint mit Schwefel geladen. Die Wolken leuchten gelb. Das Tosen und Toben der explodierenden Munition dringt selbst durch die dichte Verkleidung der Maschine. Mir wird beinahe übel, und der Weg ist eine einzige Qual. Wir hatten am Tage vorher bereits einen Einsatz ins Hafengebiet geflogen. Aber heute ist die Flak derart massiert, dass ich an einem Erfolg zweifeln muss. Gruppenführer Hauptmann Steen hat sich genau vor mich hingepflanzt. Ich kann ihn deutlich erkennen. Der Sturz, in einem Winkel von 70 – 80 Grad, nimmt mir die Luft weg. Ich hänge fast an Hauptmann Steen’s Flugzeugschwanz. Die allerhöchste Geschwindigkeit macht ein Bremsen ausgeschlossen. Im Visier hab ich die „Marat“. Schnell, immer schneller kommt sie auf mich zu. Immer größer wird das Schiff. Ich sehe die offenen Münder der Flakgeschütze drohend auf mich gerichtet. Wenn dort einer dahintersitzt und am Abzug zieht! Aber die Maschine muss noch steiler gedrückt werden. Ich sehe das entsetzte Gesicht des Bordschützen von Hauptmann Steen. Er reißt die Augen erschreckt auf, weil er befürchtet, ich rasiere mit meiner Luftschraube seine Steuerung weg. Ich nehme alle Kraft zusammen. Jetzt noch mehr gedrückt – noch steiler – jetzt müssen es 90 Grad sein. Ich habe gar keine Zeit, daran zu denken, dass mich ein Flakvolltreffer zerreissen könnte. Ich flitze an Steen gerade noch vorbei. Die „Marat“ habe ich genau im Visier. Matrosen hasten über Deck. Einige tragen Munition, andere ziehen die Köpfe ein. Sie müssen mich doch sehen! Ein Flakgeschützturm dreht genau in meine Richtung. Wenn er losballert! Da drücke ich auf den Bombenauslöseknopf am Steuerknüppel. Mit aller Gewalt ziehe ich die Maschine hoch, will sie hochziehen, denn ich habe eine Höhe von von nur 300 Metern. Dabei soll die 1.000-Kilo Bombe, die ich eben ausgelöst habe, nicht unter einer Höhe von 1.000 Metern geworfen werden, weil sonst Selbstvernichtung durch Splitterwirkung droht. Aber was kümmert es mich. Ich will die „Marat“ treffen! Sonst nichts. Obwohl ich am Steuerknüppel wie ein Verrückter ziehe, habe ich das Gefühl, dass sich die Maschine nicht hebt. Ich spüre mit einem Male ein Schwinden meiner Sinne. Ein Gefühl, das ich bisher nicht kannte. Sollte die Anstrengung tatsächlich zu groß gewesen sein? Ich weiß keinen anderen Rat mehr, als mit aller Gewalt die Maschine ruckartig hochzuwerfen. Ein scheußliches Gefühl steckt mir im Magen und Kopf, als ich die heisere Stimme meines Bordschützen Scharnowski höre: „Herr Oberleutnant, das Schiff explodiert gerade!“ Langsam drehe ich mich um. Da liegt die „Marat“ hinter einem fast undurchdringlichen 400m hohen Nebel- und Pulverdampfschleier. Ich entdecke mit Schrecken, dass ich nur drei bis vier Meter über dem Meeresspiegel des Kronstadter Hafens fliege, ich entdecke, das ich noch … lebe!““

Diese Tat hätte eine Auszeichnung verdient. Aber Rudel erhielt sie nicht. Gern hätte ihn Hauptmann Steen zum Ritterkreuz vorgeschlagen – aber tat es nicht. „Ich glaube, sie werden mich alle verstehen, wenn ich nach diesem tapferen Einsatz, den die ganze Gruppe flog, nicht einen einzigen Mann bevorzugen möchte, obwohl er die „Marat“ versenkt hat. Verstehen sie mich bitte – aber immer noch halte ich den Wert einer verschworenen Gemeinschaft, wie wir sie darstellen, für wichtiger und größer, als den Oberleutnant Rudel als einzelnen zum Ritterkreuz vorzuschlagen.

Außer der „Marat“ versenkte Rudel mit seiner Ju-87 „Stuka“ einen weiteren schweren Kreuzer, einen Zerstörer, 70 Landungsboote und beschädigte das Schlachtschiff „Oktoberrevolution“ schwer. Er vernichtete Brücken, knackte Bunker, zerschlug Nachschub-Kolonnen. Immer bekannter wurde Rudel, immer reicher regnete der Ordens-Segen auf ihn herab. Er zerstörte 150 Flak- und Pakstellungen, erzielte neun Siege im direkten Luftkampf und rettete sechs hinter den sowjetischen Linien notgelandete Flugzeugbesatzungen. Er errang einen Fliegerrekord, den kein Flieger der Welt ihm bis heute streitig machen konnte: 2530 Feindflüge(!) bei denen er selbst 30mal durch Flak abgeschossen wurde. Und doch verblassen diese Zahlen gegen eine einzige: Rudel allein schoß mit seiner Stuka 519 Panzer ab – fünf komplette Panzerkorps. „Lieber Gott, lass Rudel kommen“, lautete ein Stoßgebet der Soldaten an der Ostfront, wenn die T-34 der Roten Armee mit klirrenden Ketten den deutschen Linien entgegenwalzten. Und oft kam er. Nie hat ein einzelner Soldat einem Feind so massiven Schaden zugefügt – in einem Alter wo andere ihr Examen entgegen büffeln.

Mit der Gesamtzahl von über 2.000 erfolgreichen Vernichtungen ausschließlich an der Ostfront, darunter 800 Feindfahrzeuge, 519 Feindpanzer, 150 Artilleriegeschütze und Flaks, 70 Landungsfahrzeuge, neun Flugzeuge der Roten Luftwaffe, vier Panzerzüge, mehrere Brücken, ein Zerstörer, zwei Kreuzer und das sowjetische Schlachtschiff „Marat“ während 2.530 Feindflügen (2.100 mit der Ju 87, 430 mit der Fw 190) ist Oberst Rudel bis heute der erfolgreichste Schlachtflieger aller Luftwaffen der Welt

Es wundert daher keinem, dass die Sowjets auf Rudels Kopf 100.000 Rubel aussetzten! Es gab Tage, an denen er 17 Panzer abschoss. Er allein!

„Für mich war das keine sportliche Auseinandersetzung“ sagte Rudel später. „Vielmehr ein Existenzkampf auf Leben und Tod. Da hieß es nur: Du oder ich. Dafür ist man Soldat, um zu kämpfen!

“ Hier möchte ich auch gleich passend Günther Rall zitieren: „..Die mich für meine 275 Abschüsse bewundern, wissen nichts vom Krieg! Sie wissen nicht, was es für ein ganzes Menschenleben bedeutet, dass man in jungen Jahren töten musste, um selbst nicht getötet zu werden. Sie kennen die Scham und die Trauer des Überlebenden nicht. Der Krieg ist nicht die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln, sondern eine Schande; er ist der völlige Bankrott politischen Handelns…“.

Luftaufnahme des getroffenen Russischen Schlachtschiffs Marat
Ein weiteres Bild des getroffenen Schlachtschiffs Marat
Illustration des Angriffs auf die Marat von Rudel
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