Hans Kammler
Hans Kammler

Auf der Suche nach Kammlers SS-Schatz:
bewaffnete US-Expedition in die Tschechoslowakei 1946

Die deutsche Forschung während des Zweiten Weltkrieges besaß eine komplizierte Verwaltung und änderte laufend in ihrer Organisation. Je weiter der Krieg voranschritt, desto mehr konnte sich die SS ihre Kontrolle über wichtige Bereich der deutschen Forschung sichern. Die SS hielt es nie für wichtig, das Deutsche Patentamt von den Entdeckungen und wissenschaftlichen Fortschritten der Institutionen und ihrem Schutz zu informieren.

Kammler war in allen Siegeswaffen-Projekten maßgeblich involviert und wurde nun auch in die Vorbereitung der Abschüsse dieser Rakete einbezogen. Er wurde letztlich zum Kommandierenden eines Armeekorps ernannt, dem der gesamte Einsatz der V2 und der V1 unterstand. Im Bereich der Skodawerke von Pilsen und Brünn errichtete der „Kammler-Stab“ ein geheimes Hochtechnologieforschungszentrum der SS

SS General Dr. Hans Kammler hatte sich hierzu unter Umgebung der üblichen industriellen, wissenschaftlichen und militärischen Kanäle eine eigene Organisation, die Kammler-Gruppe, geschaffen.

Ihre Funktion kann am ehesten mit einer heutigen Denkfabrik verglichen werden. Sie war bei den Skoda Werken in Prag angesiedelt. Kammlers Organisation sammelte potentielle kriegsentscheidende Ideen.

Auch wenn die Vorschläge noch so vom konventionellen Gedankengut abwichen, ließ die SS nach ihnen Forschen und auf ihre praktische Umsetzbarkeit hin untersuchen. Ohne sich um die anderen deutschen Forschungseinrichtungen zu scheren, entwickelte man die Ideen fertig, um dann die Herstellung des entsprechenden Gerätes bei einer geeigneten Industriefirma zu koordinieren und es an die Front zu bringen.

Der 20 Jährige “ Erfinderschutz “ den üblichen Patente gewährten, wurde als ein Zopf der Vergangenheit angesehen und für unnötig gehalten. Die ganze Schöpfungskette vom Erfinder bis hin zur Verteilung an die Fronttruppen
stand unter Kontrolle von Himmlers Mannen. Zusätzlich zur SS Forschung gab es eine Reihe von einzelnen Erfindern, die mit ihren jeweiligen Laboratorien über das ganze Machtgebiet des deutschen Reiches verteilt lagen.
Als der Krieg endete, wurden ihre wissenschaftlichen Erkennntnisse von bekannten oder unbekannten Institutionen eingesammelt. Es dürfte kaum ein Geheimnis sein, daß sich in manchen Fällen die Kammler-Gruppe dahinter verbarg.

Bis Kriegsende war auf diese Weise eine ganz neue Forschungs-, Produktions- und Kontrollstruktur für wissenschaftliche Erkentnisse entstanden, die ihre normalen Kanäle der deutschen Forschung umging oder ersetzte.
Am Ende ihrer aktiven Zeit saß so die Kammler-Gruppe auf einem riesigen Schatz von Mikrofilmen mit Kenntnissen der revolutionärsten deutschen Forschungsgeheimnisse. Es ging unter anderem um atomare
Technologien für den Antrieb von Flugzeugen und Lenkwaffen, Zyklotrone und Laser Projekte (1)
Die Geheimhaltung Hans Kammlers war so erfolgreich, daß die Allierten keinerlei Ahnung von der Kammler-Gruppe hatten, als sie im Frühjahr 1945 nach Deutschland eindrangen.

Der SS-General war ihnen bis dahin nur als wichtiger Mann bei der Raketenrüstung bekannt. Wie der General seiner Frau erzählte, hatten ihm die Amerikaner bereits auch ein Angebot zum Aufbau einer Raketenindustrie in den USA unterbreitet.

Kammler verübte dann bei Kriegsende angeblich Selbstmord.

Am 4. Mai 1945 hielt sich Kammler in Ebensee auf, um am selben Tag nach Prag zu fahren. Hier verliert sich dann seine Spur. Ohne Beweise wird behauptet, er habe am 9. Mai 1945 Suizid begangen. Durch Beschluß des Amtsgerichtes Berlin-Charlottenburg vom 7. September 1948 wurde Kammler für tot erklärt.

Jedoch verschwand er im Jahre 1945 u.a mit der Glocke, sämtliche Projektunterlagen sowie er selbst und viele seiner Mitarbeiter für immer.

Als man schließlich im Juli 1945 vom Chef des Reichsforschungsratest, Prof. Dr. Osenberg, erfuhr, daß es noch eine parallele Denkfabrik der SS für moderne Technologie unter Kammler gab, hielten die Westmächte, so gut es möglich war, ihre Erkenntnisse über Kammler geheim. Man wollte so die Sowjets, in deren Machtbereich sich Kammlers ehemaligen Zentralen befunden haben, nicht unnötig aufmerksam machen. Selbst der Name Hans Kammler wurde, so gut es ging, aus offiziellen Akten verbannt.
Kammler hatte aber auch zu den Sowjets wohl vor Kriegsende Kontakt aufgenommen, da er den Amerikanern nicht vertraute. Das hatte zur Folge, daß West und Ost bis heute um Kammler und sein Verbleiben ein Katz- und Maus Spiel führen.

