Bernhard Rust 1936
Bernhard Rust 1936

Am 7. Juni 1939 erließ die Reichsregierung das “ Gesetz zur Führung akademischer Grade “ , welches u.a regelt, unter welchen Umständen im Ausland erworbene Titel in Deutschland geführt werden dürfen und wann es einer Hochschule erlaubt ist, einen einmal verliehenen Titel wieder zu annulieren. Mit diesem Gesetz sollte zum Beispiel verhindert werden, dass akademische Titel und Grade in Deutschland verwendet werden, die unter obskuren Umständen im Ausland – zum Teil wortwörtlich “ erworben “ wurden. Aus heutiger Perspektive interessant ist dabei auch jener Passus vom §4 dieses Gesetzes, der die Entziehung ( oder Vorenthaltung ) akademischer Grade erlaubt, falls die verleihende Universität zu dem Schluss kommt, dem Kandidaten mangele es an akademischer Würde:

„(1) Der von einer deutschen staatlichen Hochschule verliehene akademische Grad kann wieder entzogen werden,…

b) wenn sich nachträglich herausstellt, dass der Inhaber der Verleihung eines akademischen Grades unwürdig war,

c) wenn sich der Inhaber durch sein späteres Verhalten der Führung eines akademische Grades unwürdig erwiesen hat.

Da dieses Gesetz keine nationalsozialistische Denkweise enthält, ist es bis heute gültig, wenngleich nicht mehr als Reichs- bzw Bundesrecht, sondern nurmehr als Landesrecht, da die Verleihung von akademischen Graden Hochschulrecht, also Ländersache ist.
Als eines akademischen Grades unwürdig gilt man laut laufender Rechtssprechung, wenn man seine akademischen Kenntnisse und Fähigkeiten zur Begehung eines Verbrechens missbraucht hat, das zu einem Eintrag ins polizeiliche Führungszeignis führt ( = Freiheitsstrafe von einem Jahr und mehr)
Das Gesetz ermöglicht auch politischen Missbrauch.

Prominentestes Opfer der Nachkriegszeit war der Hamburger Finanzrichter, Dr. jur. Wilhelm Stäglich, dem die Universität Göttingen seinen Doktortitel aberkannte, obwohl Dr. Stäglich niemals strafrechtlich verurteilt worden war.
Ihm wurde vorgeworfen, dass er eine juristische und historische Analyse des Frankfurter Auschwitz- Prozesses (1963-1965) durchgeführt hatte, die für gewisse Herren und Kreise “ unerwünschte Feststellungen und Ergebnisse “ enthielten.

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