Container auf Breitspureisenbahn
Container auf Breitspureisenbahn

Die Verwendung von Containern hat den modernen Gütertransport und den nationalen und internationalen Handel revolutioniert und ist aus der globalen Wirtschaft nicht mehr wegzudenken. Abgesehen von Massengütern wie Weizen oder Öl, die geschüttet oder gepumpt werden, wird der Großteil der Waren in etwa 15 Millionen Cintainern transportiert, die international genormt sind und rund 6 Meter lang, 2,44 Meter breit und 2,6 Meter hoch sind. In speziell gebauten Umschlageinrichtungen ( Containerhäfen, Containerterminals ) werden sowohl See- als auch Binnenschiffe, Eisenbahnen und Lastkraftwagen mit diesen Stahlbehältern beladen, deren Einsatz den Handel besonders deshalb so rationell und effizient gemacht hat, weil sie standardisiert, leicht stapelbar sowie Lade-, Transport- und Lagereinheit zugleich sind.

Der englische Name dieses Transportbehälters ( = Behälter ) leitet sich vom lateinischen Wort “ continere “ ( = enthalten, zusammenhalten ) ab und suggeriert, dass es sich um eine “ amerikanische “ Erfindung handelt. Das erste Containerschiff stach am 26. April 1956 von Port Newark in New Jersey aus mit 58 Containern in See. Der Eigentümer dieses Schiffes, Malcolm McLean, nahm für sich die Erfindung des Containers in Anspruch.

Er behauptete, die Idee des standardisierten Transportcontainers sei ihm in den 1930er Jahren gekommen, als er gesehen habe, wie Baumwollballen von einem LKW und dann auf ein Schiff geladen wurden. Daraufhin habe er sich gefragt, ob es nicht wesentlich rationeller und billiger sei, gleich den ganzen LKW zu verladen.
Die Frage, warum er etwa zwanzig Jahre bis zur Umsetzung und Vermarktung seiner Idee benötigt habe, konnte er allerdings nicht beantworten.
Die Erklärung hierfür ist jedoch einfach.

Auch in diesem Fall handelt es sich um eine jener zahlreichen Erfindungen, die in Deutschland erdacht wurden und deren geistiges Eigentum durch die Allierten geraubt und nach dem zweiten Weltkrieg gewinnbringend verwertet wurde.

Unterlagen aus dem Jahre 1942 belegen nämlich, dass schon damals die Idee des stapelbaren Großraumbehälters geboren wurde, die dann in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts von den USA ausgehend weltweit zur Anwendung kam. Die Verkehrsplanungen der Deutschen Reichsbahn berücksichtigten bereits Anfang der 1940er Jahre eine massive Steigerung des Güterverkehrsaufkommens und saher daher den Ausbau eines riesigen Schienennetzes für eine überdimensionale Breitspurbahn vor, das den großeuropäischen Raum zwischen Atlantik und Ural erschließen und verbinden sollte. Die Planungsunterlagen des Reichsbahn-Zentralamtes gehen jedoch nicht allein auf Struktur und Dichtes des neuen Schienennetzes und weitere eisenbahntechnische Details ein, sondern geben ausdrücklich auch über ein revolutionierendes Transportsystem Auskunft: “ Bei der Breitspurbahn wird aber anzustreben sein, statt Gütersüezialwagen für die verschiedenen Güter mehr Spezialbehzälter zu beschaffen und diese als maßgebliche Verkehrseinheit zu bevorzugen. Damit wird dann auch hoffentlich das besonders bei Breitspur schwierige Problem der Zubringung und der Verteilung der Güter gelöst, das heißt die Zusammenfassung vieler kleiner Verkehrseinheiten ( Behälter) auf Normalspur oder Straße. Auch kann daran gedacht werden, den Lastkraftwagen ohne Anhänger selbst als Behälter aufzufassen “

Die deutschen Reichsbahnakten belegen auch bezüglich weiterer Details, wo die geistige Urheberschaft des modernen Transportsystems liegt, und zwar sowohl bei operativen Details wie auch bei strategisch- konzeptionellen Varianten. Hierzu jeweils ein Beispiel: Bei den heutigen nach ISO 668 genormten TEU- Containern ( Twenty Feet Equivalent Unit ) wird exakt dasselbe Behälter- Normgewicht von 25 Tonnen verwendet, das auch für die von den Reichsbahnern geplanten Norm- Containern vorgesehen war.

Und auch der sogenannte “ Huckepackverkehr“ bei dem die Route der Container über verschiedene Transportmedien läuft ( zum Beispiel per Hochseeschiff, Eisenbahn, LKW oder Binnenschiff) und der in den USA 1984 eingeführt wurde, findet sich bereits in einer Niederschrift zweier Reichsbahn- Planer, Oberreichsbahnrat Dr. Günther Wiens vom Reichbahn-Zentralamt in Berlin und Reichsbahnrat Karl Bauer von der Reichsbahnbau- Direktion München, vom 31. August 1942, wobei diese sich der revolutionierenden verkehrstechnischen Auswirkungen dieser Neuerung durchaus bewusst waren: “ Nimmt man jedoch schon jetzt, wo das gewaltige Neue erst in den Plänen entsteht, bei einigen sehr wichtigen Hauptmaßen auf das seit Jahrzehnten als Regelausführung Bestehende gebührend Rücksich, so kann den neuen Verkehrsmitteln mit einem Schlag ein Großteil des zahlen- und wertmäßigen ins Riesenhafte gehenden bissherigen Güterwagenparks Europas sozusagen fast kostenlos in den Schoß fallen. “

Oberreichsbahnrat Dr. Wiens und Reichsbahnrat Bauer hätten sich wohl kaum träumen lassen, dass ihre Pläne einmal vom damaligen Kriegsgegner übernommern, weltweit realisiert und mehr als 75 Jahre später selbst in ihrem Vaterland weitgehend als amerikanische Errrungenschaft angesehen werden würde.

Skizze eines Container Umschlagplatzes von 1940
Skizze eines Container Umschlagplatzes von 1940

 

Rollplattenbehälter "System Weber " der Bundespost von 1949, Modell MBL-3500 für 5 Weber Behälter.
Rollplattenbehälter „System Weber “ der Bundespost von 1949, Modell MBL-3500 für 5 Weber Behälter.
Die Globalisierung des Güterverkehrs mit Container war im europäischen Rahmen für die Nachkriegszeit schon 1942 geplant.  Hier erkennbar an der Abbildung eines 8-achsigen Breitspur-Behälters (Containerwagen für 180 Tonnen Nutzlast und Verladung auf Container/Behälter LKW)
Die Globalisierung des Güterverkehrs mit Container war im europäischen Rahmen für die Nachkriegszeit schon 1942 geplant.
Hier erkennbar an der Abbildung eines 8-achsigen Breitspur-Behälters (Containerwagen für 180 Tonnen Nutzlast und Verladung auf Container/Behälter LKW)
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