Der Ingenieur und Panzerentwickler Ferdinand Porsche (rechts im Anzug) mit Hitler und Facharbeitern.
Der Ingenieur und Panzerentwickler Ferdinand Porsche (rechts im Anzug) mit Hitler und Facharbeitern.

Bis Sommer 1944 finden sich überzufällig oft Lügen und Tricksereien von seiten gewisser Herren des Heereswaffenamtes zur Verhinderung von wirksamen und neuartigsten Waffensystemen.

Auch wurden Produktionszahlen schamlos nach oben jongliert, obwohl die betreffenden Werke zerbombt waren. Verluste verschwieg man in Meldungen nach oben und vermied systematisch Diskussionen über abenteuerliche Vorfälle, die mit totaler Kriegsführung so gar nichts zu tun hatten. (1)

Schon in einem andere Werk ( Verrat an der Ostfront 1941/1942) haben wir dargelegt, wie der Einsatz der Riesenmörser “ Karl “ vor Wielky Dzial wegen angeblicher technischer Defekte nicht stattfand.

Auch auch nachdem die zweite „Karl “ Batterie erfolgreich die Zitadelle von Brest-Litowsk am 22. Juni 1941 beschossen hatte, wurde nach Berlin zurückgemeldet, dass die “ Karl “ Geschütze ebenfalls schon nach wenigen Schüssen versagt hätten, weil Granaten in ihren Läufen steckengeblieben seien. Oberst Gallwitz vom Heereswaffenamt fuhr daraufhin sofort am 24. Juni 1941 zur 2833. „Karl “ Batterie bei Brest-Litowsk, um sich nach den Gründen dieser Störung zu erkundigen. Dort stellte er überraschend fest, dass die Meldung, jedes “ Karl “ Geschütz habe nur 2 bis 3 Schüsse abgeben können, bevor sein Rohr blockierte, völlig falsch war. In Wirklichkeit gingen alle Schüsse problemlos aus den Rohren. (2)

Völlig rehabilitiert konnten die überschweren “ Karl “ Mörser mit ihrem Kaliber von 60 oder 54cm trotz geringer Zahl zum Dorn im Fleisch der Allierten vor Sewastopol, Warschau, in den Ardennen und bei Remagen werden.

Neben direkten Falschmeldungen versuchte man weiter, Testergebnisse im Sinne des Heereswaffenamtes zu manipulieren, um die Einführung unerwünschter Waffensysteme zu verhindern.

So berichtete Prof. Ferdinand Porsche, wie auf dem Truppenübungsplatz in Bad Berka gezielt die Motoren von deutschen Panzern künstlich hochfrisiert wurden, um im Vergleich mit ausländischen Panzern ein besseres Ergebnis zu erzielen. Die tatsächlich verwendeten Frontversionen brachten dann weit schlechtere Leistungen.

Besonders verhaßt waren dem Heereswaffenamt auch die “ Maultiere “ Hier handelte es sich um sogenannten Gleisketten-LKW, eine einfach und geniale Lösung.

Sie sollten eine Lösung für das Transportproblem an der Ostfront bringen, wo die Masse der deutschen Lastkraftwagen mit ihren Hinterradantrieben auf den unbefestigten Straßen Russlands katastrophal scheiterte. Selbst LKW mit Allrad-Antrieb konnten die an sie gestellten Anforderungen in Sand, Matsch und Eis oft nicht erfüllen.

Eine Lösung boten hier die Gleisketten-Fahrzeuge an. Ihre Umrüstung von einem hinterachsgetriebenen LKW konnte ohne großen Aufwand geschehen.

Obwohl der Bedarf an diesen hoch geländegängigen Fahrzeugen riesengroß war, versuchte das Heereswaffenamt auffällig, die Einführung des Systems zu hintertreiben. Ein Bericht von SS- Gruppenführer Jüttner vom 7. Dezember 1942 an den Reichsführer SS Himmler berichtete über Versuchsfahrten des Heereswaffenamtes am 9. November 1942 in Bad Berka: “ Für die SS war die Beurteilung der als Zugmaschine bzw als Gleisketten-Fahrzeug umgebauten LKW das Wertvollste. Es war jedoch in Berka offensichtlich, dass das Heereswaffenamt, das die Versuche leitete, darauf abzielte, die Unbrauchbarkeit der “ Maultiere “ zu beweisen. “

Der Bericht aus Bad Berka stand, so Hübner, im krassen Gegensatz zu allen seither durchgeführten Versuchen, “ bei denen sich vier Fahrzeuge bis jetzt auf etwa 8000km , davon zum größten Teil schwierigstes Gelände und Kopfsteinpflaster, erstreckte. Fehler hätten sich dabei keine gezeigt. “ (3)

Nachdem sich der Test nicht richtig hatte manipulieren lassen, erreichten die betreffenden Herren des Waffenamtes, dass nach der Vorführung in Berka ein Prüfausschuss eingesetzt wurde. So verging weitere wertvolle Zeit. Diesmal zog das Heereswaffenamt aber gegen die SS den kürzeren. Die SS-Maultierausführung wurde bei Ford, Magirus und Opel in größten Stückzahlen hergestellt.
Daimler-Benz brachte eine 4,5t „Maultier- Version“ mit dem Fahrgestell des alten Panzer II heraus.

