Jahrtausende fuhr der Mensch mit dem Verdrängungsschiff zur See, für das bei allen Geschwindigkeiten das archimedische Prinzip gilt. Beim Verdrängungsschiff wird selbst bei geschicktester Formgebung und günstigster Verdrängungsverteilung ein beträchtlicher Teil der Antriebsleistung zur Erzeugung und Unterhaltung der Wellenbildung um das Schiff und durch die Oberflächenreibung des Wassers an der Außenhaut verbraucht.
So entstand schon im 19. Jahrhundert die Idee, den Bootskörper bei entsprechenden Fahrstufen durch separate Unterwassertragflügel völlig aus dem Wasser herauszuheben und damit der Einwirkung des Wassers zu entziehen.
Da die Dichte des Wassers die der Luft um das 800fache übertrifft und der Auftrieb von Tragflügeln der Dichte des Mediums proportional ist, können die Abmessungen der Tragflügel im Vergleich zu Flugzeugen sehr klein gehalten werden.
Weil sich so nur ein kleiner Teil des Fahrzeugs ( Tragflügel und Propeller) Unterhalb der Wasseroberfläche befindet, werden Verdrängung und Reibwirkungswiderstand deutlich verringert, so dass die Tragflügelboote dadurch schon bei verhältnismäßig kleinen Antriebsstärken bis zu 90Km/h ( 48 Knoten) erreichen können.

Der Durchbruch zur Entwicklung der Tragflügelboote gelang dann Ende der dreißiger Jahre in Deutschland durch die Arbeiten von Sachsenberg, von Schertel und Wendel. Hinzu kam noch das Tragflügelsystem von Tietjens.

Nach Kriegsausbruch wurde eine Reihe von Entwürfen für Tragflügelboote als Marine- und Heeresaufträge vergeben und in den verschiedensten Größen und Typen bestellt.
Es sollten je nach Typ für unterschiedlichste Aufgaben eingesetzt werden: Schärenwachtboot in Norwegen, taktischer Transporter und Kampfboot im Mittelmeer, Schnellboot, Sprengboot oder Landungsboot.

Das 1942 vom Oberkommando der Marine ( OKM) in Auftrag gegebene Sachsenberg- Tragflügelversuchs-Torpedoschnellboot “ VS 10 “ war dabei so fortschrittlich, dass es selbst heute noch als richtungsweisend bezeichnet werden kann.

Trotz des Aufwandes großer Mittel und eifrigster Bemühungen der Kriegsmarine und des Heeres kam kein Boot mehr zum Fronteinsatz, obwohl mehrere Einheiten bei Kriegsende zur Probefahrt fertig waren.
Lediglich im Polizeieinsatz in Norwegen wurden die Tragflügel-Schärenwachtboote kurzzeitig eingesetzt.

Bei Kriegsende hatte die deutsche Tragflügelboottechnologie einen monopolartigen Stand erreicht.
Gerade wegen der Typen- und Größénvielfalt der deutschen Tragflügelbootentwürfe konnten viele wertvolle Erfahrungen gewonnen werden, die sich nach der Wegnahme der deutschen Patente und Entwürfe in späteren Entwicklungen bei den Siegermächten in Ost und West niederschlugen.

Die Amerikaner nahmen ab 1955 ihre eigene Tragflügelbootentwicklung auf dem militärischen Sektor mit großen Einsatz auf.
Wieder fällt als Datum das Jahr 1955 ins Auge, das auch für andere deutsche Technologieübernahmen durch die USA eine Rolle spielte.

Auf militärischem Gebiet sind Tragflügelboote heute aus Kostengründen fast vollständig aus der Mode gekommen und trotz der erreichbaren enormen Geschwindigkeiten gegen einfachere Fahrzeuge ausgetauscht worden.

Statt dessen werden Tragflügelboote fast ausschließlich zum Transport von Fahrgästen wie zum Transfer zwischen Insel-Gruppen eingesetzt. Vereinzelt fahren sie auch auf Binnengewässern ( In Russland z.b.)

Heute kommen meist amerikanische oder in amerikanischer Lizenz in China gefertigte Boeing “ Hydrofoils“ zum Einsatz.
Ebenfalls große Verbreitung haben die russischen und ukrainischen Typen “ Woschod“ und “ Kulchida“ gefunden.
Alle Typen gehan auf erbeutete deutschen Technologie zurück.
Die deutsche Bundesmarine gab 1963 ein Tragflächenversuchsboot in Auftrag.
1967 wurde der Bau eingestellt und später abgebrochen. Auch ein späteres Gemeinschaftsprojekt der deutschen, amerikanischen und italienischen Marinen wurde deutscherseits nicht verwirklicht. ( 1)(2)

Das kann man wahrlich ein schmähliches Ende bezeichnen.

Fußnoten:
1.) Harald Fock, Schnellboote, Bd.2, Köhlers Verlagsgesellschaft, Hamburg 1974, S. 131-146
2.) Hans Jürgen Witthöft, Lexikon zur deutschen Marinegeschichte, Bd.2, Köhlers Verlagsgesellschaft, Hamburg 1978, S.106

"Designed by Boeing Aerospace Group" ? Ein Vergleich der Tragflügelschnellboote Sachsenberg VS 10 1944 und---
„Designed by Boeing Aerospace Group“ ?
Ein Vergleich der Tragflügelschnellboote Sachsenberg VS 10 1944 und—
..Boeing PGH-1 " Tucumcari" (1969) zeigt, was wirklich geschah.
..Boeing PGH-1 “ Tucumcari“ (1969) zeigt, was wirklich geschah.
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