Der Tonschreiber B
Der Tonschreiber B

Die Einführung des Magnetbandaufnahmegeräts führte zu einem radikalen Wandel auf den Gebieten des Radio- und Aufnahmetechnologie. Töne konnten nun aufgenommen, gelöscht und wieder aufgenommen werden, alles auf demselben Band und so oft man wollte. Geräusche konnten mit minimalem Qualitätsverlust von Band zu Band kopiert werden. Das Aufgenommene konnte hinterher präzise geschnitten und wieder verbunden bearbeitet werden.
Diese Technologie stellte zwischen 1950 und 1980 die Grundlage für nahezu die gesamte kommerzielle Aufnahmetechnik dar und fand erst im Laufe der achtziger Jahre in den digitalen Aufnahmetechniken würdige Nachfolger.

Die Magnetbandtechnologie wurde in den dreißiger Jahren von deutschen Audioingenieuren erfunden, die auch die Technik der Ausschaltung von Nebengeräuschen entdeckten. Einige Exemplare der damals “ Magnetofon“ genannten AEG-Geräte fanden bei Kriegsberichterstattern während des Zweiten Weltkrieges erfolgreiche Einsätze, und auch in Peenemünde ließ man bereits Raketendaten mit Hilfe von Magnetbändern speichern.

1934 war es deutschen Audioingenieuren, die mit Magnetbändern arbeiteten, auch gelungen, die Stereoaufnahmetechnik zu entwickeln. Die Einzelheiten über dieses “ Stereophon“ von Dr. Carl Becker veröffentlichte die CIOS in ihrem Bericht XXVI-46. Die Allierten konnten von solchen Entwicklungen bis dahin nur träumen, das US-Tonband war dem deutschen System hoffnungslos unterlegen.

Als die Amerikaner nach der deutschen Kapitulation ihre Beute sicherten, war ihnen auch das AEG-Magnetofongerät in die Hände gefallen.

Richard H. Ranger, im Zivilberuf Inhaber der Firma Ranger Tone in New Jersey, brachte ein solches Modell ( Magnetofon) in die Vereinigten Staaten und ließ es anfänglich in den Laboratorien des Signal Corps in Fort Monmouth in New Jersey. Nach seiner Demobilisierung im Oktober 1946 führte er das Magnetofon im Handelsministerium bei einem Treffen des Instituts der Radioingenieure vor.

Bald war allen klar, dass das Magnetofon die erste wirkliche neue Entwicklung auf dem Gebiet der Tonaufnahmen und Wiedergabe seit 20 Jahren war.

Sofort stürzten sich mehrere Firmen auf das aus Deutschland mitgenommene Gerät. Den Heimvorteil hatte aber Richard H. Ranger von der Firma Ranger Tone, der bereits im Mai 1947 ein Vorproduktionsmodell “ seines Magnetrekorders “ hergestellt hatte und sich “ der Einfachheit halber “ darauf beschränkte, das wiederzugeben, was die Deutschen vorgemacht hatten. Ranger ging davon aus, dass der Magnetrekorder die große Aufgabe auf dem Weg zur Nachkriegsrekonstruktion der amerikanischen Industrie war, und hoffe, ihn binnen eines Monats auf den Markt bringen zu können.

Das Magnetband für den neuen Ranger Tone-Rekorder wurde von der Firma Audio Devices unter William C. Speed hergestellt. Nach einem Jahr Testzeit, während der er auch seine persönliche Reise nach Deutschland unternommen hatte, war Speed soweit. Nun konnte er stolz von der Massenproduktion “ seines “ Magnetbands unter dem Namen “ Audio-Tape“ berichte, das auch an andere Gerätehersteller, Rundfunkstudios und die Öffentlichkeit durch autorisierte Verteilungsstellen verkauft wurde.

Das Magnetband revolutionierte die Aufnahmetechnik in der Folgezeit. Es ermöglichte es der Radioindustrie, erstmals viele Programmteile im voraus aufzunehmen und als Aufzeichnungen zu senden, die bisher live präsentiert werden mussten. Nun wurden auch die Schaffung und Vervielfältigung komplexer Hochqualitätsaufnahmen von stundenlanger Dauer über ganze Programme durchführbar. Das Magnetband gestattete auch die ersten Tonaufnahmen, die vollständig synthetisch durch elektronische Mittel hergestellt wurden.

