Es kam zum sogenannten Marshallplan.
Das Werk der ECA und des ERP (European Rebuild Program = europäisches Wiederaufbau-Programm) wurde ins Leben gerufen.
Der Marshallplan beruht auf der einfachen Erkenntnis, daß ein armes und verzweifeltes Volk die Demokratie verwirft und den Kommunisten folgt.
Um die westliche Welt vor der Tyrannei des Bolschewismus zu bewahren, müsse man die notleidenden Völker diesseits des Eisernen Vorhanges genügend unterstützen, damit sie ihre Wirtschaft wiederaufbauen könnten.

Falls man glaubte, daß dieser Plan allein alles besserte, sah man sich getäuscht!
Denn trotz des Inkrafttretens des Marshallplanes wurde die Demontage und Zerstörungspolitik gegen Deutschland fortgesetzt.
Die Morgenthau-Lobby ließen sich ihr Handwerk nicht so leicht legen.
Auch Englands Interesse verlangte die Fortsetzung der Zerstörung der deutschen Konkurrenz, von Frankreichs blinder Vernichtungswut gar nicht zu reden.

Den Engländern lag auch nichts daran, daß die Zerstörung der deutschen Industrie auch den Wiederaufbau Europas verhinderte.
Sie hatten vielmehr Interesse daran, etwa den Wiederaufbau der holländischen oder norwegischen Handelsmarine unter deutscher Mithilfe möglichst zu verzögern.

„Auch noch lange nach dem Anlaufen des Marshallplanes und während die Deutschen in Berlin unter unerhörten Entbehrungen, Opfern und Gefahren Schulter an Schulter mit uns in der Abwehr der sowjetischen Blockade standen, handelten wir, als bedrohe Deutschland und nicht die UdSSR die Freiheit Europas.
Wir demontierten weiter deutsche Fabriken und erfüllten weiter die verhängnisvollen Abkommen von Jalta und Potsdam, als ob Rußland diese Abkommen niemals gebrochen hätte. Wir taten dies mit geradezu totaler Mißachtung des Marshallplanes.

Große Transporte wertvollster Güter und Maschinen gingen nach wie vor aus der amerikanischen, englischen und französischen Zone nach der UdSSR,
der CSSR, nach Polen, Jugoslawien und anderen bolschewistischen Ländern hinter dem Eisernen Vorhang.
Es handelte sich um Hunderttausende von Tonnen wertvollster Maschinen und technischer Einrichtungen.“ (Utley)

Die Züricher Zeitung Die Tat veröffentlichte am 6. Februar 1949 ein Kommuniqué der englischen Militärregierung,
das — nur für die englische Zone — folgende Teilzahlen angibt:
Insgesamt aus deutschen Werken abgebaute Maschinen und Material 598.000 t

davon geliefert an die UdSSR 163 896 t
an die CSSR 18 618 t
an Jugoslawien 45 135 t
an Albanien 1 789 t

Der Hass der Morgenthau-Lobby gegen Deutschland ging so weit, daß sie zur selben Zeit, als die USA die Welt gegen das bolschewistische Vordringen
zu einigen suchten, die bolschewistischen Länder auf Kosten Deutschlands unterstützten und stärkten.

Nach der Londoner Times vom 20. Dezember 1948 befand sich zu dieser Zeit das Borbecker Rüstungswerk von Krupp auf dem Weg nach der UdSSR.

Nach 1949 gingen unter Mr. Wilkinsons Ägide Transporte demontierter deutscher Maschinen und Anlagen aus der amerikanischen Zone in die kommunistischen Länder hinter dem Eisernen Vorhang ab. Im Februar 1949 verschickten Mr. Wilkinsons Leute aus der amerikanischen Zone 305 t Maschinen der Firma Martin Beilhac in Rosenheim nach der CSSR und nach Jugoslawien. Eine horizontale 900-t-Schmiede wurde den tschechischen Kommunisten übergeben.

