Le Tourneaus Überland Train
Le Tourneaus Überland Train

In den fünfziger Jahren machte in den USA ein berühmter Konstrukteur von sich reden: Robert Le Tourneau, der Mann aus Texas, der sich rühmen konnte, die größten Maschinen der Welt zu bauen. Seine riesigen Fahrzeuge können Schiffe aus dem Meer holen, Häuser transportieren, Berge abtragen, und eine Kompanie überschwerer Spezialmaschinen ist im Urwald im Einsatz, um der Landwirtschaft neue Flächen zu erschließen .
Es ist derselbe La Tourneau, dessen gigantische Überland-Trains zahlreiche US-Radarstationen in der Arktis mit Nachschub versorgten. Im Jahre 1955 waren bereits sieben solcher Mammut-Trains im Betrieb.

Dieser Fernlaster mit seinen 3m hohen und fast 1m breiten Mammuträdern brauchte weder Schienen noch Straße.
Er hatte die Kapazität von etwa 20 modernen Fernlastzügen.
Der durch die Arktis brausende Tatzelwurm wurde elektrisch von sämtlichen Rädern angetrieben. Die erste Einheit, der Steuerwagen, glich einem fahrenden Elektrizitätswerk.
Zwei mächtige, je 500 PS starke Dieselmotoren erzeugten über gekuppelte Generatoren elektrischen Strom. Die Energie wurde durch Kabel zu jeder einzelnen Achse des 32-rädrigen Monstrums geleitet. In jeder Nabe des über 80m langen Trains war ein starker Elektromotor eingebaut, der über ein kleines Getriebe das Rad antrieb. Die Treibstofftanks des Steuerwagens umfassten 16.000 Liter Dieselöl, das Gefährt war daher auf keine Tankstelle angewiesen. Jeder der 8, langen Anhänger konnte eine Fracht von über 20 Tonnen aufnehmen. Die Nutzlast dieses Frachters – je nach Zahl der mitgeführten Anhänger – schwankte zwischen 140 und 180 Tonnen. Durch ein besonderes Lenksystem fuhr jeder Anhänger genau in der Spur des Steuerwagens. Der Gigant kam um die schärfsten Kurven und Serpentinen, die ein gewöhnlicher Fernlaster nur mit größten Schwierigkeiten bezwingen konnte. Sogar die Großglocker- Hochalpenstraße oder das Stilfser-Joch hätte dieser Spezialfrachter mit spielender Leichtigkeit bezwingen können. Selbstverständlich war dieser dieselelektrische Tatzelwurm voll geländegängig.

In den fünfziger Jahren wurden damit auch die sensationellen Großtransporter für die Atomwaffen “ Corporal “ und “ Mace “ in Dienst gestellt.

Das Herz all dieser haushohen motorisierten Ungeheuer war das “ elektrische Rad “ mit einem im Zentrum des Rades auf der Achse sitzenden Elektromotor. Jedes Rad hat somit seinen eigenen Antrieb, seine eigene Lenkung und kann auch unabhängig von den anderen Rädern gebremst werden.
Eine Erfindung, die “ eine neue Ära in der Geschichte vom Transportwesen einleite „, wie eine amerikanische Zeitung begeistert berichtete.
Die Begeisterung war verständlich, das “ elektrische Rad“ des Texaners Robert La Tourneau machte in der Nachkriegszeit Furore. Nur hat die verständliche Begeisterung einen kleinen Schönheitsfehler: Die Entdeckung stammte von Prof. Ferdinand Porsche.

Als die Allierten im April 1945 die österreichische Grenze überschritten, verpackte der berühmte Konstrukteur Ferdinand Porsche seine Pläne in verlöteten Blechrollen wasserdicht.
Es kam jedoch nicht mehr zum beabsichtigten Vergraben der Pläne, da man fürchtete, dass die Alliierten gegen Prof. Porsche Repressalien anwenden könnten.

Porsche hatte seinen Betrieb von Zuffenhausen nach Gmünd in Österreich verlagert, und bald nach Kriegsende tauchte dort der amerikanische “ Major “ Frenssen auf, der im Zivilberuf Generaldirekt der General Motors-Werke war. Frenssen war mit den amerikanischen Truppen nach Deutschland gekommen und konnte es gar nicht erwarten, bis Stuttgart besetzt war. Als er dann in das verlassene Werk nach Zuffenhausen kam und erfuhr, dass Porsche mit seinem Konstruktionsbüro nach Gmünd übersiedelt war, führte er ein Kommandogespräch mit seiner vorgesetzten Dienststelle. Mit dem Wagen raste er dann nach Frankfurt zurück, flog mit der nächsten Militärmaschine nach Salzburg und kam dann nach einer längeren Irrfahrt zum Schütt-Gut nach Zell am See.
Frenssen, der Porsche schon von früheren Amerikareisen her gut kannte, hatte den heiklen Auftrag, sämtliche Konstruktionszeichnungen und Patentschriften seines Kollegen Prof. Porsche zu kassieren.
Dies tat der Generaldirektor der General-Motors Werke, der überdies von einem Oberstleutnant des britischen Geheimdienstes begleitet war, mit großen Erfolg.
Dann wurden die Allierten aggressiv.
Im Juli 1945 wurde Porsche in Haft genommen und, obwohl schon siebzig Jahre alt, in Gefangenschaft genommen.
Wieder freigelassen, begab er sich im Dezember 1945 in französische Hände und wurde dort erneut in Haft genommen, auch hier ist bis heute nicht klar warum.

Entwurf Porsche Typ 142 ( 1941 ) Elektro-Zug, Vorbild für Le Tourneau in den USA. Spätere Entwicklungen der Jahre 1944/1945 dürften den US-Modellen noch ähnlicher gesehen haben. Wo sind ihre Pläne geblieben?
Entwurf Porsche Typ 142 ( 1941 ) Elektro-Zug, Vorbild für Le Tourneau in den USA.
Spätere Entwicklungen der Jahre 1944/1945 dürften den US-Modellen noch ähnlicher gesehen haben. Wo sind ihre Pläne geblieben?
Le Tourneau Raketentransporter mit Porsche-Elektromotortechnik für Corporal Rakete. ( Bild von einem Modellbausatz von Revell)
Le Tourneau Raketentransporter mit Porsche-Elektromotortechnik für Corporal Rakete. ( Bild von einem Modellbausatz von Revell)
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