Bis zur Erfindung der digitalen Tonaufnahme und der Kompaktdisk im Jahre 1983 war das Magnetband die Grundlage für Weiterentwicklungen und Verfeinerungen amerikanischer und später auch japanischer Elektronikfirmen.

Noch etwas zur “ Entdeckung “ des Magnetbandes durch die Amerikaner:

Sogar noch bevor die deutschen Grenzen erreicht wurden, begannen die faszinierenden Entdeckungen, einschließlich einer, mit der jeder Amerikaner vertraut ist: das Tonband. Der Artikel in Harper’s vom Jahre 1946 zeigt den Direktor der Abteilung des technisch-industriellen Nachrichtendienstes in fast komischer Aufregung, wo er ein braunes, papierähnliches Band von einer Spule zog. Es war 6,5 Millimeter breit, mit einer matten Seite und einer glänzenden Seite. „Das ist Magnetophonband,“ sagte er begeistert. „Es ist aus Kunststoff, auf einer Seite mit Eisenoxyd metallisiert. In Deutschland ersetzte das Aufnahmen mit dem Phonographen. Das Radioprogramm eines Tages kann auf einer Spule magnetisiert werden. Dann kann man es entmagnetisieren, es löschen, und ein neues Programm jederzeit wieder aufnehmen. Keine Nadel, kein Geräusch oder Abnutzung. Ein Einstundenband kostet 50 Cent.“

In seinem Buch A Short History of Recording and Its Effects Upon Music zeigt Michael Chanan auf, daß bereits in den späten 1920ern, ein Fritz Pfleumer ein Tonband aus Kunststoff entwickelt hatte. Es wurde von der BASF im Jahre 1934 industriell hergestellt und in Umlauf gebracht. Die Idee gründete sich auf den Filmstreifen und wurde ursprünglich für Diktierzwecke in Büros angewendet. In England wurde von dem großen Radiogenie Guglielmo Marconi ein Projekt gegründet, um den gleichen Zweck erreichen. Am Tag der Invasion spielten die Amerikaner laute Kampfgeräusche von Tonbändern an verschiedenen Örtlichkeiten ab, um die deutschen Verteidiger zu verwirren….

Aber der große Sprung vorwärts kam, als ein A.M. Poniatoff, der der Präsident der kleinen Firma Ampex in Kalifornien war (ein Handelsname, den die ältere Generation noch kennt) und damals eine U.S. Armeeuniform trug, dabei half, Ende 1944 das deutschbesetzte Radio Luxemburg zu erobern. Poniatoff erkannte augenblicklich die Goldmine an Gewinnen und Qualität, die das Magnetophon bot und veranlasste die 3M Company, eiligst das neue Band in die amerikanische Produktion einzuführen, und es riß die Unterhaltungsindustrie von Los Angeles mit sich.

Sein größter Durchbruch kam 1947, als Bing Crosby es zum erstenmal benutzte, um seine Unterhaltungssendungen aufzunehmen. Der Jazzsänger zog nicht nur den Klang der Magnetophon-Aufnahmen vor, sondern investierte auch stark in Ampex. Später wurden die Filmtonaufnahmen ebenfalls auf Tonband aufgenommen. Damit verbesserte sich ebenso die Leistungsfähigkeit des Mischpults und Dubbing und die ärgerliche Panne wurde vermieden, wenn eine erfolgreich fertiggestellte Filmszene noch einmal aufgenommen werden mußte, wenn Tonfehler auftraten. Ampex führte später, im Jahre 1956, die ersten Videoaufnahmegeräte ein, die heute nur noch eine Erinnerung sind.

( Wie man sieht, kam es auch vor, das 2 Firmen das gleiche Patent stahlen und jeweils als eigenes verkauften)

BIOS Bericht Nr. 951 über das deutsche Magnetofon
BIOS Bericht Nr. 951 über das deutsche Magnetofon

 

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