Luftbild der Massengräber von Katyn.
Luftbild der Massengräber von Katyn.

Die Russen, deren Diktator Stalin seine eigenen Kriegsgefangenen verleugnete, neigten dazu, ihrem Hass auf die Deutschen freien Lauf zu lassen und den Soldaten das Menschsein abzusprechen. Die Chance für einen Deutschen, die russische Gefangenschaft zu überleben, betrug fünfzig zu fünfzig. Von 3,155 Millionen Kriegsgefangenen kehrten 1,1 Millionen nicht mehr zurück.
In 150 offiziellen Lagern, in Wirklichkeit gab es über 3.000, wurden die Gefangenen bis 1955 interniert und ausgebeutet. Unter den schlechtesten Bedingungen, ungenügende Verpflegung, Unterkunft und Bekleidung, fast keine ärztliche Versorgung, mussten die Gefangenen schwere Arbeiten verrichten. In Bergwerken, bis 600 Meter unter Tage, herrschten unmenschliche Bedingungen. Bei Holzfällarbeiten, die Gefangenen in Lumpen gehüllt, ohne Handschuhe und festes Schuhwerk, mussten jeden Tag von vier Männern 24 Kubikmeter Holz geschlagen und gespalten werden. Als Zugtiere für den Abtransport benutzten die Russen die so genannten „Stalinpferdchen“, Gefangene als Zugtiere vor Schlitten und Karren.

Bis zur Schlacht um Stalingrad gab es in der Sowjetunion etwa 30.000 Gefangene. Nach der Kapitulation durch General Paulus Anfang 1943 traten über 92.000 Soldaten den Weg nach Sibirien in die Gefangenschaft an. Von diesen kehrten nur 6.000 heim und sahen die Heimat wieder. 150.000 Soldaten waren bereits während der Kämpfe gefallen oder an Kälte und Hunger gestorben.
Trotz vermehrtem Druck der Westalliierten war Stalin nicht bereit, sich zur Haager Landkriegsordnung zu bekennen. Die Genfer Konvention hatte Stalin 1929 nicht unterzeichnet. So war der Weg frei für die rücksichtslose Ausbeutung der Gefangenen. Mehrere hunderttausend überlebten die Todesmärsche bis zur Bahnstation nicht, Zigtausend erfroren in den offenen Güterwagen auf dem Weg nach Sibirien oder kamen infolge Hungers und Krankheit nicht ans Ziel.

Ab Juni 1941 begann das Schicksal, das Leiden, das Sterben und auch die Verbrechen an deutschen Soldaten und gegen die Gefangenen.
Juni 1941. Deutsche Soldaten fanden in dem GPU-Gefängnis in Lemberg Tausende von Volksdeutschen erschossen und verstümmelt auf. Männer und Frauen hingen, an Händen und Füßen gefesselt, an einem Metallhaken, der unterhalb des Kinns in den Hals eingedrungen war. Ein Teil der Häftlinge lag im Keller des Gefängnisses, enthauptet. An den Wänden hingen gekreuzigte schwangere Frauen, die Körper waren aufgeschlitzt, die werdenden Kinder aus den Leibern herausgerissen. Anderen Leichen waren die Augen ausgestochen und die Zungen abgeschnitten. Viele Leichen wiesen durch Daumenschrauben zerquetschte Finger auf. Ein in Gefangenschaft geratener SS-Angehöriger wurde von den Russen an einem Baum aufgeknüpft, sechzehn weitere SD-Männer misshandelt und verstümmelt, indem ihnen Ohren und Zungen abgeschnitten und auf die Brust genagelt wurden.

