Nashorn Panzerjäger
Nashorn Panzerjäger

Es stellte fraglos eine der gewichtigsten Waffen des deutschen Heeres im 2. Weltkrieg dar, entstanden durch den Zwang, das gefürchtete 8,8 cm-Geschütz zu jeder Jahreszeit und auf allen Böden einsetzen zu können. Nach dem Beginn des Feldzuges im Osten wurde bald ersichtlich, dass die von Zugmaschinen gezogenen 8,8 cm Kanonen einfach zu schwer und unbeweglich für die primitiven russischen Strassen waren.


Die beste Zeit, diese allen russischen Panzern überlegene Geschütz zu bewegen, waren deshalb das späte Frühjahr und der Sommer. Zu den anderen Zeiten zeigten sich die Strassen oft unpassierbar durch Schlamm, Eis und Schnee. So wurden Überlegungen notwendig, wie man die 8,8 cm Kanone anders fortbewegen könnte.
Eine Lösung wurde schlieslich gefunden, in dem man als Träger das Fahrgestell des Panzer IV verwandte. Der Panzer IV hatte während des langen und besonders harten Winters 1941/42, wenn auch nicht ganz ohne Sorgen, im großen und ganzen Bewundernswertes geleistet.

Obgleich dessen Lade- und Tragfähigkeit begrenzt war, gelang es doch, sein Fahrgestell mit der 8,8 cm Kanone zu bestücken. Wegen der vorgeschriebenen Gewichtsbegrenzung (nicht über 24t) konnte der Kampfraum jedoch nur noch sehr leicht gepanzert werden, um der Mannschaft wenigstens Schutz gegen Splitter und Gewehrfeuer zu gewähren.
Die Firma Alkett und die Deutschen Eisenwerke stellten die Plattform des Geschützwagens III/IV Anfang 1942 vor. Der Motor war nach vorne gerückt, damit hinten Platz für die große Waffe entstand. Das Laufwerk war das des Panzers IV mit der Kraftübertragung des Panzers III. Auf diesem Laufwerk entstand das neue Fahrzeug, womit man den Panzern der Roten Armee Einhalt gebieten wollte.

Als diese neuen Fahrzeuge an die Front zum Einsatz gelangten, erwiesen sie schnell ihre Wirksamkeit. Sie wurden zum Rückgrat der deutschen Panzer-Abwehr bis Ende des Krieges.
Der neue Panzerjäger erhielt zuerst den Namen Hornisse, aber kurz nach Indienstellung bekam er die die martialische Bezeichnung „Nashorn„, welche dem 24 Tonnen-Koloss zunächst alle Ehre machte, denn bis zum Auftauchen der „Jagdpanther“ und „Jagdtiger“ blieb er auf den Schlachtfeldern Europas der beste seiner Art.
( Laut einem Gefechtsbericht z.b. hatten 13 „Nashörner“ 1945 in nur 17 Tagen 60 russische Panzer vernichtet. )

Insgesamt wurden 494 Panzerjäger vom Typ „Nashorn“ gefertigt. Mit ihm wurden die Panzer-Abwehr-Abteilungen einiger Elite-Divisionen und die selbstständigen schweren Panzer-Abwehr-Abteilungen ab Frühjahr 1942 ausgerüstet. Diese Fahrzeuge erhielten anfänglich den Namen „Hornisse“. Als später die Insekten-Namen nur noch der gepanzerten Artillerie vorbehalten blieben, bekamen sie offiziell den Namen „Nashorn“.

Die selbstständigen Panzer-Abwehr-Abteilungen unterstanden zumeist den Armeen und wurden von dort in die besonders „panzergefährdeten“ Abschnitte oder bei russischen Panzereinbrüchen eingesetzt. Hierbei wurden sie dann oft dem dort kämpfenden Korps oder der Division vorübergehend unterstellt.
Das Nashorn unterschied sich vom späteren Jagdpanther durch seine offene Kampfkanzel und seinen nach vorn verlegten Motor. Es konnte eine Besatzung von 4-5 Mann aufnehmen. Etwa 40-45 Schuss 8,8 cm Munition wurden in den Halterungen untergebracht. Das Nashorn war leicht an seinem langen 8,8 cm Rohr mit der großen Mündungsbremse von allen anderen Fahrzeugen zu unterscheiden.

Die Produktion dieser Fahrzeuge lief von 1942 bis Mitte 1944. Es war, wie alle Zusammenbauten, nur eine Zwischenlösung, ein Überleitungsschritt zu dem wesentlich besseren, vollgepanzerten Jagdpanther.