Obwohl viele Monate nutzlos “ vertan “ worden waren, zeigten sich die Maultiere bis Kriegsende nicht nur äußerst erfolgreich im Osteinsatz, sondern gelangten auch nach Frankreich, Italien und ins Heimatkriegsgebiet. Erbeutete Fahrzeuge wurden von den Allierten getestet und sofort weiter verwendet.

Mehr Erfolg als beim “ Maultier “ hatten die Saboteure im Heereswaffenamt auf dem Gebiet der Handfeuerwaffen. So wurde der bereits seit Ende der dreißiger Jahre entwickelte Maschinenkarabiner M-35 von Vollmer vom Waffenamt nach Kriegsbeginn aus fadenscheinigen Gründen einfach abgelehnt. (4)

So ging die deutsche Wehrmacht mit dem alten K-98 in den Weltkrieg. Erst später, nachdem man an der Ostfront mit überlegenen russischen Handfeuerwaffen und Selbstladern in Kontakt gekommen war, wurden die Neuentwicklungen G-41, G-43 ( Selbstlader) und “ Sturmgewehre “ ( Maschinenkarabiner ) eingeführt.

Einen weiteren Erfolg hatten die zuständigen Stellen des Heereswaffenamtes auch bei der Verhinderung des rechtzeitigen Nachbaus der englischen “ Sten- Maschinenpistole „.
Die “ Sten „- Maschinenpistole war eine damals einfache und perfekte Waffe, die vor allem schnell und billig hergestellt werden konnte.

Eine Besonderheit der “ Sten “ war, dass an ihr ein wirksamer Schalldämpfer angebracht werden konnte.
SS-Obersturmbannführer Otto Skorzeny besorgte sich noch als Kommandeur des Bataillons Friedental z.b.V. diese Spezialwaffe mit Schalldämpfer über mit den Deutschen zusammenarbeitende Widerstandsorganisationen in Holland. Skorzeny schrieb hierzu: “ Selbstverständlich war es für ein Sonderkommando oder ein Spähtrupp von ganz besonderem Vorteil, wenn die Soldaten, falls sie zum Schießen gezwungen waren, dies fast lautlos tun konnten. Auch für die Frontsoldaten war eine mit derartigen Waffen ausgerüstete Patrouille von größter Wichtigkeit, und es konnten mit geringfügigsten Verlusten die besten Resultate erzielt werden. “

Abgesehen vom Schalldämpfer bot die “ Sten “ noch mehr Vorteile, sie war den deutschen MP´s um vieles überlegen, und zwar aus mehreren Gründen. Viel schneller in ihrer Herstellung, kostete sie auch wesentlich weniger als unsere, die allerdings treffsicherer war.
Die “ Sten “ konnte aber ins Wasser fallen, in den Schnee, in den Schmutz- sie funktionierte noch. Unsere nicht. Warum keine lautlosen “ Sten “ serienmäßig herstellen?

“ Ich versuchte, zwei hohe Offiziere des “ Wehrwirtschaft- und Rüstungsamtes“ , zu überzeugen. Ich lud sie zum Abendessen nach Friedenthal ein und demonstrierte ihnen im Selbstversuch diese Waffe. Die Offiziere waren sichtlich sehr beeindruckt. Aber die MP-Lektion wirkte nicht. “

Die Antwort, die Skorzeny von Mitarbeitern des Heereswaffenamtes erhielt, war lakonisch: “ Sie haben im Prinzip wahrscheinlich recht. Aber, das geben sie selbst zu: Die Sten-MP ist keine Präzisionswaffe. Der Führer hat wiederholt gesagt, dass jeder deutsche Soldat ein Recht auf beste Waffen in jeder Hinsicht hat, und wir können nicht die Verantwortung übernehmen, die Herstellung einer MP zu empfehlen, die, wenn auch lautlos, ungenauer ist als das, was wir schon in deutscher Fabrikation besitzen. Heil Hitler! “ (5)

Derartige bewußte Verzerrungen von Führeranordungen und sogar die Erfindung solcher Anordungen waren eine beliebte Methode der Saboteure und Verräter.

Tatsächlich war die Wehrmacht schon 1941 mit Maschinenpistolen des Typs “ Sten “ aus englischer Produktion in Kontakt gekommen. Ihre Bauweise wurde aber von den zuständigen Herren sofort als Primitivkonstruktion abgewertet und eine Verwendung abgelehnt – erbeutete Waffen verschwanden sofort in den Arsenalen.