Vor Rowno wurden deutsche Soldaten einer Kompanie eines Württembergisch-Badischen Regiments nach der Gefangennahme getötet. Die Toten wiesen Bajonettstiche auf. Geschlechtsteile, Nasen und Ohren waren abgeschnitten, die Augen ausgestochen, die Schädel skalpiert. Anderen war das Herz herausgeschnitten, in das Brustloch war ein Frauenbildnis gesteckt.
Vor dem Einmarsch der deutschen Truppen in Minsk töteten die Bolschewisten deutsche Kriegsgefangene durch Genickschuss. Vier Angehörige der deutschen Luftwaffe wurden im NKWD-Gefängnis von Minsk totgeschlagen. Nördlich Dünaburg wurden zwanzig Soldaten und Offiziere des Heeres nach der Gefangennahme getötet. Sie wiesen zahlreiche Stichwunden auf. Die Augen waren ihnen ausgestochen, die Zungen und Geschlechtsteile abgeschnitten. In Bessarabien wurden fünf in Gefangenschaft geratene deutsche Soldaten von einem Suchkommando tot aufgefunden. Dreien war die Zunge herausgeschnitten, allen fünf war der Sowjetstern in die Brust eingeschnitten. Deutschen Frauen und Männern wurden auf dem Bahnhof Husiatyn (UdSSR) von Russen die Geschlechtsteile herausgeschnitten und die Augen ausgestochen. Nördlich der Rollbahn nach Kiew wurde ein deutscher Melder, der in die Hände der Russen fiel, tot und verstümmelt aufgefunden. Ohren und Zunge waren abgeschnitten. In russische Gefangenschaft geratene deutsche Soldaten wurden an Bäume gefesselt und durch Abschneiden der Geschlechtsteile, Zungen und Ohren verstümmelt. In einem wieder eroberten Dorf nördlich Dünaburg wurden zwanzig Angehörige einer Wehrmachtseinheit aus dem Dorfteich geborgen. Sie wiesen teils Schnittwunden am Hals auf, teils waren die Geschlechtsteile abgeschnitten.

Zivile Opfer

Polen, Baltikum, Weißrußland, Ukraine, Bessarabien

Das Leiden der Zivilbevölkerung in den sowjetisch besetzten Gebieten begann mit der praktischen Umsetzung des Deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes, als Polen zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion aufgeteilt und Ostpolen 16 Tage nach dem Angriff der deutschen Wehrmacht von sowjetischen Truppen besetzt wurde. In der Folge kam es zu politisch begründeten Terrorakten gegen die Zivilbevölkerung, die sich aus Polen, Ukrainern und Juden zusammensetzte. Hierbei arbeiteten das NKWD und die Rote Armee zusammen. So versuchten viele Polen, dem Zugriff des sowjetischen NKWD zu entkommen, wurden jedoch meist von sowjetischem Militär verhaftet und anschließend deportiert. Operationsgruppen, die direkt der Armee unterstanden, folgten dem Heer, um das Gebiet von „sowjetfeindlichen Elementen zu säubern“. Der polnische Historiker Tomasz Strzembosz erkannte in diesen Einheiten Parallelen zu den deutschen Einsatzgruppen der SS. ( Der Historiker kennt natürlich nur die Politisch Korrekte Geschichte.)

Auch im Baltikum, in Weißrußland, der Ukraine und Bessarabien kam es zu zahlreiche Verbrechen gegen die Bevölkerung: Morde, Geiselnahmen, Niederbrennen von Dörfern, Deportationen, Erschießungen und Folterungen. Der daraus entstandene Haß der Bevölkerung auf die sowjetischen Truppen spielte wiederum den deutschen Einsatzgruppen der SS in die Hände, die nun ihrerseits – mit Unterstützung der Bevölkerung – gegen sowjetische Gegner vorgehen konnten.

1941 begann der deutsche Präventivkrieg gegen die Sowjetunion. Während des sowjetischen Rückzuges im Sommer 1941 vor herannahenden deutschen Truppen kam es zu zahlreichen Massenerschießungen politischer Gefangener meist ukrainischer, polnischer und baltischer Nationalität in den Westgebieten der Sowjetunion. Zumeist wurden alle politischen Gefangenen, die nicht mehr rechtzeitig deportiert werden konnten, in den Gefängnishöfen durch Kräfte der Roten Armee und des NKWD ermordet. So wurde beispielsweise im Hof des Zivilgefängnisses von Winniza ein Massengrab mit 96 Leichen ukrainischer politischer Gefangener entdeckt (Massaker von Winniza).

Flucht und Vertreibung der Zivilbevölkerung

Als sich im Oktober 1944 die Front der Ostgrenze des Deutschen Reiches näherte, flohen die Zivilisten aus berechtigter Angst vor der Roten Armee gen Westen. Die einsetzende Massenflucht verlief ungeordnet, chaotisch und panisch. Flüchtlingszüge wurden in vielen Fällen von Einheiten der Roten Armeen eingeholt, daraufhin geplündert, die Flüchtenden weggetrieben, erschossen und die Frauen vergewaltigt. Jagdflieger der sowjetischen Luftwaffe drangen viele Kilometer hinter die Front und nahmen die Flüchtlingstrecks unter Beschuß.
Ende Januar 1945 wurden in Ostpreußen 2,5 Millionen Flüchtlinge von der Roten Armee eingeschlossen und sollten nun per Schiff über die Ostsee evakuiert werden.

Wer nicht floh, erlitt die Schrecken der Besatzungsherrschaft: Vergewaltigung, Raub und Vertreibung.

