Links der deutsche Agfacolor Film, Rechts der amerikanische Kodachrome Film.
Links der deutsche Agfacolor Film, Rechts der amerikanische Kodachrome Film.

Chemiker und Fototechniker hatten schon seit Jahrzehnten experimentiert, um auf der Basis der drei Grundfarben ein relativ naturgetreues sowie dauerhaftes photographisches Bild herzustellen. Doch die dabei auftretenden chemischen Probleme entzogen sich lange Zeit einer Lösung.
Die Farben “ waren nicht lange haltbar, die Bilder zudem häufig farbstichig, und in der Produktion arbeits- und kostenintensiv „.
So dauerte es bis Mitte der dreißiger Jahre, bis nahezu parallel in den USA und in Deutschland ein brauchbares Farbfilmverfahren entwickelt wurde.
Die Eastman Kodak Company stellte mit ihrem Kodachrome-Film 1935 den ersten kommerziell erfolgreichen Farbfilm vor, der mit großer Schärfe und Feinkörnigkeit eine lebendige und naturtreue Farbwiedergabe ermöglichte.

Nur wenig später konnte die Fotoabteilung von Agfa einen geleichartigen Durchbruch in der Farbfotografie melden: Eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Dr. Wilhelm Schneider legte nach zweijähriger Forschungsarbeit den Farbfilm “ Agfacolor Neu “ vor, einen sogenannten Dreischichtenfilm.
Hierbei handelte es sich um das erste Negativ-Positiv-Verfahren mit chromogener Entwicklung. Die sogenannten Farbkuppler-chemische Substanzen, welche die drei Grundfarben nach der subtraktiven Farbmischung erzeugen- waren beim Agfacolor-Film bereits in der Filmemulsion vorhanden, während beim Film von Kodak die Farbschichten erst im Entwicklerbad durch die Kuppler herausgekehrt wurden.
„Dadurch hatte Agfacolor gegenüber seinem Konkurrenten den entscheidenden Vorteil, grundsätzlich einfacher in der Verarbeitung und zudem sowohl für die Herstellung von Dia- und Negativfilmen als auch für die Filmproduktion anwendbar zu sein. Der Vorteil des amerikanischen Verfahrens mit dem Farbkuppler im Entwicklerbad lag hingegen darin, dass sich keine Farbstoffwölkchen um die Silberkörner bilden konnten, so dass es ein feineres Korn gab und die Bilder dadurch eine größere Schärfe und eine höhere Detailauflösung aufwiesen.“

Die im Oktober 1936 vorgestellten ersten deutschen Farbfotos lösten in der Öffentlichkeit große Begeisterung aus.
Die Kölnische Volkszeitung sprach von einem “ Triump der deutschen Chemie „. Ein anderer Zeitungsartikel, der von den olympischen Schwimmwettbewerb berichtete, lässt das Erstaunen über die realistische Wiedergabe des Bildgegenstandes erkennen:
„selbst die braungebrannten Menschen waren von den frisch angekommenen genau zu unterscheiden.“

Agfacolor setzte sich ab Anfang der vierziger Jahre auch in der Kinoproduktion durch. Der mit diesem Verfahren produzierte erste abendfüllende deutsche Kinofarbfilm mit dem Titel “ Frauen sind doch bessere Diplomaten “ war farbtechnisch noch relativ unausgereift, so dass intensiv an der weiteren Verbesserung des Verfahrens gearbeitet wurde.
Der Erfolg dieser Bemühungen war in dem Film “ Münchhausen „zu sehen, der zum 25 jährigen UFA- Jubiläum uraufgeführt wurde und farbtechnisch die Qualität des aufwendigen Technicolor- Verfahrens erreichte.
Der für den deutschen Film zuständige Reichsminister Dr. Joseph Goebbels notierte nach einer Mustervorführung des Films vom 26. September 1942: “ In der Entwicklung des Farbfilms sind wir jetzt in ganz Europa führend. Ich glaube sogar, dass wir die Amerikaner, wenn nicht überrundet, so doch eingeholt haben. Es ist geradezu wie ein Wunder anzusehen, dass es uns gelungen ist, mitten während des Krieges solche Fortschritte zu machen.“

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen verschiedene Firmen das Agfacolor-Verfahren. Agfa selbst stellte in den frühen 1980er Jahren auf das Kodak-Verfahren um, so dass Agfa- und Kodak-Farbfilme im selben Entwicklungsverfahren bearbeitet werden können.