Trotzdem schossen die Nashorn Panzerjäger laut mehreren berichten immer wieder feindliche T34 auf Distanzen bis zu 4000m ab.
Auch mit den stärksten EInheiten, die die Rote Armee aufzubieten hatte, wie dem KV,IS2, SU152,IS122 und ISU152 machte das Nashorn selbst auf große Distanzen kurzen Prozess mit.
Das bemerkenswerteste Nashorn- Panzerjäger-Ass war Zugführer in der 1. Kompanie von der schweren Panzerjäger-Abteilung 519 Leutnant Albert Ernst. Abteilungskommandeur war Major Wolf-Horst Hoppe?, Adjutant der Abteilung war Oberleutnant der Reserve Julius Strehler und Arzt war Stabsarzt Dr. Günter Bruns.

Am 23. Dezember 1943 schoß Leutnant Ernst mit seinem Panzerjäger „Nashorn“ (Sd.Kfz. 164) 14 sowjetische Panzer an einem Tag mit nur 21 Schuß bei Witebsk ab. Hier bekam er seinen Namen „Der Tiger von Witebsk“. Er erhielt für seine insgesamt 55 Abschüsse (25 Feindpanzer und mehrere Pak) am 22. Januar 1944 (manche Quellen geben den 7. Februar an, aber hier ist wohl das Datum der Ritterkreuzverleihungszeremonie gemeint) das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Somit war er zum erfolgreichsten Panzerjäger der großen Winterschlacht um Witebsk geworden. Sein Kompaniechef, Oberleutnant Erwin Kreßmann?, erhielt das Deutsche Kreuz in Gold, ein weiterer Zugführer der Kompanie, Oberfeldwebel Erich Bansen, erhielt ebenfalls das Ritterkreuz.
Leutnant Beckmann aus der sPzJagAbt 88,schoß mit seinem Nashorn einen sowjetischen IS-2 auf die erstaunliche Distanz von 4600 Metern in der Nähe von Marzdorf im März 1945 ab
Ein Nashorn aus der 2. Kompanie , Abteilung 93 zerstörte einen der ersten M26 Pershing, die in Europa zum Einsatz kamen,, bei einer Distanz von 250 Metern, mit dem ersten Schuss in Niehl, nördlich von Köln,am 6. März 1945 ab.

Technische Daten
Hersteller : Deutsche Eisenwerke 1943 – 1944
Besatzung: 5 Mann
Bewaffnung: 8,8 cm PaK 43/1 L/71, MG 43
Panzerung: Front: 3 cm, Seite: 2 cm, Heck 2 cm, Aufbau 1 cm an allen Seiten
Gewicht: 24 t
Motor: 12 Zylinder Maybach HL 120 TRM (wassergekühlt) 300 PS bei 3.000 U/min.
Geschwindigkeit :40 km/h (Strasse)
Tankvolumen: ca. 600 l
Verbauch: 250 l / 100 km (Strasse)
260 l / 100 km (Gelände)
Fahrbereich Strasse: 250 km
Gelände: 160 km
Länge: 8,45 m (6,20 m ohne Kanone)
Höhe: 2,95 m
Breite: 2,95 m
Munition: 8,8 cm PaK: 40-45 Schuss
MG 34: 600 Schuss
Produktion etwa 494 Fahrzeuge

Der Großteil dieser Jagdpanzer kam an der Ostfront und – in geringer Zahl – in Italien in den schweren Panzerjägerabteilungen 88, 93, 519, 525, 560 und 655 zum Einsatz.
Jede Abteilung bestand aus drei Kompanien zu je 14 Jagdpanzern und hatte, zuzüglich 3 Reservepanzer, einen Sollbestand von 45 Jagdpanzern. Der erste Einsatz fand im Sommer 1943 in der Schlacht um Kursk statt.