Der letzte Witz, den die Ostprovinz hervorbrachte, betraf den Plünder- und Demoliereifer der Russen: „Wenn sie unser Mobiliar in Ruhe lassen würden, könnten sie längst in Berlin stehen.“

Militärische Angriffe auf zivile Ziele

Die sowjetische Führung behandelte Lazarettschiffe, Verwundetentransporter sowie Flüchtlingsschiffe wie militärische Ziele.Von ca. 800 bis 1.000 Schiffen wurden über 200 versenkt, über 40.000 Zivilisten und Soldaten kamen ums Leben.

Bei den Versenkungen der drei größten Schiffe, „Wilhelm Gustloff“, „Steuben“ und „Goya“ handelte es sich um Kriegsverbrechen.

Behandlung von Kriegsgefangenen

In den ersten beiden Jahren nach Beginn des Angriffes auf die Sowjetunion kamen über 90 Prozent der gefangenen Soldaten der Achsenmächte ums Leben. So wurden beispielsweise 1941 notgelandete deutsche Flugzeugbesatzungen häufig nach der Gefangennahme erschossen. Folterungen, Verstümmelungen, Morde und andere Völkerrechtsverletzungen waren seit Juni 1941 an der Tagesordnung. Seit dem Winter 1941/42 nahm die Rote Armee jeden Monat etwa 10.000 deutsche Soldaten gefangen, die Todesrate lag jedoch so hoch, daß die absolute Zahl der Gefangenen bis Ende 1942 zurückging.Die Ermordung der Gefangenen wurde mitunter durch Befehle, Berichte und Aussagen von sowjetischen Befehlshabern angeordnet. „Gefangene Offiziere wurden alle ohne Ausnahme erschossen“, hieß es in der Niederschrift eines Rotarmisten. Einer der frühesten bekannt gewordenen Fälle von Gefangenentötungen war das Massaker von Broniki, das sich am 1. Juli 1941 ereignete. Die Todesrate verringerte sich Anfang 1943, als mit zunehmender Gefangenenzahl die Etablierung eines Systemes zur Versorgung der Kriegsgefangenen notwendig und schließlich durchgesetzt wurde. Dennoch kam es immer wieder zur massenhaften Ermordung von Kriegsgefangenen direkt im Anschluß an die Gefangennahme noch vor der Weiterleitung in ein Gefangenenlager. Besonders bekannt wurde hierbei das Massaker von Grischino.

Nach Aufzeichnungen des Geheimdienstes NKWD wurden 3.127.380 deutsche Kriegsgefangene registriert, von denen 474.967 gestorben seien.

Nach anderen Schätzungen starben zwischen 1,1 und 1,3 Millionen deutsche Soldaten in sowjetischer Kriegsgefangenschaft (33–42 %). Als die in Schweden internierten Wehrmachtssoldaten die Nachricht erhielten, an die Sowjetunion überstellt zu werden, kam es in den Lagern zu Selbstverstümmelungen und Suiziden.

„[Wir] fanden vier deutsche Soldaten in einem Weidegarten unweit eines Hauses mit Stacheldraht zusammengebunden, und es waren ihnen die Gliedmaßen abgeschnitten, es war ein entsetzlicher Anblick.“

Ungarische Kriegsgefangene wurden massenhaft exekutiert. Von 200.000 als vermißt geltenden Soldaten starben die meisten in sowjetischer Kriegsgefangenschaft.

Mehrere zehntausend japanische Kriegsgefangene starben in sowjetischer Kriegsgefangenschaft, insbesondere durch extrem harte Zwangsarbeit in sibirischen Minen.

Sonstige Verstöße gegen das Völkerrecht

Angriffe auf Sanitätseinheiten

Auch Sanitätspersonal wurde von Rotarmisten angegriffen. Beispielsweise wurde am 28. Juni 1941 in der Gegend von Minsk eine deutlich gekennzeichnete Kolonne des Krankenkraftwagenzuges 127 überfallen und ein Großteil der Verwundeten und des Sanitätspersonales getötet. Des weiteren findet sich in einem Gefechtsbericht, der vom „heißen Wunsch, viele von den faschistischen Reptilien zu vernichten, beseelt“ war, auch die Eintragung: „Ein Sanitätsfahrzeug mit 2 Pferden und 10 verwundeten Faschisten vernichtet.“ Der politische Leiter der 1. Kompanie meldete am 5. September 1941: „1 Sanitätsabteilung zerschlagen.“

Anzündung des Lazarettes in Buda Nach der Eroberung von Budapest sind sowjetische Soldaten in das Lazarett im Burg von Buda eingedrungen, haben Benzin in die Räume gegossen und das ganze Gebäude samt Insassen niederbrannt.