Offizielle amerikanische Untersuchungskommisionen zu den Skoda Werken, die ab Mai 1945 unter Kontrolle der Sowjets standen, ließen nur wenig dafür Alarmierendes erkennen. Dümmliches Verhalten des kommandierenden US-Offiziers hatte vorher bei der Übergabe der Skoda Werke von der US-Army an die Sowjets zur Übergabe entscheidene Akten über die deutsche Raketenforschung an die Russen geführt.
Mindestens zwei US-Geheimdienstmissionen wurden danach zu Skoda entsandt, konnten jedoch trotz kooperationswilliger deutscher und tschechischer Skoda Mitarbeiter wegen engmaschiger Überwachung durch östliche Geheimdienstleute nicht an genaue Erkenntnisse kommen. Die betreffenden Geheimdienstinformationen über diese Zeit sind bis heute größtenteils “ geschwärzt “ Der Forscher Henry Stevens entdeckte aber auf einer lesbaren Seite des betreffenden US Regierungsmikrofilms, daß dort eine
Nachforschung nach 2,5 Millionen Skoda-Zeichnungen auf Mikrofilm in drei Höhlen unmittelbar östlich von Srbsko (L-5863) angeregt wurde, für den Fall, daß die Amerikaner nicht mit der Völlständigkeit der bisherigen Nachforschungen zufrieden seien.

Leider bleibt das, was unter “ nicht zufriedenstellend “ (not satified) zu verstehen war, bis heute unter Schwärzung verborgen. Es dürfte sich um sehr wichtige Dinge gehandelt haben, die bis heute der Öffentlichkeit verschwiegen werden sollen.
Vergessen hatten die Amerikaner den Schatz der Kammler-Gruppe also nicht, man wußte nur nicht, wie man an ihn herunterkommen konnte. Dies änderte sich plötzlich, als am 13. Oktober 1945, fünf Monate nach Ende der Feindseligkeiten in Europa,die französische Botschaft in Prag das tschechoslowakische Außenministerium davon unterrichtetem daß ein SS-Offizier in einem französischen Gefangenenlager ihnen die Informationen gegeben habe, es existieren ein Versteck von Geheimdokumenten in der Nähe von Prag. Dieses Versteck habe die Form eines Tunnels, in dem 32 Schachteln mit geheimen Dokumenten versteckt seien. Sie seien von der SS mit Minen verdrahtet worden, bevor der Eingang des Tunnels versiegelt wurde.

Die Franzosen boten den Tschechen dehalb ihre Dienste und alle Informationen an, die sie von dem SS-Offizier Günther Achenbach bekommen hatten. Aber selbst nach monatelangen Warten erhielt Paris vom tschechoslowakischen Außenministerium keinerlei Antwort.
Irgendwie bekamen die Amerikaner Wind von dieser Information und gelangten auch an die Einzelheiten von Achenbachs Aussagen. Unglaublicherweise veranstalteten die USA am 13. Februar 1946 mitten im Frieden eine bewaffnete Mission in die Tschechosolowakei, bargen die Mikrofilmkisten und entkamen trotz Entdeckung durch die tschechoslowakischen Behörden mit ihrer Beute unversehrt wieder in das besetzte Deutschland. Selbstverständlich reagierte die Tschechoslowakei mit Empörung wegen dieses Verstoßes gegen das
Völkerrecht und verlangte neben einer Entschuldigung von den Amerikanern auch die Rückgabe der von ihrem „souveränen Territorium“ gestohlenen ehemaligen deutschen Dokumente (1)

Die Amerikaner entschuldigten sich dann auch förmlich für ihre bewaffnete Invasion und gaben mitgenommenes Material an die Tschechen zurück. Es kann aber sich davon ausgegangen werden, daß sich darunter nicht die Mikrofilmdokumente befanden, deretwegen die Expedition
unternommen wurde. Für die wirtschaftliche Nachkriegsverwertung durch die USA hatten Beutedokumente wie die aus der Tschechoslowakei mitgenommenen Mikrofilme der Kammler- Gruppe den großen Vorteil, daß sie keine Fingerabdrücke, wie offizielle Patentanbindungen oder andere Anmeldungen besaßen, so das man nun über die revolutionärsten Erfindungen ( wie zum Beispiel die Laser-Technologie) völlig ungestört nach Gutdünken verfahren konnte. Dies war gerade wichtig, wenn man solche Erkenntnisse bis zu ihrer
“ Wiedererfindung “ unter Umständen Jahrzehnte geheimhalten musste oder bis auf weiteres ganz der Öffentlichkeit vorenthalten wollte.

Allerdings sieht es so aus, als sei den bewaffneten US-Beutegreifen nicht alles an Material in die Hände gefallen, was es über die Kammler-Gruppe gab. Schon das veröffentlichte Fragment des Institutionsberichts über die Skoda Werke vom Sommer 1945 spricht
über drei unterirdische Verstecke. Im Februar 1946 wurde aber nur eines ausgeräumt. Bereits im Buch “ Atomziel New York “ veröffentlichte ich ( Georg Friedrich) zusammen mit Thomas Mehner die Aussage eines Zeugen, der zufolge heute immer noch 2,5 Tonnen wertvollsten Archivmaterials
unversehrt und vor fremden Zugriff geschützt, in einem Geheimdepot versteckt ist (3)

1.)Tom Agoston, Teufel oder Technokrat, Hitlers graue Eminenz, Mittler Berlin- Bonn 1993, S90-93

2.)Henry Stevens, Hitler`s suppressed and still secret Weapons, Science and Technology, Adventures Unlimited, Kempton 2007, S.326-331

3.)Friedrich Gehorg u. Thomas Mehner, Atomziel New York, Geheime Großraketen- und Raumfahrtprojekte des Dritten Reiches, Kopp, Rottenburg 2004, S.257

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