Franz Staudegger
 
„mit nur einem ‚Tiger‘ gegen 50 bis 60 T 34“
 
„(…)SS-Unterscharführer Franz Staudegger aus Wendorffs 2. Zug konnte den Angriff seiner Kompanie am Morgen jenes 8. Juli nicht unterstützen, da sein Tiger aufgrund eines technischen Defektes ausgefallen war. Er bleibt daher in Teterewino zurück. Wenige Stunden später wird ihm ein aus nordostwärtiger Richtung angreifender russischer Panzerverband gemeldet, etwa fünfzig bis sechzig T 34 sollen im Anrollen sein.

„Ich fahre nicht zur Kompanie, ich mache freie Jagd“, sagt er zu Rolf Schamp, dessen Tiger ebenfalls ausgefallen ist. Staudegger zögert keine weitere Sekunde, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln wird sein Tiger wieder notdürftig fahrbereit gemacht und der Kärntner fährt ganz allein in die angegebene Richtung, aus der die Feindpanzer gemeldet worden sind. Sein Fahrer ist der SS- Sturmmann Herbert Stellmacher, Funker SS-Panzerschütze Gerhard Waltersdorf, Richt- und Ladeschütze die SS-Panzerschützen Heinz Buchner und Walter Henke. Unterwegs meldet ihm ein Grenadier, dass bereits fünf Sowjetpanzer die eigenen Stellungen durchbrochen haben. Kurz darauf beobachtet Staudegger, wie zwei T 34 durch Nahkampfmittel ausgeschaltet werden. Die drei an- deren kann er innerhalb kürzester Zeit abschießen. Da erscheinen plötzlich zwei T-34 auf dem Bahndamm. Rasch sind beide mit Volltreffern vernichtet. Nun fährt er weiter, über die eigenen Infanteriestellungen hinaus, ins Niemandsland, völlig auf sich allein gestellt. Ein Mann gegen sechzig Feindpanzer. Da sieht er sie. Aus einem hinter dem Bahndamm gelegenen Wäldchen tauchen fünf weitere Panzer auf. Staudegger gibt seine Anweisungen. Sofort hat Heinz Buchner den ersten in der Optik erfaßt und setzte ihm einen Schuß in den Turm, worauf er explodiert. Nun eröffnen die anderen T 34 ihr Feuer auf den Tiger. Staudegger schießt ununterbrochen und kann in diesem un- wahrscheinlich harten Feuerkampf alle fünf Sowjetpanzer abschießen.
 
Doch nun quellen immer weitere Panzer aus dem Wald hervor, Staudegger nimmt sofort den Kampf an. Schnell kommen seine Befehle an den Richtschützen, Richten, Schießen und Treffen ist eins. Walter Henke leistet als Ladeschütze Schwerstarbeit, ununterbrochen wuchtet er eine neue 8,8-cm-Granate in den Verschluß der Kanone. Herbert Stellmacher hält den Tiger ständig in Bewegung, geschickt rochiert er vor dem gegnerischen Panzerrudel, damit die Feindpanzer sich nicht auf den einsamen Tiger einschieben können. Die grünen T 34 mit ihrem roten Stern sind nicht weit entfernt. Zwei Stunden dauert dieser einsame Kampf des Tigers, dann hat Staudegger in diesem erbittert geführten Kampf insgesamt siebzehn Panzer abgeschossen. Selbst erhaltene Treffer bleiben wirkungslos. Daraufhin sieht der Gegner ein, daß an dieser Stelle kein Durchkommen möglich ist und dreht ab. Staudegger denkt jedoch keineswegs daran, nun zur eigenen Sicherungslinie des Regiments Deutschland zurückzukehren. Er will mehr. Entgegen jeder Vorsicht setzt er seinen Tiger in Bewegung, um den Panzerverband aufzuspüren. Ein toll- kühner Entschluß, dessen Aussichten auf Erfolg denkbar gering sind, denn die Gefahr, in eine Falle der Sowjets zu laufen, ist sehr groß. Doch Staudegger hat andere Gedanken. Langsam rollt der schwere Tiger weiter vor, mit größter Anstrengung und unter voller Konzentration aller Sinne sucht er das Gelände ab. Eine Panzergranate befindet sich in der Kanone und Buchner lauert in Höchstspannung an der Optik. Plötzlich sieht er sie, in einer Mulde haben sich die Feindpanzer gerade wieder bereitgestellt. Mit aufheulendem Motor schießt der Tiger heran, stoppt abrupt und schon peitscht der erste Schuß heraus und trifft sein Ziel. Granate auf Granate verläßt den Tiger und mitten aus dem Panzerrudel schießt Staudegger erneut fünf T 34 heraus. Nun ist die Panzermunition verbraucht, also Sprenggranaten laden und sofort weiterschießen. Vier weitere T 34 erhalten sichtbare Treffer.
 
Nun setzt bei den Sowjets das blanke Entsetzen ein, dieser eine Tigerpanzer scheint für sie un- überwindfich. Die restlichen Panzer ergreifen panikartig die Flucht, um der vollständigen Vernichtung zu entgehen. Staudegger setzt sich nun im Rückwärtsgang mit seinem schweren Panzer vom Feind ab, dabei stets den Gegner im Auge behaltend, um vor Überraschungen sicher zu sein. Er hat seine Munition restlos verschossen und der Motor beginnt auch schon zu stottern, es wird höchste Zeit, sich vorn Gegner zu lösen. Die Grenadiere des Regiments Deutschland winken Staudegger und seiner tapferen Besatzung begeistert zu. Sie wissen, was sie denen zu verdanken haben. Der zwanzigjährige Kärntner hat durch seine tollkühne Tat einen drohenden Einbruch starker feindlicher Panzerkräfte verhindert, deren Ziel es war, die Rollbahn für ihre im Südwesten vom Nachschub abgeschnittenen Verbände freizukämpfen. Zweiundzwanzig Panzer hat Staudegger dabei abgeschossen. Ein von der 2. Kompanie des Regiments Deutschland angesetzter Spähtrupp bestätigt die Abschüsse Staudeggers später. Am folgenden Tag reicht der Kommandeur SS-Obersturmbannführer Schönberger den Verleihungsantrag zum Ritterkreuz ein. Bereits einen Tag darauf, am 10. Juli 1943, wird SS-Unterscharführer Franz Staudegger die hohe Auszeichnung verliehen.(…)“
 
Quelle:
„Michael Wittmann und die Tiger der Leibstandarte“ von Walter Lau, ehem. Richtschütze im Rang eines Rottenführers in der 13. (schw.) Panzer-Kompanie („Tiger-Kompanie“) des SS-Panzer-Regiments 1 der „Leibstandarte“ und zuletzt der 2. Kompanie der schweren SS-Panzer-Abteilung 101/501, sowie von Patrick Agte
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