Völkerrechtswidrige Zerstörung von Städten und Gebäuden

Viele Städte und Dörfer, vor allem in Ostpreußen, wurden nach der meist kampflosen Einnahme durch plündernde sowjetische Soldaten in Brand gesteckt. Orte wie Osterode, Angerburg, Arys, Lauenburg und Demmin können hier als Beispiele angeführt werden. Der Bevölkerung wurde in manchen Fällen (Demmin) untersagt, den Brand zu löschen. In der Regel überstanden in der Innenstadt nur wenige Gebäude das Inferno.

Die sächsische Stadt Altenberg wurde am 8. Mai durch die Roten Armee besetzt, dann aber am 10. Mai niedergebrannt. Zwei Tage nach Kriegsende flogen sowjetische Flugzeuge einen Angriff auf die Stadt, bei dem 75 % der Bausubstanz zerstört wurden. Wahrscheinlich galt der Angriff den über die böhmische Grenze fliehenden Truppenteilen der Wehrmacht. Offiziell kamen mehr als 100 Zivilisten ums Leben.

Plünderungen

Walter Kilian, nach Kriegsende erster Bürgermeister des Berliner Stadtteiles Charlottenburg, berichtete, daß es zu umfangreichen Plünderungen durch sowjetische Soldaten gekommen sei, die „Einzelpersonen, Kaufhäuser, Geschäfte, Wohnungen […] beraubten“. Auch die Gebiete außerhalb Berlins waren von den Plünderungen betroffen. Durch die Plünderungen und Zerstörungen und den daraus entstehenden Mangel an Nahrung, Medikamenten und Heizmöglichkeiten starben vor allem Alte, Kranke und Kinder an Hunger, Infektionen und Kälte.

In der Sowjetischen Besatzungszone äußerten SED-Parteimitglieder Stalin gegenüber Bedenken gegen Plünderungen und Vergewaltigungen durch sowjetische Soldaten. Auf die deutschen Sorgen wegen der möglicherweise resultierenden negativen Folgen für das Ansehen der Sowjetunion und damit einhergehend für den Sozialismus in Deutschland reagierte Stalin ablehnend mit den Worten: „Ich dulde nicht, daß jemand die Ehre der Roten Armee in den Schmutz zieht.“

In Polen beteiligten sich Rotarmisten gemeinsam mit Angehörigen des NKWD an Ausplünderungen von Transportzügen.

Verbrechen an den eigenen Soldaten

Auch das Leben der eigenen Leute galt den Bolschewiken sehr wenig. Es wurden eigene Sperreinheiten aufgestellt, die nur die Aufgabe hatten, fliehende Soldaten der Roten Armee niederzumetzeln. Es kam auch zu geplanten Bombardierungen von gefangenen Rotarmisten in deutschen Lagern, da es in jedem Fall als Verbrechen galt sich zu ergeben.

Anstachelung durch die sowjetische Propaganda

Mitverantwortlich für Ausschreitungen der sowjetischen Armeeangehörigen war die Propaganda sowjetischer Truppenzeitungen. Dort wurde detailliert über Greueltaten an der sowjetischen Zivilbevölkerung, vor allem an Frauen und Kindern berichtet. Der generelle Tenor der Schriften war, daß die Rote Armee als Rächer und Richter nach Deutschland kam, um „die Deutschen“ zu bestrafen. So schrieb der russische Schriftsteller Ilja Ehrenburg am 31. Januar 1945:

„[Im Unterschied zu den Westdeutschen] wurden die Deutschen in Oppeln, in Königsberg und in Breslau schon bestraft. Sie wurden bestraft, aber nicht genügend. Sie wurden bestraft, aber nicht alle.“

Aufrufe von sowjetischen Generälen spornten die Soldaten zusätzlich an. Am 12. Januar 1945 wandte sich Armeegeneral Tschernjachowski mit den Worten an seine Truppen:

„Gnade gibt es nicht – für niemanden, wie es auch keine Gnade für uns gegeben hat. […] Das Land der Faschisten muß zur Wüste werden, wie auch unser Land, das sie verwüstet haben. Die Faschisten müssen sterben, wie auch unsere Soldaten gestorben sind.“

Unter dem Begriff „Faschisten“ wurden laut dem Historiker Joachim Hoffmann immer Deutsche verstanden.