Über die Sabotage des Marshallplanes durch die Morgenthau-Leute berichtet Freda Utley (1949):
„In Amerika war man im Glauben, daß der Marshallplan den Morgenthauplan abgelöst habe. Das war eine Illusion.
Der Morgenthau-Geist inspiriert die amerikanische Deutschland-Politik nach wie vor.
Die Marshall-Lieferungen bedeuten nur, daß wir uns bemühen, mit unserer rechten Hand den Schaden gutzumachen, den unsere linke anrichtet …

Tragisch ist der endlose Kampf zwischen den Amerikanern, die zur Förderung des Marshallplanes nach Deutschland entsandt wurden,
und den Morgenthau-Lobbiisten der Militärregierung, deren Sinnen und Trachten auf Zerstörung der deutschen Wirtschaft gerichtet war.
Der Konflikt zwischen den beiden Gruppen war noch größer und erbitterter als der Neid zwischen den konkurrierenden Washingtoner Ministerien …

Die Morgenthau-Gruppe führte ihre zerstörende Politik offen und getarnt durch. Die Lage wurde mir gegenüber von einem amerikanischen Beamten treffend in folgenden Worten zusammengefaßt:
‚Wir sind zwischen zwei widerstreitenden politischen Richtungen ein geklemmt und können uns nicht vorwärts bewegen. Die aus Kriegshysterie geborenen und vom Morgenthauplan in Bewegung gesetzten Kräfte der Zerstörung sind immer am Werk, während die konstruktiven Kräfte des Marshallplanes nicht zum Zuge kommen können…. Gegenwärtig ist die alte zerstörende Morgenthau-Politik von der neuen Marshall-Politik nur überdeckt.‘

Die Lager der Zerstörer und der Aufbauer arbeiten erbittert gegeneinander, wobei die Zerstörer das Übergewicht haben … Als ich Ende Oktober [1949] nach Stuttgart kam, hatte ich auf Grund verschiedener Erklärungen General Marshalls und anderer Vertreter des State Department in Washington sowie General Clays und seiner Untergebenen in Deutschland geglaubt, die Demontage in der amerikanischen Zone sei abgeschlossen oder eingestellt. Ich war bestürzt, als ich merkte, daß auch die erwartete Ankunft des Humphrey-Komitees der Marshallplan-Verwaltung [das feststellen sollte, welche Werke der Demontageliste im Interesse Europas besser erhalten blieben] zu einer fieberhaften Ankurbelung und Beschleunigung der Demontagearbeiten führten.
Man wollte die Demontageliste erledigt haben, bevor das Fachkomitee nach Europa kam. England, Frankreich und Amerika wollten das Komitee Paul Hoffmann vor vollendete Tatsachen stellen. Die Morgenthau-Leute erklärten offen, das ERP Programm gehe sie nichts an und die Weisungen der amerikanischen Handels- und Industriebehörde interessierten sie nicht.

Die Berliner Militärregierung wollte unbedingt der Marshallplan-Verwaltung zuvorkommen und demontierte schnell auch dann, wenn es sicher war, daß die demontierten Maschinen nicht benötigt wurden und auf dem Schrott enden würden. So geschah es mit den Kiefer-Werken in Stuttgart, die Klima-, Heiz- und Ventilationsanlagen für Krankenhäuser herstellt. Das Werk ist für Griechenland bestimmt, und die Erklärung der griechischen Mission nach Besichtigung der Werke, daß Griechenland weder den Markt für diese Erzeugnisse noch die Rohstoffe, noch das technische Personal für den Betrieb eines solchen Werkes habe, hinderte die sinnlose Zerstörung des Werkes nicht. Rache muß sein!

Man zerstörte nicht nur völlig zwecklos schnell noch zahlreiche Betriebe, sondern verschleppte auch vorsorglich Maschinen,
um zu verhindern, daß sie von der ECA-Prüfungskommission freigegeben werden könnten.

Überall in der amerikanischen Zone passierte das gleiche: mit den Zaiser-Werken (elektrische Aufzüge und Kräne) in Stuttgart, den Frank-Werken in Birkenau (Hessen), die Glasaugen für Blinde, Meßinstrumente für die Textilindustrie und optische Präzisionsgeräte herstellten, den Gendorf-Werken in Bayern (wichtig für die Kunstfaserindustrie), der Kraftanlage der Norddeutschen Hütte in Bremen usw., usw.

