Buna Raffinerie
Buna Raffinerie

Forschungen, die auf die synthetische Herstellung von Kautschuk zielten, sind bis zum Jahre 1860 zurückzuverfolgen, als der britische Chemiker Charles-Williams feststellte, dass “ Naturkautschuk ein Polymer des Monomers Isopren ist “ (1)
Ein durchschlagender Erfolg war den weiteren Forschungen auf diesem Gebiet allerdings erst Anfang der 1930er Jahre beschieden, als der Chemie-Professor und spätere Nobelpreisträger Hermann Staudinger einen neuen Syntheseweg für die Basisprodukte von Synthesekautschuk ( Butadien und Isopren) fand.

Deutschland war bei der Verarbeitung von Kautschuk ausschließlich auf Importe angewiesen, die zu rund 98 Prozent aus britischen und niederländischen Kolonial- und Einflußgebieten kamen. (2)
Bei der Regierungsübernahme der Nationalsozialisten, die großen Wert auf eine autarke Wirtschaft legten, betrug der Anteil von Naturkatschuk bei der Autoreifenproduktion 94,4 Prozent,(3) so dass die Forschung der Kautschuksynthese stark gefördert wurde. (4)

1935 gelang es deutschen Chemikern, “ Buna-S“ zu synthetisieren, einen Kunstkautschuk, der besonders für die Reifenproduktion geeignet war, weil er gegenüber Naturkautschuk über eine höhere Abriebfestigkeit verfügte. Mit dem zweiten Vierjahresplan der Nationalsozialisten wurde zur Verbreiterung der einheimischen Rohstoffbasis…. die Gewinnung synthetischer Rohstoffe entscheidend vorangetrieben und die Rohstoffproduktion, die bissher an “ organische “ und „natürliche“ Grenzen gebunden war, nun auf industrieller Basis aufgebaut. (5)

1936 lief die industrielle Massenproduktion von “ Buna-S “ bei der I.G. Farben AG an.
Diese baute in Schkopau ihr erstes Werk zur Herstellung von Synthesekautschuk ( Werk Buna 1 ), das 1939 mit 20,88 Tonnen die Massenproduktion erreichte.
Außerdem baute die I.G. Farben AG noch 3 weitere Werke, das “ Werk Buna II in Hüls ( Baubeginn 1938, Massenproduktion ab 1941), das Werk Buna III in Ludwigshafen/Oppau ( Baubeginn 1940, Massenproduktion ab 1943) sowie das Werk Buna IV in Auschwitz ( Baubeginn 1941, nicht fertiggestellt.)

Hergestellt wurde vor allem die Synthesekautschukart Buna-S, ein Mischpolymerisat aus 70% Butadien und 30% Styrol, das unter den verfügbaren Synthesekautschukalternativen am besten geeignet für die Reifenproduktion war. (6)
Der Synthesekautschuk erreichte 1939 einen Anteil von 22% und 1943 schon von fast 80% am deutschen Kautschukbedarf. (7)

Die Autoreifen, die mit diesem Synthesekautschuk hergestellt wurden, wiesen allerdings gewisse Qualitätsnachteile auf: Die Laufleistung lag mit knapp 3000 Kilometern deutlich unter der Laufleitung von Naturkautschukproduktionen, “ Buna“ wies eine geringere Elastizität und Klebefähigkeit auf und seine Strukturfestigkeit war nur halb so hoch wie beim Naturkautschuk.
Die “ Buna“- Reifen “ zeigten gefährliche Rissbildungen, schnelle Ermüdung, ständige Ablösungsgefahr der Lauffläche von der Karkasse und eine geringe Schlitzfestigkeit.
Einziger Vorteil war die um 20% höhere Abriebfestigkeit der Lauffläche. (8)
Der Kunstkautschuk wurde nicht nur für die Herstellung von Autoreifen verwendet; der Wehrwirtschaftsstab drängte die verschiedenen Wehrmachtteile, soweit möglich für ihre Ausrüstung ebenfalls “ Buna “ einzusetzen, zum Beispiel für Akkumulatorenkästen, imprägnierte Stoffe, Schläuche, Kabel und Dichtungsringe. (9)