Die Werke Ilja Ehrenburgs, die einen bisweilen eliminatorischen Deutschen-Haß verbreiteten, waren Pflichtbestandteil des Marschgepäckes der Rotarmisten. Zusätzlich wurden Armeezeitungen oder auch Kampflieder verbreitet, die ähnliches zum Inhalt hatten. Übergriffe auf die Zivilbevölkerung wurden geduldet und durch Propagandisten wie Ehrenburg gebilligt. Auf eine Beschwerde eines Offizieres bezüglich der Übergriffe auf die Zivilbevölkerung reagierte Stalin teilnahmslos:

„Wir machen unseren Soldaten zuviel Vorschriften; sollen sie doch etwas eigene Initiative haben.“

Erst als sich abzeichnete, daß insbesondere die durch erbeuteten Alkohol verursachten Übergriffe die militärische Disziplin in Gefahr geriet, wurden Gegenmaßnahmen ergriffen.

Strafverfolgung durch Militärgerichtsbarkeiten

Die sowjetischen Tagesbefehle, die zu Beginn der sowjetischen Winteroffensive 1945 herausgegeben wurden, enthielten im Wortlaut weder gegen die Zivilbevölkerung gerichtete Tötungsaufforderungen noch finden sich explizite Aufrufe zu anderen Völkerrechtsverstößen. Derartige Disziplinarverstöße wurden teilweise ausdrücklich unter Strafe gestellt. Allerdings wurden die Soldaten mitunter aufgefordert, sich für das Leid der sowjetischen Zivilbevölkerung und der eigenen Soldaten „grausam zu rächen“.

In einem von Schukow erlassenen Tagesbefehl der 1. Weißrussischen Front zu Beginn der Winteroffensive 1945 heißt es nach einem emotionalen Racheappell:

Wehe dem Land der Mörder! […] Diesmal werden wir das deutsche Gezücht endgültig zerschlagen!

Demgegenüber drohte Rokossowski in einem Tagesbefehl vom 22. Januar 1945, solche Verstöße „bis hin zum Erschießen zu ahnden“, um in kürzester Frist „mustergültige Ordnung und Disziplin“ herzustellen sowie um materielle Werte zu schützen. Dieser Befehl war als streng geheim eingestuft und mußte bis zu den Zugführern mündlich übermittelt werden, das heißt, er war nicht für öffentliche Propagandazwecke bestimmt. In einer durch Wehrmachtsdienststellen erbeuteten Detailanweisung des Militärstaatsanwaltes eines Armeeverbandes vom 23. Januar 1945 wurde gefordert, schnell einige Schauprozesse gegen Schuldige durchzuführen. Der militärische Justizdienst wurde angewiesen, Disziplinlosigkeit und ausdrücklich auch das „Niederbrennen von Gebäuden und Ortschaften“ als „staatsfeindliche Handlungen“ zu verfolgen. Außerdem seien Repressalien gegen die Zivilbevölkerung und insbesondere der Waffeneinsatz gegen Frauen und Kinder als „in der Roten Armee nicht üblich“ zu bestrafen.

Mitte 1947 versuchte die Führung der Roten Armee, das Problem weiter einzudämmen, dabei reichten die Strafen von Arrest bis zur Hinrichtung. Die Rote Armee wurde räumlich von der Wohnbevölkerung getrennt. Im März 1949 schließlich erließ das Präsidium des Obersten Sowjets einen Erlaß, der das Strafmaß vereinheitlichte und erhöhte. Die sowjetischen Besatzungstruppen wurden instruiert, daß die neuen Gesetze auch für sie gelten. Eine Vergewaltigung zog zwingend eine Strafe von 10 bis 15 Jahren Arbeitslager nach sich, schwere Fälle eine Strafe von 10 bis 20 Jahren.

Die sowjetische Führung war der Genfer Kriegsgefangenen-Konvention von 1929 nicht beigetreten. Auch erkannte die sowjetische Führung den Beitritt des Zarenreiches zur Haager Landkriegsordnung nicht als bindend an. Dennoch wurden regelmäßig auch Regierungen oder Armeeführungen zur Verantwortung gezogen, die sich nicht völkerrechtlichen Grundsätzen verpflichtet hatten. Und obwohl sich das Völkerrecht seit Ende des Ersten Weltkrieges erheblich weiterentwickelt hatte und es Beispiele für eine internationale Strafverfolgung von Kriegsverbrechen gab (Leipziger Prozesse, Nürnberger Prozesse), wurde von einer internationalen Militärgerichtsbarkeit gegen die sowjetische Armeeführung zu keiner Zeit Anklage erhoben.

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