1947 beschrieben die Amerikaner , wie erstaunt sie über die deutschen Fortschritte auf dem Gebiet der Mikroskopie waren. (1)

Die Firma Carl-Zeiss hatte ein Interferenzmikroskop entwickelt, das schon damals durch Interferenzen im oder auf einem Oberflächenobjekt Unterschiede im Bereich von 20 Millionstel eines Inches ( 1 Inch = etwa 25,4 mm ) bei Oberflächenstrukturen optischen entdecken konnte.
Die amerikanische Optikindustrie war ganz “ scharf “ darauf, dieses Gerät in ihre Hände zu bekommen, da in ihm einige besonders intelligente technische Lösungen verwirklicht worden waren, um die Tiefe von Oberflächenungleichheiten mit Hilfe von Lichtstrahlen feststellen zu können.

Daneben wurde auch ein Phasenkontrastmikroskop entdeckt, mit dem die unterschiedlichen optischen Dichten ( Brechzahlen), zum Beispiel von Zelle und Zellkern, die zu Phasenunterschieden bei den durchgelassenen Lichtquellen führen, zur Sichtbarkeitmachung der Strukturen ausgenützt werden konnte.
Die amerikanischen Vermittler stellten fest, dass bis zur Entdeckung dieses Gerätes in Deutschland kein entsprechendes Instrument in den Vereinigten Staaten und auch nirgendwo sonst in der Welt existierte.

Im Kaiser Wilhelm- Institut in Ochstadt fiel amerikanischen Suchtrupps ein Elektronenmikroskop der Firma Siemens in die Hände, das für Entwicklungsarbeiten in den AEG- Farbenexperimentallabors in Helmbrechts verwendet wurde. Eines dieser bahnbrechenden Instrumente wurde in das “ Naval Research Laboratory “ in die USA gebracht, wo es für Besichtigungs- und Nachbauzwecke durch die amerikanische Industrie zur Verfügung stand. Auch hier teilten die Amerikaner mit, dass bis zur Entdeckung dieses Instrumentes kein derartiges Gerät in den Vereinigten Staaten von Amerika existiert habe.

Die amerikanischen Entdecker erwarteten, dass auf der Grundlage der Informationen, die mit derartigen Elektronenmikroskopen gewonnen werden können, sich in Zukunft äußerst wertvolle Entdeckungen ergeben würden – war, wie wir heute wissen, dann auch der Fall war.

Somit wird klar, dass die Vereinigten Staaten von Amerika auf dem Gebiet der Interferenz-, Farbenkontrast- und Elektronenmikroskopie bei Kriegsende ein Entwicklungsland darstellte.

Auch die Engländer erbeuteten deutschen Elektronenmikroskope, nachzulesen u.a im BIOS-Bericht Nr.1671

Da die Elektronenmikroskope heute nicht mehr aus der Wissenschaft wegzudenken sind, und nur aufgrund seiner Hilfe zahlreiche Entdeckungen überhaupt erst möglich geworden sind, hier noch ein kurzer Einblick in ihre Entstehung in Deutschland.

Diese bahnbrechende Erfindung gelang Anfang der 1930er Jahre mehreren deutschen Wissenschaftlern, die parallel an der Technik dieses Mikroskops forschten.
Der zeitgenössische Neue Brockhaus fasste die damals noch brandneue Erfindung in folgender Kurzbeschriebung zusammen:
“ Elektronenmikroskop, ein Mikroskop, das an Stelle von Lichtstrahlen Elektronenstrahlen ( Kathodenstrahlen) benutzt, die ein vergrößertes Bild eines kleinen Gegenstandes auf einem Schirm entwerfen. Das E. beruht auf der Erfahrung, dass Elektronenstrahlen in ähnlicher Weise wie Lichtstrahlen gebrochen werden können.
Hierzu müssen elektrische oder magnetische Linsen verwendet werden. Elektrische Linsen sind kleine Plattenkondensatoren, die in der Mitte durchbohrt sind; magnetische Linsen sind von einem elektrischen Strom durchflossene Spulen, deren Magnetfeld auf die Elektronenstrahlen ablenkend wirkt. Die Vergrößerung kann bei einem E. bis zu 14.000 betragen.“

Die Elektroingenieure Dr.-Ing. Max Knoll und Dr.-Ing. Ernst Ruska erarbeiteten ab 1931 die Grundlagen für das Elektronenmikroskop, bei dem die zur Vergrößerung erforderliche Bündelung der Elektronenstrahlen mit magnetischen Linsen erfolgte. Der Physiker Dr.-Ing. Max Brüche und sein Kollege Helmut Johannson entwickelten ein analoges Prinzip, bei dem die Elektronenstrahlen durch elektrische Felder gebündelt wurden.