Bis 1943 wurde die Gesamtjahresproduktion des Synthesekautuschuks auf 119.000 Tonnen gesteigert. Unabhängig von den Qualitätsmängeln des Syntheseproduktes bleibt festzuhalten, das ohne den Einsatz von “ Buna “ die Wehrwirtschaft erheblich eingeschränkt gewesen wäre. Eine interne Notiz des Reifenproduzenten Continental vom 16. Mai 1940 konstatiert:
“ Es muss jedoch bei dem Umfang des Problems und aller mitsprechenden Umstände unbedingt als ein großer Erfolg bezeichnet werden, dass wir bei unserer heutigen Buna-Verarbeitung trotz der Kürze der für die Herstellung vorhanden gewesenen Zeit schon mit beachtlichen Leistungen aufwarten können und – was am wichtigsten ist – den Fahrverkehr überhaupt ermöglichen. “ (10)

Die herausragende Bedeutung des Kunstkautschuks schlug sich nicht nur in Deutschland, sondern im gleichen Maße in den USA nieder. Das “ Baruch Committee “ ein von Präsident Roosevelt im August 1942 für diese Problematik eingesetzter Untersuchungsausschuß konstatierte in seinem Gutachten “ dass die Wirtschaft der USA zusammenbrechen und der Westen den Krieg verlieren werde, wenn man nicht schnell ausreichende Mengen von synthetischen Gummi produziere. „(11)

Hans Kehrl, ein bedeutender Wirtschaftsführer des Dritten Reiches, weist in seinen Memoiren darauf hin, dass das Deutsche Reich seinen Kriegsgegner USA insoweit sogar “ versehentlich “ unterstützt habe: “ Unmittelbar vor Beginn des Krieges beging ich den folgenschweren Fehler, den I.G. Farben einen Patent- und Know-how Austausch mit den USA zu genehmigen. Die I.G. Farben erhielten von Du-Pont in Amerika Lizenz und Know-how der Perlonproduktion (12) und gaben dafür Lizenz Know-how der Buna-Erzeugung.
Nach dem Kriege haben mir die Amerikaner versichert, sie hätten nicht gewußt, wie sie im Kriege ihren Gummibedarf für Reifen der Kraftfahrzeuge und Luftfahrtindustrie hätten decken sollen, wenn die Buna-Produktionen ihnen nicht mit unserer Hilfe möglich gewesen wäre.

Denn durch Japans Kriegseintritt und die Eroberung der indonesischen Inseln fiel für die USA die bei weitem größte Bezugsquelle von gänzlich aus. (13)
Die Amerikaner nutzten nach 1945 auch bei der Erfindung “ Buna “ das in Deutschland akkumulierte Wissen als eine moderne Form von “ Reparationszahlung “ für eigene militärische und ökonomische Zwecke(14) und verkauften in den USA riesige Mengen von Buna-S unter dem Namen “ Dupren .“

Die komplexen Forschungen, die von deutschen Forschern im Zusammenhang mit der Entwicklung von “ Buna “ und seinen Variationen betrieben wurde, haben jedoch nicht nur geholfen, die Knappheit an Naturkautschuk zu kompensieren. Darüber hinaus führten diese wissenschaftlichen Arbeiten zu weiteren Entdeckungen, die erst nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges Früchte trugen.
So etwa das vielfach verwendbare Kieselsäurepulver “ Aerosil“ ohne das viele Dinge des täglichen Lebens undenkbar wären, wie zum Beispiel Silikondichtungen im Sanitärbereich oder erdbebensichere Gebäudefundamente. “
„Nach Kriegsende entwickelte sich Aerosil zu einem Verkaufsschlager, der sich erholenden deutschen chemischen Industrie “ (15)
Ein weiteres Beispiel für spätere wissenschaftliche Erfolge, die auf den “ Buna “ Forschungen basierten, sind die vom deutschen Chemiker Karl Ziegler entwickelten Katalysatoren, mit denen die Herstellung von synthetischen Polyisopren möglich wurde, dessen Eigenschaften nahezu identisch mit dennen von Naturkatuschuk sind. (16)

Fußnoten:

1.) Microsoft Encarta.
2.) Vgl. Treue, S.252
3.)Vgl. Erker, S.414
4.)Vgl. ebd., S. 412
5.)Bauer/Dehen, S.83
6.)Streb, S. 370
7.)Vgl. Peters, 1994, S.112
8.)Zu Details der Qualitätsbewertung der Buna-Reifen, vgl. Erker, S.412 ff
9.)Vgl. Treue, S.257
10.)Erker, S.425
11.)Treue, S.306
12.)Fehler Kehrls. Im Gegensatz zum ähnlichen Nylon wurde Perlon von deutschen Wissenschaftlern erfunden.
13.) Kehrl, S.94
14.)Streb,S.377
15.)Henco, S.17 f
16.) Vgl. Streb, S.378

Buna Reifen
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