Trotz der Attraktivität ihrer Mach-2 Flugzeuge befand sich die amerikanische Luftwaffe in den sechziger Jahren in der verhängnisvollen Lage, besondere Erdkampfflugzeuge zu benötigen, da ihre existierende Ausrüstung dafür völlig ungeeignet war.

In den beiden größeren Kriegen, die von den US-Amerikanern seit dem Zweiten WEltkrieg bestritten wurden, dem Korea- und dem Vietnamkrieg, waren die amerikanischen Flugzeuge technisch WEltklasse, aber es stellte sich heraus, daß sie für eine völlig andere Art von Krieg geplant worden waren als für den, der dann geführt werden musste. Was beides Mal nötig war, war ein Flugzeug, das eine schwere Last tragen konnte, gute REichweite hatte und schweres Bodenabwehrfeuer überleben konnte.

So konnten die empfindlichen US-Jets in Korea und Vietnam bereits von einzelnen Gewehrkugeltreffern zum Absturz gebracht werden. Zwischen 1963 und 1969 fanden deshalb ausführliche Studien statt (AX-Wettbewerb), die dann zu einem größeren Flugzeug führten, das von zwei Turbofan-Triebwerken angetrieben werden sollte.

Im Dezember 1972 ging die Fairchild A-10A (Thunderbolt II) oder später auch „Warthog“ ( Warzenkeiler genannt) als Sieger aus dem Wettbewerb hervor. Die Indienststellung erfolgte ab 1976. Über 700 Stück wurden von der schwer bewaffneten A-10A hergestellt.
Als Hauptwaffe führte die A-10A eine 30mm Kanone zur Erdzielbekämpfung mit panzerbrechender Munition im Rumpf mit. Nachdem die A-10A glücklicherweise nie beweisen musste, ob sie für den geplanten Verwendungszweck, den Kampf gegen die Panzerarmeen der Warschauer Staaten, geeignet war, wurde sie in den Golfkriegen mit großem Erfolg gegen irakische Panzer eingesetzt. In den Annalen des Luftkrieges hat das Flugzeug aber aus einem anderen Grund Einzug gehalten: Die “ Warthog “ wurden berüchtigt, als sie auf der sogenannten
“ Todesstraße nach Basra “ unter den sich aus Kuwait bereits zurückziehenden Irakern ( Militärs und Zivilisten) fürchterliche Verherrungen anrichteten, die dem Flugzeug den Namen “ Schlächter von Basra “ einbrachte.

Die A-10A ist aber zweifellos nicht aus dem Leeren entstanden(1). Hier hatte ein Jahrzehnte vorher entstandenes Junkers- Projekt für ein gepanzertes Schlachtflugzeug der amerikanischen Luftwaffe aus einer prekären Lage geholfen.
Das düsengetriebene Junkers-Schlachtflugzeug wurde bereits Mitte 1941 von der Entwicklungsabteilung der Dessauer Firma als Nachfolger für die Henschel Hs-129 entworfen. (2)(3)
Die damalige Projektstudie sah einen plump wirkenden Mitteldecker mit zwei an den Flügeln liegenden Zweikreis-Turbinen-Luftstrahltriebwerken Dailmer ZTL-109-007 vor, also ebenfalls wie die A-10A ein Zweikreis-Luftstrahltriebwerk.

Bei dem Junkers- Schlachtflugzeug – Projekt waren die Stirnseite, Teile des Rumpfbodens, Munitionskästen und Triebwerke an den Untenseiten gepanzert. Weitere Panzerverstärkungen waren vorgesehen.
Als Bewaffnung dienten in der Rumpfmitte eine großkalibrige Kanone zur Panzerabwehr ( z.b. Mk-103) oder eine 50mm DüKa (Düsenkanone-rückstoßfreies Geschütz) (Anm.: eine 75mm wäre auch möglich gewesen) sowie 4 Mg-151/20 (2cm) Maschinenkanonen.
Das Hauptfahrwerk ließ sich seitlich ins hintere Rumpfdrittel einklappen. Anstelle des Bugrades und zur Erleichterung der Landung auf unbefestigten Grasplätzen war eine einziehbare, pneumatisch gefederte Lufe vorgesehen. Breite, glatte Flügel und Leitflächen des Projekts waren zur besseren Manövrierfähigkeit extra groß gehalten. Auffällig war am Junkers Projekt das doppelte Seitenleitwerk, das der alten Ju-86 ziemlich ähnlich sah.
Die Probleme der Firma Daimler-Benz, ihr Luftstrahltriebwerk DB 109-007 zu entwickeln, führte 1944 zum Einstellungsbefehl der Entwicklung durch das RLM. Dies war trotzdem nicht das Ende für das Schlachtflugzeugprojekt von Junkers.

Bereits ein äußerlicher Auslegungsvergleich zeigt, dass das moderne amerikanische A-10A Schlachtflugzeug seine Abstammung von dem Junkers- Schlachflugzeug ais dem Jahr 1941 nicht verleugnen kann. Hier haben wir einen der Fälle vorliegen, die wiederlegen, dass die erbeutete  deutsche Technologie für die Amerikaner “ nur “ in den ersten Jahren nach Kriegsende von nutzen war.

Ganz im Gegenteil, noch in den sechziger Jahren wurde so die amerikanische Luftwaffe aus einer bedrohlichen Technologielücke befreit.

1.) Sie war auch nicht die direkte Umsetzung von Erfahrungen, die man im Vietnamkrieg gemacht hatte, wie der bekannte US-Luftfahrtspezialist David A. Anderton geäußert hat.
2.) Dieter Herwig u. Heinz Rode, Geheimprojekte der Luftwaffe, Bd.3, Motorbuch, Stuttgart 2002, S.142 ff.
3.)Manfred Griehl, Jet Planes of the Third Reich, Bd.2 , Monogram, Sturbridge 2004. S.238

Vergleich der Frontantsicht des Junkers-Schlachtflugzeugs mit der A10

 

Vergleichsansicht des Junkers-Schlachtflugzeuges mit der A10 von oben.

 

Seitenvergleich des Junkers-Schlachtflugzeuges mit der A10
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