Der Londoner Economist führt in seiner Nummer vom 6. Februar 1946 aus, daß Deutschland 1944 allein 44 % seiner Stahlerzeugung (also fast 9½ Millionen Tonnen von 24 Millionen Tonnen) allein für die Herstellung von Friedensbedarfsartikeln wie Nägel, Blechen, Messern, Scheren, Öfen, Röhren, Werkzeugen und Haushaltsgeräten verbrauchte.

Ein Wiederaufbau der bombenzerstörten Städte, Bauwerke und Brücken, die Wiederherstellung der Eisenbahnen und ihres rollenden Materials, der Ersatz der von den Russen, Polen, Franzosen usw. geraubten Lokomotiven und Güterwagen war unmöglich. Völlig unmöglich war auch der Bau von zusätzlichen Häusern und Wohnungen für die Millionen von Ostvertriebenen.

Fast jede Stadt, ob groß oder klein, lag in Trümmern. Niemand, der die Kriegszerstörungen in Westdeutschland sah, konnte die Schätzung der deutschen Wirtschaft bezweifeln, daß der jährliche Stahlbedarf nur für den Wiederaufbau und allein zur Deckung des Inlandbedarfes mindestens 14 Millionen Tonnen Rohstahl betrage.

Trotzdem zerstörte man die deutschen Stahlwerke.
Die Zerstörung der Stahlwerke widersprach auch dem allgemeinen Interesse der Weltwirtschaft …
Collisson erklärte in seiner Aussage vor dem außenpolitischen Senatsausschuß
„Der kritische Stahlmangel in der Welt von heute erfordert zwingend die größtmögliche Ausnutzung der deutschen Stahlerzeugungskapazität.“

Trotzdem erklärte der Steel-Productions Board (Düsseldorf) noch im August 1948:
„Es ist nicht beabsichtigt, Deutschland eine Stahlproduktionskapazität zu belassen, die es je wieder in den Stand setzen würde,
Stahl und Stahlerzeugnisse in nennenswerten Mengen zu exportieren.“

F. Utley schrieb 1949:
„Deutschland verfügt, abgesehen von Kohle, praktisch über keine Rohstoffe. Deutschlands „Reichtum“ liegt ausschließlich in der Geschicklichkeit und im Fleiß seiner Bewohner. Solange es ihm verwehrt ist, beides zum eigenen und zum Nutzen Europas zu verwenden, kann es seine Bevölkerung nicht ernähren und erhalten. Gleichzeitig bedarf auch ganz Europa mehr als dringend deutscher Maschinen.
Trotzdem standen allein 94 Eisen- und Stahlwerke auf der Demontageliste, die Deutschland im Oktober 1947 ausgehändigt wurde
und fast 700 modernste und leistungsfähige Industriewerke enthielt.“

Die New York Times schrieben in einem Leitartikel im November 1947 über die amerikanische Demontagepolitik in Deutschland:
„Wir haben die Demontierung von 682 deutschen Fabriken angeordnet, von denen die Hälfte überhaupt keine Kriegsfabriken
waren und der Rest sich leicht auf Friedensproduktion umstellen läßt.“

Umfassend war auch die Liste der Industriezweige, die Deutschland zu betreiben verboten war.
Sie umfaßte nicht nur die gesamte Kriegszwecken dienende Industrie, sondern ging weit darüber hinaus.
Verboten waren: der Schiffsbau, die Herstellung von Aluminium, Magnesium, Kugellagern, synthetischem Ammoniak, synthetischem Kautschuk, synthetischem Benzin und Öl.

Aber auch von den „erlaubten“ Industrien wurden trotzdem alle jene Betriebe demontiert bzw. ihrer Maschinen beraubt,
die nach Ansicht der Sieger für die Deckung des inneren Marktes, des eigenen deutschen Bedarfs „überzählig“ waren.

Als Ende 1947 der Befehl zur Abwrackung der Krupp-Werke gegeben wurde (die vor dem Kriege 40.000 Arbeiter beschäftigten),
erhoben die deutschen Behörden Vorstellungen wegen der dadurch verursachten Arbeitslosigkeit.

Hiezu erklärte General Bishop geistreich:
„Durch die Abwrackarbeiten werden 8000 deutsche Arbeiter auf Jahre hinaus Beschäftigung und Verdienst finden.“

Trotz heftiger Proteste der in diesen Werken beschäftigten Arbeiter wurden auch Werke demontiert, die ausschließlich Friedenszwecken dienten:
Fabriken für ganz und gar unkriegerische Dinge wie Pfannen, Tee- und Kaffeekannen, Kessel und sonstige Haushaltsgeräte, Spielwaren, Möbel,
optische Instrumente, Krankenhausbedarf,landwirtschaftliche Traktoren usw., usw.

Noch im April 1949 (!) erhielt Frankreich die Genehmigung, einen Teil der großen Stickstoffwerke in Oppeln zu demontieren, die größte europäische Anlage zur Herstellung von synthetischem Stickstoff mit einer Produktionskapazität von 750 t reinem Stickstoff täglich.

Die Folge dieser Demontage war: Die abgebauten Maschinen hatten nur mehr Schrottwert,und Deutschland mußte für den Produktionsausfall jährlich für 36 Millionen Dollar Kunstdünger einführen.