Den Deutschen gelang es über Skorzeny, einige “ Sten “ mit Schalldämpfern in die Hände zu bekommen. Als 9mm MP751(e) kam die Beutewaffe bei verschiedenen Aktionen von Wehrmacht, SD und SS zur Partisanenbekämpfung erfolgreich zum Einsatz.

Erst nach den Ereignissen des 20. Juli 1944 und den damit verbundenen Umbesetzungen im Heereswaffenamt scheint man sich der Maschinenpistolen des Systems “ Sten 9mm “ wieder erinnert zu haben.

Mit großem Elan wurden nun, da die Zeit fast für das Dritte Reich verstrichen war, solche Waffen vor allem für die Angehörigen des Volkssturms, auch auch für die hinter der Front operierenden “ Werwolf “ Kräfte gefordert. Die Nachbauten wurden “ Gerät Potsdam “ und “ Neumünster “ genannt.

Am 12. Oktober 1944 entschloss sich Rüstungsminister Speer, bis Dezember 1944 auf eine Monatsanfertigung von 100.000 MP “ Sten “ zu kommen. Was jahrelang systematisch hintertrieben wurde, sollte nun viel zu spät nachgeholt werden.

Tatsächlich hergestellt wurden bis Kriegsende aber nur noch rund 50.000 Stück. Darunter waren 28.000 Spezialausführungen des “ Geräts Potsdams “ die bis ins Detail, einschließlich Kennzeichenprägung in englischer Sprache, dem britischen Original- Sten- Typ MK 2 entsprachen. Der Auftrag wurde binnen sechs Wochen erledigt und brachte der Firma Mauser einen wesentlich höheren Gewinn ein, als das mit Mauser- Mehrladekarabinern des Models K98k möglich gewesen wäre. Bis heute ist unbekannt, wofür die nachgebauten „originalenglischen “ MP´s verwendet werden sollten. In diesem Zusammenhang gibt es in zahlreichen Veröffentlichungen viele Spekulationen. Tatsache ist, dass die “ originalenglischen “ Nachbau- Waffen spurlos verschwunden sind. (6)

Als Fazit dieser und auch an anderer Stelle gezeigten Bemühungen , die Einführung wichtiger Waffensysteme zu hintertreiben, ist klar, dass die Bemühungen des Saboteure nicht in jedem Fall Erfolg hatten, soweit es um die Einführung aussichtsreicher Waffen ging. Eine Verzögerung mit Folgen für die Kriegsführung des Dritten Reiches war aber fast immer der Fall. Die Entwicklungen kamen so meist zu spät und in zu geringer Zahl zu den dringend darauf wartenden Landser.

Fußnoten:

1.) Peter Müller, Ferdinand Porsche. Ein Genie unserer Zeit, Stocker, Graz 1965, S. 177 u. 183 f.
2.) Thomas L. Jentz, Bertha´s Big Brother KARL-GERÄT ( 60cm) & (54cm), Panzer Tracts, Boyds 2001, S.34
3.)Heiner F. Duske, Tony Greenland u. Detlev Terlisten, Gleisketten- LKW´s / Maultier (Sd.Kfz. 3) Nuts & Bolts, Neumünster 2011, S.2-6
4,)Dieter Handrich, Sturmgewehr 44, DWI, Blaufelden 2008 , S.124-135.
5.)Otto Skorzeny, Meine Kommandounternehmen, Winkelried, Dresden 2007, S. 208 f.
6.)Reiner Lidschan u. Günter Wollert, Infanteriewaffen Gestern 1918-1945, Bd.1, Brandenburgisches Verlagshaus, Berlin 1996, S. 149 f.

Vollmer M35, dessen Einführung vom Heereswaffenamt untertrieben wurde
Vollmer M35, dessen Einführung vom Heereswaffenamt untertrieben wurde
Maultier Gleisketten LKW
Maultier Gleisketten LKW
So einfach ging der Umbau zum Maultier LKW in der Regel: Hinterachse wird entfernt, der Antriebsstrang wird modifiziert, um die kleinen Gleisketten anzutreiben, anschließend wird das Gleiskettensystem installiert ( Anfang kamen Kettensysteme von britischen erbeuteten Carden-Lyod Kettenfahrzeugen zum Einbau, später auch die von alten PZ2)
So einfach ging der Umbau zum Maultier LKW in der Regel: Hinterachse wird entfernt, der Antriebsstrang wird modifiziert, um die kleinen Gleisketten anzutreiben, anschließend wird das Gleiskettensystem installiert ( Anfang kamen Kettensysteme von britischen erbeuteten Carden-Lyod Kettenfahrzeugen zum Einbau, später auch die von alten PZ2)
Sten Mk 2 MP mit Schalldämpfer
Sten Mk 2 MP mit Schalldämpfer
Deutscher Nachbau der engl. Sten MP , Kal. 9mm Luger
Deutscher Nachbau der engl. Sten MP , Kal. 9mm Luger

 

 

 

 

 

 

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