Bei Kriegsende galt die amerikanische U-Boot Flotte im August 1945 als die fähigste und schlagkräftigste der ganzen Welt.
Doch sie war, wie auch der Großteil der anderen US-Technologien, vor Veralterung bedroht. Dies sollte sich für die Rolle der US-Navy in der Nachkriegszeit als entscheidend herausstellen, da die Sowjetunion ab 1945 als potentieller Gegner im Kampf um die Weltherrschaft in Erscheinung trat.
Schnelle Abhilfe war gesucht.

Die amerikanische U-Boot-Gemeinschaft wollte deshalb in Zukunft Boote verwenden, die die Form des deutschen Typs XXI oder der turmlosen Version XXX hatten und die über einen Walther-Turbinenantrieb verfügen sollten. Dieser Antrieb sollte eine Geschwindigkeit von 25 Knoten unter Wasser ermöglichen ( entspricht etwa 46,3Km/h), so wie es auch die Deutschen für ihren Typ XXVI vorgesehen hatten. (1-4)

Um ihren technologischen Rückstand wenigstens ein wenig aufzuholen, begannen die USA, zuerst ihre veralteten Flotten-U-Boote, so gut es ging, nach Art des deutschen Typs XXI umzubauen ( sog. “ Guppy“ Konversionen). Doch waren die Guppy-U-Boote im Vergleich zum deutschen Typ XXI immer noch wesentlich langsamer und viel lauter. Obwohl die Guppy-Konversionen nur eine technische Notlösung waren und die Forderungen der amerikanischen U-Boot-Gemeinschaft nicht erfüllten, wurden von 1946 bis 1963 52 solcher Boote in Dienst gestellt, weil man nichts Besseres hatte. Die Guppy-U-Boote dienten in der US-Flotte bis 1975, wobei einige an befreundete Marinen abgegeben wurden.

Bei dem Guppy-U-Boot “ USS Cochino“ (SS345) verwendete man das Original OHG-Sonar ( Gruppen-Horchgerät), das man aus dem erbeuteten deutschen U-3008 ausgebaut hatte. Dieses Sonargerät konnte einzelne Schiffe bis 20 Kilometer feststellen und Geleitzüge bis in 100 Kilometern Entfernung erkennen. Es erwies sich im Vergleich zu amerikanischen Geräten als derart überlegen, dass es als BQR-2 Sonar direkt nachgebaut und in vielen späteren Nachkriegs-U-Booten der Amerikaner eingebaut wurde.

Am 25. Oktober 1951 wurde die “ USS Tang“ in Dienst gestellt, die endgültig die Eigenschaften des deutschen Typs XXI für den amerikanischen U-Boot-Bau vollständig übernahm. Die hohen Kosten der Tang-Klasse begrenzten ihre Zahl auf sechs Boote. so dass auch diese Lösung für die Probleme der amerikanischen U-Boot-Flotte nicht ausreichend war. Mit einem mit Wasserstoffperoxyd getriebenen Turbinenantrieb nach Erfindung Helmut Walthers gelang es in Deutschland, ein Triebwerk für U-Boote zu bauen, das vom Sauerstoff der Luft unabhängig war. Es entstanden noch rechtzeitig vor Kriegsende funktionsfähige Walther-Turbinenanlagen, mit denen die deutschen U-Boote Unterwassergeschwindigkeiten von 25 Knoten je Stunde erreichen konnten und so vor den Verfolgungen durch feindliche Unterseebootjäger sicher gewesen waren. Die deutsche Marine war ind er Lage noch einige Walther-U-Boote des Typs XVIIB herzustellen. Man hatte ebenso schon mit dem Bau der großen Walther-Hochsee-U-Boote des Typs XXVI begonnen. Im übrigen war die lange nach dem Krieg international maßgebliche Form des Typs XXI ursprünglich für den wieder gestoppten Walther-U-Boottyp XXVII entwickelt worden.

Die Siegermächte waren entschlossen sich diese Technologien nicht entgehen zu lassen, die eine Revolution im Seekrieg anzukündigen schienen. Nach dem Krieg wurde Captain Logan McKey mit einem Stab von Mitarbeitern nach Deutschland entsandt mit der alleinigen Aufgabe, sich dieser deutschen Erfindung zu bemächtigen und Prof. Walther und seine Mitarbeiter auszuforschen. Es gelang den Amerikanern, mehrere Tonnen wertvollstes Material zusammenzutragen und nach Amerika zu transportieren. Die am 7. Mai 1945 von dem deutschen Ingenieur Oberleutnant Grumpel in Cuxhaven selbst versenkten Walther-U-Boote U-1406 und U-1407 wurden von den Engländern durch Verrat entdeckt, ihre ehemaligen Besatzungen aufgespürt und zur Mithilfe bei der Hebung gezwungen. Die von Prof. Walther vergrabenen Mikrofilme mit rund 50.000 Aufnahmen waren noch vor der Kapitulation auf Rollen archiviert und, in sechs Blechtrommeln verschlossen, vergraben worden. Nachdem Großadmiral Dönitz, der um korrekte Erfüllung der Waffenstillstandsbedingungen bemüht war, die Anweisung erteilt hatte, “ alles “ über die Walther- U-Boote den Engländern auszuliefern, wurden auch die von Walther versteckten Mikrofilme wieder ausgegraben und übergeben. Ab 1946 arbeitete Walther mit einer Kleingruppe deutsche Ingenieure in England an U-Bootantrieben.

