Atom- oder Kernenergie resultiert vorwiegend aus der Spaltung von Atomkernen des Elementes Uran. Der aus Neutronen und positiv geladenen Protonen bestehende Atomkern zerfällt bei der Kernspaltung in zwei Teile, deren Gesamtmasse kleiner ist als die des ungespaltenen Kerns. Die Massendifferenz wird in Energie umgewandelt: „Werden Urankerne mit Neutronen- subatomaren Teilchen ohne elektrische Ladung- bombardiert, spalten sich diese Kerne mitunter und setzen Energie und zusätzliche Neutronen frei. Da bei jedem Spaltungsvorgang durchschnittlich mehr als zwei Neutronen freigesetzt werden, erschien aufgrund der sich in geometrischer Reihe vermehrenden Zahl von Kernspaltungen eine Kettenreaktion möglich. Für derartige Kettenreaktionen gibt es zwei Anwendungen: kontrollierte, die Wärme und dadurch Elektrizität erzeugen, unkontrollierte, die zu einer als Waffe geeigneten Kernexplosion führen. “

Den entscheidenden Schritt in der Forschung zur Atomenergie taten im Jahre 1938 die deutschen Chemiker Dr. phil. Otto Hahn ( dem 1944 der Nobelpreis für Chemie zugesprochen wurde), und Dr. Ing. Fritz Straßmann, als sie das Phänomen der Kernspaltung entdeckten.

Der Nobelpreisträger Dr. Werner Heisenberg entwickelte dann 1939 die Theorie einer energieerzeugenden “ Uranmaschine “ ( wie seinerzeit der Kernreaktor in Deutschland genannt wurde), und in den folgenden Jahren wurden vond en deutschen Wissenschaftlern Versuche mit Uran durchgeführt, die im September 1941 zu der Erkenntnis führten, dass die “ Uranmaschine “ zur zivilen Nutzung der Kernenergie auch ind er Praxis funktionieren müsste.

Die führenden Köpfe der deutschen Forschung trafen wiederholt mit Entscheidungsträgern des Dritten Reiches zusammen, um die Einsatzmöglichkeiten der Atomenergie zu diskutieren.
Bei der wichtigsten dieser Konferenzen erklärte Heisenberg am 4. Juni 1942 in Berlin vor rund 50 Wissenschaftlern, Militärs und Wirtschaftsführern, “ dass Deutschland weder über ausreichend Herstellungswerke und elektrische Energie, noch über die benötigten Arbeitskapazitäten zur Konstruktion einer Atombombe verfüge, darüber hinaus die notwendigen Arbeiten nun doch viele Jahre andauern würden.“
Daraufhin soll die Entscheidung getroffen worden sein, sich ausschließlich auf die Erforschung des Uranbrenners für eine zivile Nutzung zu konzentrieren, und das Heereswaffenamt, in dessen Verantwortung das Atomprojekt gewesen war, zog sich vorgeblich insoweit zurück: “ Damit hat Deutschland den Schritt zur friedlichen Entwicklung der Atomenergie beschritten und sich von der vernichtenden Wirkung der Atombombe bewusst freigemacht. “
( Anm.: Das weder genügen Material, noch Zeit da wäre, stimmt nicht wirklich. Die Amerikaner erbeuteten hunderte Tonnen Uran in Deutschland ( weitaus mehr als sie jemals für das gesamte Manhattan Projekt hatten auftreiben können), sie erbeuteten ebenfalls hunderte Tonnen schweres Wasser, wie aus amerikanischen Beutearchiven belegt ist, und sie erbeuteten fertig gestellte Atombomben, eine davon wurde sofort von den Amerikanern auf Hiroshima abgeworfen. Die deutschen waren den Amerikanern in der Forschung sowohl ziviler Atomenergie ( Atomreaktor) als auch in der Atombombenentwicklung Jahre vorraus, so hatten die Amerikaner ernste Probleme einen passenden Zünder zu konstruieren, geeignete Abwurffallschirme und weitere Probleme. Ich werde noch dementsprechend die Bücher als Buchtipp posten, wo man sich tiefer dazu reinlesen kann.)