Freda Utley schreibt:
„Das Vorgehen der Franzosen in ihrer Zone kann nur mit dem der Russen verglichen werden. Die französische Zone wurde in einem solchen Ausmaß von Lebensmitteln und Maschinen entblößt, daß nur amerikanische Hilfe die dortige Bevölkerung am Leben erhalten hat … Die französische Ausplünderung führte zu wirklicher Hungersnot, bis 1948 ECA-Hilfe eintraf. Abgesehen von den 875 Millionen Dollar im Jahr, mit denen die USA die französische Wirtschaft direkt unterstützen, leisten die USA nun auch noch einen Zuschuß von 155 Millionen Dollar für die französische Zone, zum Ausgleich dessen, was Frankreich in Form von Lebensmitteln, Holz, Industrieerzeugnissen und Maschinen dort herausholt.“

Selbst Seifenwerke wurden demontiert! „Der größte Skandal der ganzen Reparationszerstörung ist die Demontage der deutschen Seifenwerke.
Die schreckliche Folge war, daß der Mangel an Seife zu einem Ansteigen der Säuglingssterblichkeit von 6 auf 18 % führte.
Jede Politik ist gegenüber einem hilflosen Volk verbrecherisch, wenn sie ihre Opfer unter den Kindern sucht.
Wäre es nicht an der Zeit, etwas praktisches Christentum zu üben?“
(Aus der Chicago Tribüne)

Über den Eifer der Engländer, durch eine umfassende Demontage die deutsche Konkurrenz gründlich zu vernichten, schreibt Freda Utley:
„Die Demontagesucht der Engländer, angefacht von dem Bestreben, den deutschen Konkurrenten auszuschalten, schien ohne Grenzen zu sein,
ebenso wie die heuchlerischen Vorwände, mit denen die Engländer deutsche Aktiva an sich brachten, um ihr eigenes Dollardefizit zu verringern.

Da gibt es z. B. den Fall der ‚Diana-Spielwaren-Fabrik‘ in der französischen Zone, die Luftgewehre herstellt.
Die Engländer veranlaßten die Franzosen, diese Fabrik als ‚Rüstungsbetrieb‘ zu erklären, um die Maschinen für sich zu bekommen.
Als ich Deutschland im Dezember 1948 verließ, lernte ich im Zug nach Ostende einen englischen Spielwarenfabrikanten kennen, der gerade aus Nürnberg kam.
Er zeigte mir Muster von Spielzeugautos mit drei Gängen und andere Beispiele deutschen Erfindungsreichtums.
Mit den deutschen Spielwarenfabrikanten könne niemand konkurrieren, meinte er. Dann erzählte er, daß ihm und anderen englischen Industriellen unmittelbar nach dem Kriegsende vom Board of Trade gesagt worden war, sie sollten passende Heeres- oder Marineuniformen bekommen, um als ‚Reparationsbeamte‘ nach Deutschland zu gehen und sich dort alle Maschinen auszusuchen, die sie wünschten oder verwenden zu können glaubten.
Er selbst habe kein Verlangen darnach getragen, sich am Raub des Lebensunterhaltes der Deutschen zu beteiligen. So hatte er das Angebot abgelehnt. Er führe auch besser, wenn er deutsche Spielwaren kaufe, statt sie in England anzufertigen.
Die englischen Arbeiter seien nicht so leistungsfähig und weigerten sich, so hart zu arbeiten wie die Deutschen.
Deshalb war es billiger, Spielzeug von den erfindungsreicheren Deutschen zu kaufen, als deutsche Maschinen wegzunehmen und damit einen Wettbewerb aufzuziehen.“

Aufreizend war auch die Demontage der deutschen Uhrenindustrie, die mit der Rüstungsindustrie nichts zu tun hat.
Die Uhrenindustrie ist hauptsächlich im Schwarzwald (damalige französische Zone) konzentriert.
Die Franzosen begannen sogleich mit der Zerstörung und Wegschaffung der Maschinen nach Frankreich.
Die Engländer waren an der Zerstörung gleichfalls sehr interessiert.
Die englische Zeitschrift British Jeweller an Metal Worker in London veröffentlichte am 1. Juli 1948
einen Bericht über die Jahresversammlung der britischen Uhrenindustrie vom 16. Juni:

„Mr. Barett, der Vorsitzende der Exportgruppe, hat in den vergangenen drei Jahren langwierige Verhandlungen und Besprechungen geführt und erreicht, daß die deutsche Produktion auf 50 % von 1938 reduziert wird. Zu diesem Zweck wird eine Anzahl deutscher Fabriken aufgelassen. Mr. W. Cope hat diese Fabriken und auch verschiedene andere England zur Verfügung gestellte Maschinen inspiziert. … Es wurde festgestellt, daß die deutsche Uhrenindustrie infolge der französischen Reparationsentnahmen nur noch über alte Maschinen verfüge. Trotz dieser Verkrüppelung vermögen die Deutschen infolge ihrer technischen Befähigung noch immer billige Uhren herzustellen. Der britische Verband müsse daher in der Frage der Ausschaltung der deutschen Konkurrenz scharf vorgehen.“

Auch die Textilindustrie wurde entsprechend erledigt.
Sie wurde der modernen Knüpf-, Rundstrick- und Webemaschinen beraubt und damit von jeder Exportmöglichkeit abgeschnitten.

Die Leder-, Holzbearbeitungs- und Bauindustrie wurden ebenfalls ihrer Ausrüstung beraubt. Drei Jahre wurde in Deutschland zerstört und geplündert,
ehe die Amerikaner erkannten, wohin dieser Weg der Zerstörung führen mußte: zur Zerstörung Europas.

Advertisements