Trotz der begeisterten Berichte der US-Naval Technical Mission aus Europa über das Walther-Triebwerk stießen die amerikanischen Bemühungen, mit Wasserstoffperoxyd getriebene Turbinen-U-Boote herzustellen, auf große Probleme, obwohl man bereits im November 1945 die Entwicklung von Walther-U-Booten befohlen hatte. Das nach Amerika gebrachte erbeutete deutsche Walther-U-Boot U-1406 ( TYP XVII) wurde nie in Dienst gestellt. Sein 2500 PS starkes Triebwerk und ein erbeutetes 7500 PS starkes Walther-Triebwerk des Typs XXVII baute man in der Naval Engineering Experiment-Station in Anapolis ( Maryland) an Land auf. Gleichzeitig wurde ein erbeuteter 50PS- Kreislauf-Dieselantrieb geprüft.

Die Amerikaner testeten auf aufwendige Art sechs verschiedene Studien für Walther-Antriebe. Da man jedoch bald auf große Schwierigkeiten stieß, entschloss man sich als Zwischenlösung zu einem Nachbau des deutschen Typs XXI mit Dieselantrieb ( Tang-Klasse), bis die amerikanischen Walther-U-Boote in Dienst gestellt werden konnten. Dazu sollte es aber nie kommen.

Die Wasserstoffperoxytriebwerke in Anapolis zeigten beständig technische Probleme. Offensichtlich konnten sie ohne die Hilfe des in England arbeitenden Professors Walther nicht zufriedenstellend gelöst werden.

1949/1950 machten sich dann die Anhänger des Nuklear-Antriebs unter Admiral Rickover immer erfolgreicher bemerkbar. Schließlich wurden Untersuchungen veröffentlicht, die eine Überlegenheit atomar getriebener U-Boote gegenüber Walther-U-Booten nachweisen wollten. Auch Prof. Walther, der 1950 doch noch in die USA übersiedelte und bei der Worthington Corps. in Harrison (NY) arbeitete, konnte daran nichts mehr ändern. Als Walther 1957 ein Konzept für ein fortgeschrittenes Walther- U-Boot im “ Bureau of Ships “ im Pentagon Admiral Mumma ( 1945 Chef der US- Kommision in Kiel) vorstelle, bekam er eine Abfuhr, weil sich der Amerikaner bereits auf den (ebenfalls in Deutschland gestohlenen) Atomantrieb für U-Boote festgelegt hatten.

Prof. Walther arbeitete noch bis 1965 in den USA, wo er eine Vielzahl von Patenten für Strahlenantrieb, Öltechnik bis hin zu Steuerdüsen für Satelliten und Raketentriebwerke erhielt.

Tatsächlich hatten die von Walther entwickelte schnelle U-Boot-Technik weder im Dritten Reich noch in den USA eine wirkliche Chance zur Bewährung gehabt. Wie es aussieht, war dies eine vergebene Chance, die erst im 21. Jahrhundert durch die Verwirklichung von U-Booten mit Walther-Antrieben bei der Bundesmarine verwirklicht zu werden scheint.

Fußnoten:
1.)Norman Polmar u. K.J. Moore, Cold War Submarines. The Design and Construction of U.S. and Sovjet Submarines, Brasseys 2004, S.12-15 u. 33-38
2.) Erhard Rössler u. Fritz Köhl, Vom Original zum Modell. U-Boottyp XVII. Walther U-Boote, Bernard & Graefe, Bonn 1995, S. 40-46
3,)Erhard Rössler u. Fritz Köhl, Vom Original zum Modell: Die großen Walther-Uboote Typ XVII und Typ XXVI, Bernard & Graefe, Bonn 1998, S.52-76
4.)Eberhard Möller, Marine Geheimprojekte, Hellmuth Walther und seine Entwicklungen, Motorbuch, Stuttgart 2000, S. 152 f.

Nochwas über eine Art Walther-U-Boot Entwicklung, die strengst geheim entwickelt und gebaut wurde und genutzt wurde zur Absetzbewegung:

Dann gab es noch einige weitere U-Boote eines völlig neuen Dreitausend-Tonnen Typs, die über zwei Turbinensätze (á 12.000 PS) als Antrieb verfügten und 50 Mann Besatzung hatten. Sie waren unter strengste Geheimhaltung gestellt, da sie nicht mit den bisher verwendeten Mitteln betrieben wurden.

Mit den frei arbeitenden Schiffsschrauben machte der neue Bootstyp unter Wasser 75 Seemeilen (138 km/h), und mit Hilfe des zurückgewonnenen Sauerstoffs war es sogar möglich, jahrelang unter Wasser zu fahren

( Da es aber wie erwähnt streng geheim war, wird es dazu nirgendwo mehr Unterlagen geben, die info darüber stammt von Augenzeugen)

Verladung des Walther U-Boots " U-1406" auf den Transporter " USS Shoemaker" am 14. September 1945
Verladung des Walther U-Boots “ U-1406″ auf den Transporter “ USS Shoemaker“ am 14. September 1945
U-1407 nach der Überführung in einen englischen Trockendock. Beide Abbildungen aus: Erhard Rössler u. Fritz Köhl, Vom Original zum Modell. U-Boottyp XVII. Walther U-Boote, Bernard & Graefe, Bonn 1995
U-1407 nach der Überführung in einen englischen Trockendock.
Beide Abbildungen aus: Erhard Rössler u. Fritz Köhl, Vom Original zum Modell. U-Boottyp XVII. Walther U-Boote, Bernard & Graefe, Bonn 1995
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