Dr. Heisenberg übernahm im Juli 1942 die Leitung der Forschungsgruppe des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Physik, das die weiteren Reaktorversuche durchführen sollte. Neben ausreichenden Uranmengen wurden hierfür auch größere Mengen von Schwerem Wasser benötigt, mit dem die Geschwindigkeit der Neutronen bei der Kernbeschießung gebremst werden muss.

Dieses Schwere Wasser konnte anfangs in Deutschland bei weitem nicht in ausreichender Menge produziert werden, so dass man weitgehend auf die Lieferungen des norwegischen Norsk-Hydro Werkes in Rjukan angewiesen war. Das Werk war mehrfach durch britische und norwegische Sabotagetrupps angegriffen worden und wurde im Oktober 1943 durch allierte Bomber völlig zerstört.

Durch den Ausfall der Lieferungen an Schwerem Wasser wurden die Atomversuche zwar erstmal erheblich beeinträchtigt ( Die Inbetriebnahme der in Deutschland neu gebauten Schwere-Wasser-Fabriken bedurfte seine Zeit), allerdings wurden sie mit den bereits in Deutschland lagernden Mengen an Schwerem Wasser fortgeführt.
Wie die nach dem Kriege im Landhaus Farm Hall bei Cambridge festgesetzten deutschen Atomwissenschaftler in ihrem Memorandum vom 8. August 1945 darlegten, waren die Arbeiten gegen Kriegsende schon so weit gediehen, “ dass die Aufstellung einer Energie liefernden Apparatur wohl nur noch kurze Zeit in Anspruch genommen hätte.“
Das Memorandum enthält eine interessante, komprimierte und auch für den Laien gut verständliche Übersicht der Entwicklung der deutschen Arbeiten zur Kernforschung während des Dritten Reiches.
Die Untersuchungen der Allierten nach dem Kriege ergaben, wie die amerikanischen Reaktorexperten bestätigten, “ dass die in Amerika und Deutschland unternommenen Anstrengungen ( zur Kernforschung) in verblüffendem Maße parallel verlaufen waren: Beide Seiten hatten annähernd die gleiche Zahl von Forschern beschäftigt und die gleichen Materialmengen und Geldsummen investiert; auch hatten beide Seiten ähnliche wissenschaftliche Ergebnisse erzielt. “

Im Internierungslager von Farm Hall stellten die deutschen Nuklearphysiker erstaunt fest, dass ihre historisch bedeutsamen Forschungen zur friedlichen Nutzung der Atomkraft für die Energieerzeugung deutlich fortgeschrittener waren als diejenigen ihrer amerikanischen Kollegen.
Der Kernphysiker Karl Wirtz, der in der Forschungsgruppe Heisenbergs mitgearbeitet hatte, meinte “ es sei charakteristisch dass die Deutschen die Kernspaltung entdeckten, sie aber nicht vorrangig für den Massenmord angewendet hätten, während die Amerikaner dies ohne Scham täten. “

In Deutschland wurde die Kernenergieforschung 1957 mit der Errichtung des Forschungsreaktors München in Garching wieder aufgenommen.
1961 begann der Betrieb des Kernkraftwerkes Kahl in Karlstein am Main. Heute bildet Kernenergie mit derzeit 17 Kernkraftwerken einen festen Bestandteil der deutschen Energieerzeugung. Alle deutschen Anlagen wurden von dem deutschen Konzern Siemens errichtet, der mit seiner Kompetenz in Kernkraftwerkstechnologie und -bau eine wichtige Rolle für die deutsche Exportwirtschaft spielte.

Prof. Dr. phil., Dr. rer. nat. h. c. Dr. Ing. e. h. Dr. phil. nat. h. c. Dr. med. h. c. D. Sc. h. c. Otto Hahn
Prof. Dr. phil., Dr. rer. nat. h. c. Dr. Ing. e. h. Dr. phil. nat. h. c. Dr. med. h. c. D. Sc. h. c. Otto Hahn

 

Prof. Dr. phil. Dr. h. c. mult. Werner Heisenberg
Prof. Dr. phil. Dr. h. c. mult. Werner Heisenberg

 

Fritz Straßmann
Fritz Straßmann
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