Im Jahre 1937 wurde im Deutschen Reich das gesamte Schulwesen umfassend reformiert; “ die Reformen traten nach den Schulferien desselben Jahres in Kraft. So wurde beispielsweise die Zeit bis zum Abitur auf 12 Schuljahre verkürzt, und an den Oberschulen und Gymnasien wurde mehr Fremdsprachenunterricht eingeführt, Regelungen, die teilweise auch heute noch Bestand haben.“

Außerdem wurde mit dem Gesetz über die Schulpflicht im Deutschen Reich ( Reichsschulpflichtgesetz) vom 6. Juli 1938 die allgemeine Schulpflicht normiert. Zu dieser Schulpflicht, die “ durch Besuch einer reichsdeutschen Schule zu erfüllen “ war, führte §1 aus.
“ Im Deutschen Reich besteht allgemeine Schulpflicht. Sie sichert die Erziehung und Unterweisung der deutschen Jugend im Geiste des Nationalsozialismus. Ihr sind alle Kinder und Jugendlichen deutscher Staatsangehörigkeit unterworfen, die im Inlande ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt haben.“
Nach dem Reichsschulpflichtgesetz begann die achtjährige Schulpflicht mit dem vollendeten 6. Lebensjahr. Verletzte ein Kind die Schulpflicht, so konnte Zwang ausgeübt werden. Verletzungen der Aufsichtspflicht durch Erziehungsberechtigte konnten mit Geld- oder Haftstrafe geahndet werden. Die Strafandrohung des deutschen Gesetzgebers besteht bis zum heutigen Tage und bezieht sich auch auf Eltern, die ihre Kinder zu Hause unterrichten ( sogenanntes “ Homeschooling „).
Deutschland ist damit das einzige Land in Europa, das den Heimunterricht verboten hat.

Die gemäß Artikel 145 der Weimarer Verfassung grundsätzlich vorgesehene Schulpflicht war von den deutschen Ländern nur teilweise und in unterschiedlicher Form durchgesetzt worden.

Noch wichtiger als die EInführung der allgemeinen Schulpflicht war allerdings die Neuordnung des Berufsschulwesens in den §§ 8 bis 10 des Reichsschulpflichtgesetzes. Auch diesbezüglich existierte in Artikel 145 der Weimarer Verfassung zwar eine einheitliche Regelung, die jedoch nur auf dem Papier stand. Dies führte in der Schulpraxis der verschiedenen deutschen Länder zu einer Vielzahl unterschiedlicher Regelungen hinsichtlich des betroffenen Personenkreises, der Alterszusammensetzung sowie Art und Dauer des Schulbesuches. Diese Regelungen hatten oft nur lokale Bedeutung, was zur Folge hatte, “ dass die Zuständigkeiten von Handels- und Kultusministerien sich vielfach überschnitten.“
Es konnte „daher praktisch von dem Bestehen einer allgemeinen Berufsschulpflicht gar nicht gesprochen werden“.
Die mangelnde reichsweite Regelung der Berufsschulpflicht hatte dazu geführt, das um 1930 in den Ländern nur zwischen 24 und 99 Prozent der eigentlich berufsschulpflichtigen Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren eine Berufsschule besuchten ( Reichsdurchschnitt war etwa 67 Prozent ). Durch das neue Gesetz wurde dagegen der Besuch einer Berufsschule obligatorisch, so dass alle Jugendlichen nach dem Abschluss der Volksschule für drei Jahre ( bei landwirtschaftlichen Berufen für zwei Jahre) eine Berufsschule besuchen mussten.
Die Kommunen, in denen das Berufsschulwesen vernachlässigt worden war, wurden verpflichtet, Berufsschulen zu bauen bzw. einzurichten.
Die praktische Berufsausbildung, die überwiegend vom Handwerk übernommen worden war, wurde nun auch zunehmend von den Industriebetrieben übernommen.
„Für die einzelnen Lehrberufe wurden Berufsbilder festgelegt, aus denen dann die für nötig erachteten Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten abgeleitet wurden. Bis 1943 entstanden auf diese Weise 314 staatlich anerkannte Ausbildungsberufe, die allerdings sehr spezialistisch konzipiert waren.
Die Durchsetzung der Schulpflicht auch für die Berufsausbildung ist eine der Ursachen für die international hoch angesehene Qualität des deutschen Handwerkes und für die hohe Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Mittelstandes. Das Reichsschulpflichtgesetz von 1938 galt in der Bundesrepublik aufgrund der Artikel 123 bis 125 in Verbindung mit Artikel 70 des Grundgesetzes zunächst als Landesrecht fort und hat quasi den Boden für die späteren Rechtsnormen zur Berufsschulpflicht bereitet. Die Bundesländer haben durch ihre jeweilige Schulpflichtgesetzgebung das Reichsschulpflichtgesetz nach und nach ersetzt.

Auszug aus dem Reichsgesetzblatt 1938,Teil 1
Auszug aus dem Reichsgesetzblatt 1938,Teil 1
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