Der Elektronenoptiker Manfred Baron von Ardenne erfand 1937 ein Abtastelektronenmikroskop, bei “ dem das Objekt mi einem Elektronenstrahl von sehr kleinen Querschnitt durchstrahlt und zeilenweise abgetastet wird. Dieser Strahlquerschnitt wurde durch zweistufige Verkleinerung der Katode mittels magnetischer Polschuhlinsen erzeugt.“

Das Bild des Untersuchungsobjekts entsteht dabei aus der Intensitätsverteilung der durch den Elektronenstrahle aus der Objektoberfläche herausgelösten Elektronen.

Am 26. Februar 1940 wurde von Ardenne in der gesamten deutschen Presse wegen seines neuesten wissenschaftlich-technischen Erfolges gefeiert.
Es gelang ihm erstmals, Moleküle zu fotografieren.

Mit den neuartigen Geräten, die im Dritten Reich auch “ Übermikroskope“ genannt wurden, war es möglich geworden, bisher unsichtbare Objekte zu erkennen. So wurde erstmals ein Makromolekül abgebildet. 1941 konnte man Bakteriophagen ( Bakterienfresser) und 1942 gitterförmig angeordnete kugelartige Kinderlähmungsviren sehen.
Mittlerweile waren auch bereits 100.000 fache Vergrößerungen möglich geworden.

Der Universalwissenschaftler von Ardenne, der übrigens für das “ Atomprojekt “ des Dritten Reiches “ ein 60-Tonnen Zyklotron…. einen 1 Millionen Volt Van-der-Graaf Generator und einen Isotopentrenner mit 2-Tonnen Magnetringförmigen Trennmagnetfeld und zentral angeordneter Plasma-Dampf-Ionenquelle beisteuerte“, baute nach 1945 in Suchumi in der Sowjetunion ein Institut für elektronische Physik auf.
1955 gründete er in Dresden ein Forschungsinstitut mit 500 Mitarbeitern und machte noch “ zahlreiche Erfindungen auf dem Gebiet der Funk- und Fernsehtechnik.“

Außerdem ist noch eine Leistung des Universalwissenschaftlers Manfred von Ardenne erwähnenswert, mit dem er sich weitere Meriten erwarb.
Wie oben erwähnt, gehörte zu seinem Forschungsinventar auch ein 60-Tonnen Zyklotron. Für die Arbeit mit diesem Gerät “ stand ihm ein 1.000.000 Volt-Bandgenerator zur Verfügung, mit dem ihm als ersten Wissenschaftler die Herstellung von Radioisotopen gelang.“

Die Sowjets transportieren dieses Zyklotron nach Kriegsende in die UdSSR und benutzten es für eigene Forschungen.
Welche Erfolge und Kenntnisse von Ardenne auf dem Gebiet der nuklearen Grundlagenforschung bis 1945 schon vorweisen konnte, wird auch an der Tatsache deutlich, dass die Sowjets ihn neun Tage nach der Atombombenexplosion von Hiroshima zum Direktor des neu eingerichteten sowjetischen Kernforschungsinstitutes ernannten.

Fußnoten:
1.) Igor Witkowski, Truth About The Wunderwaffe, European History Press, Warschau 2003, S. 221

Deutsches Elektronenmikroskop aus den dreißiger Jahren
Deutsches Elektronenmikroskop aus den dreißiger Jahren
In einem Memorandum der TIID ( Technical Industrial Intelligence Division) vom 23. Januar 1947 wurde die Wichtigkeit der Entdeckung der deutschen Mikroskopforschung für die auf diesem Gebiet weit zurückliegenden Amerikaner bestätigt.
In einem Memorandum der TIID ( Technical Industrial Intelligence Division) vom 23. Januar 1947 wurde die Wichtigkeit der Entdeckung der deutschen Mikroskopforschung für die auf diesem Gebiet weit zurückliegenden Amerikaner bestätigt.
Manfred von Ardenne
Manfred von Ardenne
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