Kulturfilme in Agfacolor 1940-1944 (Auswahl):

Bunte Lurch- und Kriechtierwelt (De 1940, P.: UFA)1
Thüringen, das grüne Herz Deutschlands (De 1940, P.:UFA)

Farbe im Film (De 1941, P.: UFA)1
Rügen (De 1941, P.: UFA)1
Friedliche Jagd mit der Farbenkamera (De 1941, P.: Terra)1

Kleine Elsaßfahrt (De 1942, P.: Boehner)1
Märkische Fahrt (De 1942, P.: UFA)1
Ostpreußens Wüste am Meer (De 1942, P.: UFA)1
Im Tal der Wiese (De 1942, P.: UFA)1
Frühling in den Vogesen (De 1942, P.: UFA)1
Verträumte Winkel an Neckar und Main (De 1942, P.: UFA)1
Heimliche Gäste in Wald und Flur (De 1942, P.: UFA)1

Wolkenspiel (De 1943, P.: UFA)1
Künstler bei der Arbeit (De 1943, P.: Bavaria)1
Die große deutsche Kunstausstellung 1943 (De 1943, P.: Bavaria)1
Buntes Leben in der Tiefe (De 1943, P.: UFA)1
Abend am See (De 1943, P.: Otto Trippel/Wien-Film)1
Blüten und Früchte (De 1943, P.: Otto Trippel/Wien-Film)1

Balthasar Neumann und Würzburg (De 1944, P.: Dr. M. Zehenthofer)1
Salzburger Harmonien (De 1944, P.: Dr. M. Zehenthofer)1
Romantisches Burgenland (De 1944, P.: Dr. H. Cürlis)1
Wegbereiter der klassischen Kunst (De 1944 P.: Dr. H. Cürlis)1
Bodensee-Fischerei (De 1944, P.: O. Trippel)1
Der Bussard (De 1944, P.: Prof. W. Hege)1
Kraniche ziehen gen Süden (De 1944, P.: Prof. W. Hege)1

Spielfilme in Agfacolor 1941-1945:

Die Jahreszahl steht für die Erstausstrahlung im Kino

Komplette, fertige Filme:

Frauen sind doch bessere Diplomaten ( De 1941, G. Jacoby)
Die goldene Stadt (De 1942, V. Harlan)
Das Bad auf der Tenne (De 1943, V. von Collande)
Münchhausen (De 1943, J. von Baky)
Immensee (De 1944, V. Harlan)
Opfergang (De 1944, V. Harlan)
Die Frau meiner Träume (De 1944, G. Jacoby)
Große Freiheit Nr. 7(De 1944, H. Käutner)
Kolberg (De 1945, V. Harlan)
Die Fledermaus (De 1946, G. von Bolvary)
Ein toller Tag (Figaro, De 1954, O. F. Schuh)
Wiener Mädeln (De/Österreich 1949, W. Forst)
Das kleine Hofkonzert (De 1949, P. Verhoeven)

Nicht fertig gestellte Filme:

Wir beide liebten Katharina (De, Österreich. M. Rabenalt)
Shiva und die Galgenblume (De, H. Steinhoff) – Teilweise rekonstruiert 1993
Der Puppenspieler (De, Österreich. Braun)

Alte orignal Anleitungen,Technische Papiere usw.

Schneider, Wilhelm; Wilmanns, Gustav (1937): Agfa-Color-Neu. In: Veröffentlichungen des wissenschaftlichen Zentral-Laboratoriums der photographischen Abteilung Agfa, 5, 1937, pp. 29-36.
http://zauberklang.ch/filmcolors/timeline-entry/1276/#/infobox/1276-1

IG Farbenindustrie, Berlin; Hrsg. (n.d.): Das Agfacolor Farbenfilmverfahren. Negativ-Positiv-Verfahren für die Kinoindustrie. Berlin: Deutscher Vlg. o.J.
http://zauberklang.ch/filmcolors/timeline-entry/1276/#/infobox/1276-2

Senger, Norbert (1943): Fortschritte auf dem Gebiete des Agfacolor-Verfährens. In: Film und Farbe. Vorträge auf der gemeinsamen Jahrestagung Film und Farbe in Dresden, 1.-3. Okt. 1942. Berlin: Max Hesse 1943.
http://zauberklang.ch/filmcolors/timeline-entry/1276/#/infobox/1276-3

Schmidt, Richard; Kochs, Adolf (1943): Farbfilmtechnik. Eine Einführung für Filmschaffende. Berlin: Hesse, pp. 54-125. (Schriftenreihe der Reichsfilmkammer, 10.)
http://zauberklang.ch/filmcolors/timeline-entry/1276/#/infobox/1276-13

Weil, Franz (1937): Psychologische Bemerkungen zur Farbenfotografie. In: Veröffentlichungen des wissenschaftlichen Zentral-Laboratoriums der photographischen Abteilung Agfa, 5, 1937, pp. 77-84.
http://zauberklang.ch/filmcolors/timeline-entry/1276/#/infobox/1276-16

Richter, Manfred (1942): Filmtechnik und Farbwissenschaft. In: Kinotechnik, 24, 1942, pp. 127-129.
http://zauberklang.ch/filmcolors/timeline-entry/1276/#/infobox/1276-31

Aufnahmen des Films Münchhausen aus dem Jahre 1943, aufgenommen mit den Agfacolor Filmverfahren.
Aufnahmen des Films Münchhausen aus dem Jahre 1943, aufgenommen mit den Agfacolor Filmverfahren.
Weitere Aufnahmen aus dem Baron Münchhausen Film
Weitere Aufnahmen aus dem Baron Münchhausen Film
Aufnahme des Films " Die große Freiheit " von 1944, ebenfalls mit dem Agfacolor Film aufgenommen worden.
Aufnahme des Films “ Die große Freiheit “ von 1944, ebenfalls mit dem Agfacolor Film aufgenommen worden.
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