Zum Bestand einer Panzerjägerkompanie Hornisse zählten:
Kompanieführungsgruppe (1 Offizier, 7 Unteroffiziere, 8 Mannschaften):
Kompaniechef/Panzerjägerführer, Richtschütze, Ladeschütze, Funker, Kraftfahrer (Panzer 01)
Panzerjägerführer, Richtschütze, Ladeschütze, Funker, Kraftfahrer (Panzer 02)
Kompanietruppführer, Kraftfahrer (auf mittlerem geländegängigem PKW)
3 Kradmelder (2 Kräder sowie 1 Krad mit Beiwagen)
1. Zug (1 Offizier, 13 Unteroffiziere, 17 Mannschaften):
Zugführer, Beobachtungsunteroffizier, Kraftfahrer (auf leichtem geländegängigem PKW)
Kradmelder (auf Krad mit Beiwagen)
Panzerjägerführer, Richtschütze, Ladeschütze, Funker, Kraftfahrer (Panzer 11)
Panzerjägerführer, Richtschütze, Ladeschütze, Funker, Kraftfahrer (Panzer 12)
Panzerjägerführer, Richtschütze, Ladeschütze, Funker, Kraftfahrer (Panzer 13)
Panzerjägerführer, Richtschütze, Ladeschütze, Funker, Kraftfahrer (Panzer 14)
2 Kraftfahrer (auf 2 Gleisketten-Lastkraftwagen 2t, offen für Munition)
1 Kraftfahrer (auf LKW 3 to für Munition)
2. Zug wie oben (Panzer 21–24)
3. Zug wie oben (Panzer 31–34)
Instandsetzungsgruppe (3 Unteroffiziere, 15 Mannschaften)
10 Panzerwarte
2 Panzerfunkwarte
2 Waffenmeister
1 Kraftfahrer (auf leichtem Instandsetzungskraftwagen, Kfz.2/40)
1 Kraftfahrer (auf LKW 3 to für Ersatzteile)
1 Kraftfahrer (auf LKW 3 to für Werkstattgerät, Ausstattung für Kfz.I-Gruppe)
1 Panzerwart/Kraftfahrer (auf Gleisketten-Lastkraftwagen 2t, offen)
Wechselgruppe (2 Unteroffiziere, 5 Mannschaften)
Panzerjägerführer, Richtschütze, Ladeschütze, Funker, 2 Kraftfahrer
Kraftfahrer (auf LKW 3 to)
Gefechtstross (6 Unteroffiziere, 14 Mannschaften)
Hauptfeldwebel, Kraftfahrer (auf leichtem geländegängigem PKW)
Schirrmeister, Waffenmeister, Waffenmeistergehilfe, 4 HiWi, Geräteunteroffizier, Kraftfahrer (auf LKW 3 to, für Gerät)
2 Kraftfahrer (auf 2 Lkw 4,5 t, für Betriebsstoff)
2 Kraftfahrer (auf 2 Lkw 4,5 t, für Munition)
Feldküchenunteroffizier, Feldkoch, HiWi, Kraftfahrer (auf LKW 3 to, für großen Feldkochherd)
Sanitätsunteroffizier, Krankenträger/Kraftfahrer (auf Krad mit Beiwagen)
Gepäcktross (1 Unteroffizier, 3 Mannschaften)
Rechnungsführer, Schuhmacher, Schneider, Kraftfahrer (auf Lkw 1,5 to, für Gepäck)

Die 8,8cm-PaK des Panzerjägers `Nashorn`
Die 8,8cm-PaK des Panzerjägers `Nashorn`
Nashorn beim durchqueren eines Baches
Nashorn beim durchqueren eines Baches
Italien.- getarnter Panzerjäger Nashorn-Hornisse; August 1944
Italien.- getarnter Panzerjäger Nashorn-Hornisse; August 1944
Russland-Ostfront.Besatzung des Panzerjäger `Nashorn` hält Ausschau nach Feindbewegung
Russland-Ostfront.Besatzung des Panzerjäger `Nashorn` hält Ausschau nach Feindbewegung
Panzerjäger Nashorn
Panzerjäger Nashorn
Nashorn Panzerjäger mit Besatzung
Nashorn Panzerjäger mit Besatzung
Nashorn Panzerjäger in Italien, 1944
Nashorn Panzerjäger in Italien, 1944
Nashorn Panzerjäger in der Nähe von Anzio
Nashorn Panzerjäger in der Nähe von Anzio
Nashorn Panzerjäger mit der Nummer 131
Nashorn Panzerjäger mit der Nummer 131
Mehrere Panzerjäger `Nashorn` im Schnee Russlands
Mehrere Panzerjäger `Nashorn` im Schnee Russlands
Panzerjäger Nashorn auf Eisenbahnwaggon
Panzerjäger Nashorn auf Eisenbahnwaggon
Rückansicht mit Blick in den Kampfraum des Nashorns
Rückansicht mit Blick in den Kampfraum des Nashorns
Der Nashorn-Kommandant erhält eine Nachricht zu Pferde
Der Nashorn-Kommandant erhält eine Nachricht zu Pferde
Ein Nashorn wird mit Munition beladen. Die Schnüre und der Draht dienen zum befestigen von Zweigen und Gestrüpp zu Tarnungszwecken.
Ein Nashorn wird mit Munition beladen. Die Schnüre und der Draht dienen zum befestigen von Zweigen und Gestrüpp zu Tarnungszwecken.
Ladeschütze beim Nachladen einer 8,8m Granate in einem Sd.Kfz. 164 Nashorn
Ladeschütze beim Nachladen einer 8,8m Granate in einem Sd.Kfz. 164 Nashorn
Ein komplett zerstörtes Nashorn
Ein komplett zerstörtes Nashorn
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