Letzter Stand der deutschen Technik bei Kriegsende:  Brückner-Kanis 10000 PS Gasturbinen- Schiffstriebwerk ( modifiziert nach Anthony L.Kay)
Letzter Stand der deutschen Technik bei Kriegsende:
Brückner-Kanis 10000 PS Gasturbinen- Schiffstriebwerk ( modifiziert nach Anthony L.Kay)

Am 3. Oktober 1945 berichtete der amerikanische FIAT-Finalreport 291 über das Gasturbinenprojekt für Schnellboote der Firma Blohm & Voss in Hamburg.
Tatsächlich arbeiteten nicht nur die Firma Blohm & Voss an Gasturbinen zum Schiffsantrieb, sondern auch die Firmen MAN und Brückner-Kanis.
Die geplanten deutschen Gasturbinen lieferten zwischen fünf- und zehntausend PS und sollten zum Antrieb von Schnellbooten, Torpedobooten oder Zerstörern dienen.
Unbekannt ist, ob diese Antriebseinheiten den gesamten konventionellen Antrieb dieser Schiffe ersetzen sollte oder nur dienen sollten, um sie zusätzlich im Notfall einzusetzen. Zweifellos wurden beide Fälle in Erwägung gezogen.

Das normale deutsche Schnellboot des Typs S100 schaffte mit einem konventionellen Dieselantrieb 7500PS und war wohl mit die schnellste Schiffsklasse des Zweiten Weltkrieges. Ihre schon große Geschwindigkeit hätte sich im Falle des Einbaus von Gasturbinen beträchtlich steigern lassen. Auch hätten die wesentlich leichter und billiger herzustellenden Gasturbinen die Inbetriebnahme von mehr Schnellbooten erlaubt, als wenn diese Boote nur mit den komplizierten aufwendigen Hochleistungsdieselmotoren ausgerüstet worden wären.
1945 brach dann auch die deutsche Schnellbootproduktion wegen Schwierigkeiten bei der Motorherstellung von Daimler-Benz katastrophal ein.
Die deutsche Kriegsmarine arbeitete auf dem Gebiet des Gasturbinenantriebs für Schiffe eng mit der Kraftfahr- und Technischen Versuchsanstalt der SS in St. Aegyd ( Niederdonau in der Nähe von Wien) zusammen.

Bei Kriegsende war die Firma Brückner-Kanis auf dem Weg zum 5000PS Dieselturbinentriebwerk bereits recht weit vorangekommen. Ihr Prototyptriebwerk K236 war fertiggestellt und stand kurz vor Testbeginn. Das 10000PS Marine-Gasturbinentriebwerk von Brückner-Kanis war in Einzelheiten entworfen, und einige seiner Komponenten wurden bereits getestet.
Das Vorhaben der Firma MAN für einen 7500PS starken Gasturbinenantrieb wurde durch einen Luftangriff im Jahre 1944 stark verzögert, während die Firma Blohm & Voss ihr 7500PS Gasturbinentriebwerk ( Auftrag 353) bereits so weit fertiggestellt hatte, dass eine Modellverbrennungskammer bereits getestet werden konnte. Das Turbinenhaus war bereits hergestellt, die Turbinenblätter und Kompressorgehäuse waren im Stadium der Herstellung, als die Allierten einrückten. (1)

Begierig nahmen Briten und Amerikaner die neue Technologie in Beschlag. Die erste Atlantiküberquerung gelang einem gasturbinengetriebenen Boot 1952. Ende 1966 wurde mit der Ashville-Klasse die ersten amerikanischen schnellen Angriffsfahrzeuge mit Gasturbinenantrieb fertig.

Oberes Bild: Deutsches Schnellboot S-219 mit Gasturbinentriebwerk (Rekonstruktionszeichnung) Unten: Deckelbild des Revell-Bausatzes der USS Ashville aus dem Jahre 1971. Zum Begleittext wird das ganze als völlig neue Entwicklung ausgegeben, die das Düsenzeitalter auf der See eingeführt haben.
Oberes Bild: Deutsches Schnellboot S-219 mit Gasturbinentriebwerk (Rekonstruktionszeichnung)
Unten: Deckelbild des Revell-Bausatzes der USS Ashville aus dem Jahre 1971. Zum Begleittext wird das ganze als völlig neue Entwicklung ausgegeben, die das Düsenzeitalter auf der See eingeführt haben.
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