Halbjude« Fregattenkapitän Paul Ascher
Paul Ascher (Geb. 18. Dezember 1899 in Stuttgarten, Brandenburg; gest. 27. Mai 1941 im Nordatlantik) war ein deutscher Marineoffizier und Fregattenkapitän. Nach den Nürnberger Gesetzen war Ascher als Halbjude eingestuft, er erhielt aber die Deutschblütigkeitsbescheinigung und diente zuletzt als Admiralstabsoffizier unter Günther Lütjens auf der „Bismarck“.

Herkunft und Schulzeit
Ascher wurde auf dem von seinem Großvater erworbenen Landgut Stuttgarten geboren. Er war der Sohn von Paul Ascher sen. und seiner Frau. Er hatte eine Schwester; zwei weitere Schwestern waren bereits im Säuglingsalter verstorben. Beide Großelternteile waren jüdischer Abstammung. Bis sein Vater das Landgut nach dem Tod seiner Frau verkaufte und mit der Familie nach Berlin zog besuchte Ascher das örtliche Gymnasium.
 
Laufbahn
Als auch sein Vater verstarb, kam Ascher mit seiner Schwester nach Kiel zu seinem Onkel Karl Ascher, ehemaliger Marineoffizier der Kaiserlichen Marine. Hier entschloß sich Paul Ascher zum Dienst in der Marine. Nach dem Abitur begann er im Juli 1917 seine Ausbildung als Offiziersanwärter auf dem Schulschiff „SMS Freya“. Als Seekadett diente er auf dem Linienschiff „SMS Kaiserin“. Im Marinedienst entwickelte sich auch seine Leidenschaft für Segelschiffe.
 
Mitte der 1920er Jahre wurde Ascher nach Ostpreußen versetzt, wo er seine spätere Frau Ursula, Tochter eines ostpreußischen Gutsbesitzers, kennenlernte. Er heiratete am 26. September 1926 auf dem Gut seiner Schwiegereltern. Im Dezember 1929 wurde der gemeinsame Sohn Gert geboren.
Ab 1930, mittlerweile war Ascher Kapitänleutnant, befehligte er für rund zwei Jahre das Torpedoboot „Falke“.
 
Zweiter Weltkrieg
Ab März 1938 diente Ascher als Korvettenkapitän als Erster Artillerieoffizier auf der Panzerschiff „Admiral Graf Spee“. In dieser Funktion gelang ihm nach Beginn des Zweiten Weltkrieges die Versenkung von rund 50.000 BRT feindlichen Schiffsraums, wofür er im Dezember 1939 mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse ausgezeichnet wurde. In der Schlacht vor dem Rio de la Plata schoß die Schiffsartillerie unter Aschers Kommando das britische Kriegsschiff „HMS Exeter“ kampfunfähig, die Kreuzer „HMS Ajax“ und die aus Neuseeland kommende „HMNZS Achilles“ wurden dabei beschädigt.
Nach der Selbstversenkung des Panzerschiffs „Admiral Graf Spee“ wurde Ascher in Argentinien interniert, konnte aber unter Mithilfe von in Argentinien ansässigen Deutschen in einem Postflugzeug nach Spanien fliehen. Im Frühjahr 1940 erreichte er Berlin und nahm den Marinedienst wieder auf. Er diente als Stabsoffizier beim Befehlshaber der Panzerschiffe Wilhelm Marschall, bevor er auf der Panzerschiff „Gneisenau“ am Unternehmen Weserübung und nachfolgenden Marineoperationen im Nordatlantik teilnahm. Im März 1941 kehrte Ascher nach Kiel zurück.
An Bord des Schlachtschiffes „Bismarck“ nahm Ascher am Unternehmen Rheinübung teil, in dessen Folge er am 27. Mai 1941 fiel.
 
Sonstiges
Sieben Wochen nach seinem Tod wurde seine Tochter Monika geboren. Um die Versorgung seiner Hinterbliebenen zu verbessern, wurde Ascher posthum zum Kapitän zur See befördert.
 
Auszeichnungen
Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse
Eisernes Kreuz 1. Klasse
 
Literatur
Schlachtschiff Bismarck – Das wahre Gesicht eines Schiffes, Teil 3 Seite 403ff., ISBN 3844801790
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