Bis zum Frühjahr 1945 waren in Deutschland bereits weit fortgeschrittene Entwürfe für Gasturbinen entstanden, die bei Militärfahrzeugen und im Binnenverkehrsbereich neue Dimensionen der Beweglichkeit und Geschwindigkeit schaffen sollten. (1)

Seit Juni 1944 arbeitete der Antriebsspezialist Dr. Albert Müller vom Kraftfahrttechnischen Versuchsinstitut der SS in St. Aegyd in Niederdonau bei Wien an der Möglichkeit, mit Gasturbinenantrieb die Leistungsfähigkeit der schweren deutschen Panzer auf fahrtechnischem Gebiet zu revolutionieren. In schneller Folge entstanden drei Gasturbinen unter den Bezeichnungen GT-101 ( 2600PS), Gt-102 ( 2400PS und GT-103 ( 1600PS). Federführend für die Entwicklung der Turbinenantriebe für Landfahrzeuge war dann Ing. Otto Zadnik der Porsche KG, der in einem Büro bei Rheinau an der Schweizer Grenze arbeitete.

Bei der Firma Porsche stand bereits der 71,2t schwere Panzer “ Jagdtiger “ zum Einbau der GT-101 bereit. GT-102 und 103 sollten später in den mittelschweren Panther sowie in einen Tiger eingebaut werden.

Anfang 1945 waren die Vorarbeiten der Entwicklung einschließlich der Einbauplanung in die Panzerfahrzeuge bereits abgeschlossen, und bis zum 12. Februar 1945 sollten die detaillierten Zeichnungen fertig sein. Es waren jedoch noch keine Teile fertig geworden, als der bisherige Chefentwickler der Gasturbinen für den Landantrieb von Panzerfahrzeugen, Dr. Alfred Müller, durch Dr. Max Adolf Mueller ersetzt wurde. Alfred Müller brachte seine früheren Düsentriebwerkserfahrungen bei Junkers und Heinkel ein.

Trotz des Krieges und der Konzentration auf militärisch nutzbare Ausrüstungsgenstände wurde ohne offizielle Unterstützung auch eine Gasturbineneinheit zur Anwendung bei kommerziellen Fahrzeugen entworfen. Sie sollte 320 PS leisten und über einen sechsstufigen Axialkompressor mit Hitzeaustauscher verfügen. Zur Anpassung an die verschiedenen Straßenbedingungen sollten justierbare Einlaßdüsen für die Arbeitsturbine verwendet werden.

Nach Kriegsende waren die Arbeiten der deutschen Ingeniere an Gasturbinen für Landfahrzeuge eine mehr als nützliche Führungslinie für die Anstrengungen der “ Siegermächte.“

1950 wurde in England von Rover Gasturbines LTD, die erste Gasturbine zur Verwendung in einem Fahrzeug hergestellt. Die englische Turbine ähnelte in ihren Grundzügen stark der deutschen 320PS- Gasturbine für kommerzielle Verwendung. Ihre Leistungsfähigkeit betrug 370-400PS.

Seit dem Krieg wurden die deutschen Gasturbinen in vielen Ländern der Welt für Autos, Lastwagen, Panzer, Bulldozer und ähnliches nachgebaut und weiterentwickelt. Unter den federführenden Firmen waren in den USA Boeing, Chrysler, Ford, General Motors und Air Research. Die Abbildung eines frühen Chrysler- Triebwerks zur geplanten Verwendung in einem Zivilfahrzeug zeigt dann auch eindeutige Ähnlichkeiten zum ehemaligen deutschen GT-103 Projekt.

Auf militärischem Gebiet sind heute wichtige Fahrzeuge mit Gasturbinen ausgestattet, die ihnen eine erstaunliche Manövrierfähigkeit verleihen. Zu ihnen gehören der russische T-80, der ukrainische T-84 und der amerikanischen M-1 Abrams.

Die Antriebseinheit für den M-1 Abrams besteht aus einer Gasturbine mit der Bezeichnung GT-1500 mit 1500 PS Leistung. Sie wurde schon in den sechziger Jahren(!) von einem Team unter Leitung des deutschen Forschers Anselm Franz entworfen, der im Krieg für die Firma Junkers Düsentriebwerke geschaffen hatte.

Die Gasturbine, mit der der M-1 Abrams durch die Wüsten von Kuwait und Irak fuhr, wies mit 1500 PS fast die gleiche Leistung auf die die GT-103 aus dem Jahre 1944 mit 1600 PS. Selbst ihre Bezeichnung erinnert an die alten Vorbilder. Ein Schelm, der Böses dabei denkt !

1.) Antony L. Kay, German Jet Engine and Gas Turbine Development 1930-1945, Airlife 2002, S. 153-173.

BIOS Bericht Nr.98
BIOS Bericht Nr.98
Jagdtiger (Porsche Laufwerk) Skizze mit Gasturbine GT-101
Jagdtiger (Porsche Laufwerk) Skizze mit Gasturbine GT-101
Panther 2 Skizze mit Gasturbine GT-102
Panther 2 Skizze mit Gasturbine GT-102
Ziviler Chrysler-Gasturbinenantrieb
Ziviler Chrysler-Gasturbinenantrieb
Die Eroberung des Iraks im Jahre 2003 wurde auch mit Hilfe einer von Deutschen entworfenen GT-1500, die im M1 Abrams eingebaut ist, durchgeführt.
Die Eroberung des Iraks im Jahre 2003 wurde auch mit Hilfe einer von Deutschen entworfenen GT-1500, die im M1 Abrams eingebaut ist, durchgeführt.
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