In Hast wurden die Werke demontiert, bevor die ECA-Experten eintreffen konnten, und zum Großteil in die bolschewistischen Länder geschafft.
Die Marshallplan-Verwaltung machte den Deutschen offiziell Zusagen, die von der Militärregierung in Berlin sabotiert wurden.

Unter einer Militärregierung ist es stets schwierig, die Verantwortlichkeit festzulegen, ob Washington oder die Wirtschaftsberater Clays
für die Befehle verantwortlich waren, wenn möglichst viele Maschinen abtransportiert wurden, bevor die ECA eingreifen konnte.
Als die deutsche Verwaltung für die Wirtschaft zu protestieren wagte, wurde ihr von der Militärregierung bei Strafe verboten,
sich direkt mit den ECA-Behörden in Verbindung zu setzen.“

Eine Weisung an die deutschen Behörden vom 22. September 1948, unterzeichnet von Wilkinson (Wirtschaftsberater General Clays) und Sir Cecil Weir
(Wirtschaftsberater der englischen Militärregierung): „Es ist unstatthaft, daß Sie unmittelbar mit der Marshallplan-Verwaltung verkehren.“

Im September 1948 fand zwischen dem Wirtschaftsminister von Niederrhein-Westfalen, Nölting,
und dem Chef der engl. Reparations Koon an der Ruhr, Brigadegeneral Noel, eine Unterredung statt.
Der deutsche Minister teilte dem Briten mit, daß er ein deutsches Ansuchen wegen Änderungen des Demontageplanes an Mr. Hoffmann,
den Chef der ECA, weitergeleitet habe, nachdem alle Vorstellungen bei den Engländern nutzlos waren.

General Noel erklärte aufgebracht:
„Mr. Hoffmann ist nur ein Privatmann. Soweit es sich um britische Angelegenheiten handelt,
wird das englische Außenministerium keine Vorschläge in Erwägung ziehen, die von Privatpersonen vorgelegt werden.“

Mr. Hoffmann, der Chef der Marshallplan-Verwaltung, vermied es auch peinlich, mit den deutschen Industriellen und Arbeiterführern zu konferieren, um nur ja nicht den Unwillen der Militärregierung zu erregen. Bei einem Flugbesuch in Deutschland im November 1948 verbrachte er ganze 20 Minuten mit den Vertretern der deutschen
Wirtschaftsverwaltung, die eigens nach Frankfurt gekommen waren, ihn zu treffen. Das genügte zur Überreichung des gedruckten Berichtes
„Die Auswirkungen der geplanten Demontage auf Deutschlands Wirtschaftslage und ihre Rolle beim europäischen Wiederaufbau“.

Man gab den deutschen Vertretern aber keine Zeit und Gelegenheit, ihr Anliegen im einzelnen mündlich vorzutragen. Hoffmann verbrachte seine Zeit
in Paris und nicht in Deutschland und hatte keine Zeit und keine Lust zum Studium der deutschen Wirtschaftslage, was seine Aufgabe gewesen wäre.

Die Deutschen verstanden zur Not, daß man sie zwang, den von Deutschen besetzt gewesenen Ländern Reparationen zu leisten, obwohl sie,
wie z. B. besonders in Jugoslawien und der CSSR, in Ungarn, Rumänien und Bulgarien, die Wirtschaft dieser Länder nicht geschädigt,
sondern ihr im Gegenteil große Einkünfte verschafft hatten, und die Industrien dieser Länder durch Neuerrichtung bombengeschützter Betriebe
und durch Ausstattung der bestehenden Betriebe mit den modernsten Maschinen ausgebaut und entwickelt hatten.

Aber sie verstanden nicht, daß man es nicht ihnen überließ, von welchen Betrieben sie die gewünschten Maschinen nehmen wollten.
Die Deutschen beschworen die Amerikaner und Engländer beim Empfang der Demontageliste im Oktober 1947:
„Sie können alle Maschinen haben. Wir bitten Sie nur darum, uns die Entscheidung zu überlassen, von wo die Maschinen herzuholen sind.
Wenn Sie uns dies gestatten, können Unterbrechungen der Produktion und die Auflösung der Wirtschaft vermieden werden.“

Die deutsche Bitte wurde abgelehnt. Es ging nicht um Sachlichkeit. Es ging um die Vernichtung der deutschen Wirtschaft

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